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"Ultimativer Fan-Verrat"

Super League-Clubs gehen auf Konfrontationskurs

Insider eines Großklubs packt aus

Die Eigentümer der sechs englischen Fußball-Topclubs, die in die Pläne einer Super League involviert sind, machen sich offenbar keine Sorgen über mögliche negative Folgen ihres Ausscherens.

Die Besitzer hätten einen Gegenschlag einkalkuliert, zitierte der britische Sender Sky News am Montag ein Vorstandsmitglied eines der Vereine, das namentlich nicht genannt werden wollte. Die Fans der sechs Vereine laufen unterdessen Sturm.

 

Keine Sorgen über negative PR

"Um ehrlich zu sein, waren sie nicht sehr besorgt über (negative) PR", sagte der involvierte Funktionär gegenüber Sky News. Das Wohl des Spiels sei für die Eigentümer zweitrangig. Im Geheimen seien sie über die Möglichkeit, dass ihre Spieler für Europa- und Weltmeisterschaft gesperrt werden könnten, sogar erfreut. "Sie mögen es nicht, ihr spielendes Vermögen für eine sehr geringe finanzielle Belohnung an Länder weiterzugeben."

Stephan Reiter, Red Bull Salzburg GEPA/Red Bull
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Fangruppen sprechen von "ultimativem Verrat"

Sechs der zwölf an der Super League beteiligten Clubs kommen aus England. Es gebe zwar auch bei Manchester United, Manchester City, Liverpool, Arsenal, Chelsea und Tottenham einige Vorstandsmitglieder, die gegen die Pläne seien. "Aber sie haben den Eindruck, dass sie keine Macht haben, sie zu stoppen", meinte der anonyme Manager. Mit Blick auf die Situation im Fußball sagte er: "Dies ist kein Bürgerkrieg, sondern ein Atomkrieg."

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Ausgetragen wird er mitunter auf dem Rücken der Fans. Fast alle wesentlichen Fan-Organisationen der sechs Clubs melden sich daher am Montag zu Wort. Der Chelsea Supporters' Trust sprach von "unverzeihlichen" Plänen, die von Gier getrieben seien. "Unsere Mitglieder und Fußballfans weltweit haben den ultimativen Verrat erlebt." Auch die Dachorganisation der Tottenham-Anhänger sprach von einem "Verrat am Verein".

Liverpool-Anhänger reagieren

Der Spirit of Shankly, eine Fangruppe des entthronten Meisters Liverpool, betonte, die Clubeigentümer der Fenway Sports Group hätten die Fans in ihrem "unerbittlichen und gierigen Streben nach Geld" ignoriert. "Fußball gehört uns, nicht ihnen."

Fußball "gehört den Fans"

Die Dachorganisation der Anhänger von Rekordmeister Manchester United forderte den Verein auf, die Pläne aufzugeben. "Eine 'Super League', die eine geschlossene Veranstaltung selbst gewählter reicher Clubs ist, steht gegen alles, das Fußball und Manchester United ausmachen sollte." Das Pendant von Arsenal, der Arsenal Supporters' Trust, schrieb: "Das bedeutet den Tod all dessen, um das es beim Fußball gehen sollte."

Auch Anhänger von Tabellenführer und Fast-Meister Manchester City, der sich mit Millionen aus Abu Dhabi wieder ins Rampenlicht gespielt hat, machten ihrem Ärger Luft. Die Super League besitze keinen sportlichen Wert. "Diese Clubbesitzer, egal woher, scheinen zu denken, dass der Fußball ihnen gehört. Das tut er nicht. Er gehört uns, den Fans - unabhängig davon, wen wir unterstützen."

