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Salzburgs Mega-Talent Xaver Schlager im Sonntags-Talk: "Es ist wichtig, dass man das schätzt, was man hat"

Xaver Schlagers Entwicklungskurve beim FC Red Bull Salzburg zeigt steil bergauf. Im Alter von nur 20 Jahren hat der Oberösterreicher bereits eine beachtliche Titelsammlung vorzuweisen, hinzukommen erste Schritte im Nationalteam. Im Sonntags-Talk erklärt der Shootingstar, wie man trotz großen Erfolgs am Boden bleibt, warum überhaupt sein Vorname am Trikot steht und was bei Oma auf den Mittagstisch kommt.

Der Spross einer fußballverrückten Familie aus St. Valentin bei Linz gewann 2017 mit dem Salzburger Nachwuchs die UEFA Youth League in beeindruckender Manier und wurde bereits dreimal Meister sowie zweimal Cup-Sieger mit der Kampfmannschaft. Im März dieses Jahres wurde Schlager folgerichtig erstmals fürs ÖFB-Team nominiert, für das der leidenschaftliche NBA-Fan und Skifahrer bereits vier Spiele absolviert hat.

SALZBURG24: Im Hinspiel der 3. CL-Quali-Runde habt ihr Tetovo geschlagen. Wie hast du das Spiel erlebt und was muss am Dienstag in Skopje passieren?

XAVER SCHLAGER: Es war ein intensives und schwieriges Spiel. Wir haben sehr gut begonnen, dann vielleicht ein wenig nachgelassen und zum Glück kurz vor der Pause noch das 2:0 erzielt. Aber man hat gesehen, dass sie sehr gut Fußballspielen können, Shkendija war in manchen Phasen spielbestimmend. Am Ende haben wir das aber gut gelöst und wohl verdient gewonnen. Am Dienstag müssen wir wieder so eine konzentrierte Leistung abrufen und erneut ans Limit gehen.

Auf deinem Trikot steht seit Saisonbeginn dein Vorname – wie kommt das?

Das wollte ich schon immer haben – Xavi (Ex-Barcelona, Anm.) hatte das auch. Das ist ein cooles Markenzeichen. Ich bin stolz darauf, dass mir meine Eltern den Vornamen gegeben haben. Früher habe ich mich darüber aufgeregt, aber heute bin ich froh einer der wenigen zu sein, die diesen seltenen Namen tragen dürfen.

In Österreich kommt der Name Schlager etwas öfter vor als Xaver. Beim Saisonauftakt gegen den LASK standen auch zwei mit dem gleichen Nachnamen am Platz und das war schon irgendwie komisch.

Gab es da keine Probleme mit der Bundesliga?

Anfangs war es nicht einfach und nicht ganz klar, ob das möglich ist. Aber nach etlichen Gesprächen mit der Bundesliga hat es dann geklappt und es passt jetzt gut für mich. Ich bin aber nicht der einzige Fußballspieler, der mit seinem Vornamen am Trikot spielt.

Was macht eigentlich dein Spiel aus?

Am Platz bin ich ein geradliniger Spieler, der versucht, eher die einfachen Dinge zu spielen und der übers Läuferische und die Zweikämpfe ins Spiel kommt – voll unspektakulär eigentlich (lacht).

Seit fast einem Jahrzehnt bist du beim FC Red Bull Salzburg. Fühlst du dich manchmal mehr als Salzburger statt als Oberösterreicher?

Überhaupt nicht, ich bin richtig heimatverbunden und fahre oft zu Familie und Freunden ins Dorf. Ich kenne mich da zwar manchmal besser aus als daheim, als richtigen Salzburger würde ich mich aber nicht bezeichnen, auch wenn es mir hier sehr gut gefällt. Meistens bin ich alle zwei Wochen daheim.

Was steht in deiner Heimat dann auf dem Programm?

Freunde treffen, chillen und gut essen bei der Oma – das ist das Wichtigste (lacht). Da kommt die gesunde Ernährung manchmal ein bisschen zu kurz, wenn der Schweinsbraten am Tisch steht.

Wie hast du den Sommer bislang verbracht?

Nach dem Nationalteam hatten wir drei Wochen Urlaub. Ich war viel daheim und fünf Tage mit Stevi Lainer und Konni Laimer auf Mallorca relaxen. Die erste Woche war noch sehr gemütlich, danach habe ich mich mit Lauf- und Krafttraining auf die neue Saison vorbereitet.  

Beschreib doch bitte deine ersten Eindrücke im A-Kader.

Ich kam in einer etwas speziellen Situation zum Team dazu, als gerade der Trainer gewechselt wurde. Aber im Nationalteam hilft jeder jedem. Es ist eine neue und spannende Aufgabe. Ich habe mich richtig gefreut mit den besten Spielern Österreichs zusammenzuspielen. Das Niveau ist sehr hoch und in jedem Training kann man viel lernen und sich Dinge von Arnautovic und Co. abschauen.

Außerdem stellt man schnell fest, dass man bald voll mitspielen kann, was gut fürs eigene Selbstvertrauen ist. Angst darfst du nicht haben. Das habe ich beim Freundschaftsspiel gegen Brasilien gesehen – das sind auch ganz normale Menschen.

Wann spielt Österreich das nächste Mal bei einer Fußball-WM?

Wer weiß das schon? Das Fußballsystem in Österreich wird immer besser, wie man schon bei der EURO 2016 gesehen hat. Viele Österreicher spielen in Top-Ligen – wir sind schon vorne mit dabei. Am Ende fehlen vielleicht nur Kleinigkeiten. Eine WM-Teilnahme würde dem ganzen Land gut tun.

Zurück zum Verein: Was ist für dich das Besondere beim FC Red Bull Salzburg?

Der Verein ist sehr aufstrebend, zielorientiert und arbeitet gern mit jungen Leuten zusammen. Man will einfach weiterkommen. Andere Vereine schauen darauf nicht abzusteigen und wir wollen zumindest Meister werden, dann in die Europa League und hoffentlich bald auch Champions League. Wir werden besser und konstanter. Der Erfolg aus dem letzten Jahr sind die Früchte der Arbeit über einen längeren Zeitraum mit dem Nachwuchssystem und der Zusammenarbeit mit der Akademie.

Was hat sich in der Mannschaft im Vergleich zum Sommer 2017 verändert?

Schwer zu sagen, weil ich damals selbst verletzt war und gar nicht mittrainiert habe. Der Stamm der Mannschaft ist aber gleichgeblieben. Man kennt die Gesichter und weiß, wie die anderen ticken. Wir müssen uns nicht neu kennenlernen, sondern verstehen uns am Spielfeld und haben auch abseits davon eine Gaudi miteinander.

Ist die Mannschaft deshalb heuer stärker?

Das wird sich erst nach den ersten Spielen zeigen. Die Abläufe sind einstudiert, jeder hat mehr Erfahrung – das hilft schon. Aber ob wir stärker oder schwächer sind, keine Ahnung.

Was lernst du von gestandenen Profis wie Zlatko Junuzovic oder Alexander Walke?

Sehr viel, denn die haben richtig lange Erfahrung, kennen das Geschäft und den Umgang mit den Medien. Solche Spieler wissen auch, wie es ist, vor einer großen Kulisse zu spielen und können den Jungen helfen, wie man aus Tiefs rauskommt oder erst gar nicht abhebt.

Einmal abgesehen vom letzten Cup-Finale: Hat Red Bull Salzburg eigentlich Konkurrenz in Österreich?

Sicherlich haben wir Konkurrenz. Es sagt immer jeder, dass Meisterschaft und Cup so leicht für uns wären. Aber wir arbeiten jeden Tag daran, um in der Liga zu bestehen. Jeder will gegen uns gewinnen und ist extra-motiviert. Wir haben den Anspruch Meister zu werden, wir tun aber auch sehr viel  dafür.

Hand aufs Herz: Bist du vor internationalen Spielen angespannter als in der Bundesliga?

Internationale Spiele sind schon deshalb besonders, weil sie unter der Woche und meistens im Dunkeln stattfinden. Das ist schon ein ganz anderes Feeling und sicher ein Highlight. Aber in der Liga muss man auch 100 Prozent abrufen, um zu bestehen. Und letztlich kommen wir ja nur über die Erfolge in der Liga zu diesen internationalen Spielen.

In deinem jungen Alter hast du schon beachtliche Erfolge feiern dürfen – wie lernt man Demut und bleibt am Boden?

Es geht ganz schnell nach unten – das hat man ja schon oft gesehen. Eine Verletzung kann dich zurückwerfen und andere können sich stattdessen ins Rampenlicht spielen. Das wichtigste ist, fit zu bleiben und klar im Kopf zu sein. Es bringt ja nichts, dass ich mich mit 20 Jahren ausruhe und später feststelle, dass ich eigentlich gar nichts erreicht habe. Am Ende der Saison kann man ein Fazit ziehen, aber abheben bringt gar nichts. Neue Ziele kann man sich jederzeit setzen, das beste Beispiel dafür ist Cristiano Ronaldo mit seinem Wechsel zu Juventus.

Hast du in deinem Umfeld jemanden, der dir sowas beigebracht hat?

Bei uns im Dorf lernt man die einfachen Sachen. Man ist froh, wenn man beim Bier mit Freunden zusammensitzt und eine Gaudi hat. Das macht glücklich. Es ist wichtig im Leben, dass man das schätzt, was man hat.

Danke für das Gespräch.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

Aufgerufen am 17.12.2018 um 04:00 auf https://www.salzburg24.at/sport/fussball/salzburgs-mega-talent-xaver-schlager-im-sonntags-talk-es-ist-wichtig-dass-man-das-schaetzt-was-man-hat-58756186

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