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"Fußball auf rechtmäßigen Platz bringen"

"Wir werden dem Fußball auf jedem Level helfen und ihn zu seinem rechtmäßigen Platz in der Welt bringen. Fußball ist der einzige globale Sport auf der Welt mit mehr als vier Milliarden Fans und unsere Verantwortung als große Clubs ist es, auf deren Begehrlichkeiten zu reagieren", wurde Real-Boss Florentino Perez zitiert, der Vorsitzender der neuen Superliga sein soll. Einer seiner Stellvertreter ist Andrea Agnelli. Der Vorstandsvorsitzende von Juventus war bisher Vorsitzender der Club-Vereinigung ECA. Von diesem Posten trat er laut Medienberichten bereits zurück.

Juve-Boss will europäischen Wettbewerb verändern 

"Unsere zwölf Clubs stehen für Milliarden Fans auf der ganzen Welt und 99 europäische Titel. Wir haben uns in diesem kritischen Moment zusammengefunden, um den europäischen Wettbewerb zu verändern und das Spiel, das wir lieben, auf eine nachhaltige Basis für seine langfristige Zukunft zu stellen", meinte Agnelli in einem Statement. Atletico führte an, dass die Corona-Pandemie die Gründung der Liga aufgrund der Instabilität des aktuellen Modells im europäischen Fußball beschleunigt habe.

Super League-Einnahmen durch TV-Gelder

Den Gründungsvereinen der neuen Superliga sollen zunächst 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Der größte Teil der Einnahmen soll wohl wie üblich aus der Vermarktung der TV-Rechte kommen. Die Umsätze sollen deutlich über jenen liegen, die in der Champions League generiert werden. Alleine der Sieger soll kolportierte 400 Millionen Euro erhalten. Die Vereine wollen Solidaritätszahlungen leisten, ein ähnlicher Bewerb soll auch für Frauenteams entstehen.

Aktienkurs steigt bei Top-Teams

Auf den Börsen stiegen die Kurse der beteiligten Clubs. Der Aktienkurs von Juventus kletterte zunächst um über zwölf Prozent, jeder von Manchester United um elf. Die Pläne einer Superliga waren am Sonntag durchgesickert und hatten für harsche Kritik gesorgt. Die UEFA und die nationalen Ligen reagierten mit einer scharfen Drohung. Die Vereine würden von allen weiteren Wettbewerben ausgeschlossen, ihre Spieler dürften nicht mehr für Nationalteams einlaufen, teilte die UEFA am Montag noch einmal mit. Dies hatten in der Vergangenheit bereits die FIFA und die weiteren Kontinentalverbände angekündigt.

Gedankt wurde den Clubs anderer Länder, insbesondere den französischen und deutschen. Bayern München, Borussia Dortmund oder Paris Saint-Germain schlossen sich der neuen Eliteliga nicht an. Die englische Premier League warnte ihre Aushängeschilder vor dem Beitritt. Auch der britische Premierminister Boris Johnson schaltete sich in die Diskussion ein und nannte die Pläne als "schädlich" für den Fußball. Ein Sprecher der Regierung gab an, dass man prüfe, mit welchen Mitteln man den neuen Bewerb verhindern könne.

Scharfe Kritik aus England

Vor allem in England gab es teils wütende Reaktionen. Deutlich wurde Gary Neville. Er sei seit 40 Jahren Anhänger von Manchester United, merkte der Ex-Kapitän der "Red Devils" an. Die an dem Projekt beteiligten englischen Clubs würden ihre eigene Geschichte und ihre Fans verraten. "Das ist reine Geldgier. Das sind Hochstapler", sagte der TV-Experte auf Sky Sports. Er sprach von einem "kriminellen Akt gegen die Fans", den Clubs sollten die Punkte abgezogen und sie außerdem ans Tabellenende gereiht werden. "In welcher Welt leben diese Leute eigentlich, wenn sie denken, sie können dies zu diesem Zeitpunkt durchziehen?", sagte Neville unter Verweis auf die Corona-Pandemie.

Bei den Clubs selbst gibt es offenbar keine Bedenken. Die Besitzer hätten einen Gegenschlag einkalkuliert, zitierte der britische Sender Sky News ein ungenanntes Vorstandsmitglied von einem der englischen Vereine. Das Wohl des Spiels sei für die Eigentümer zweitrangig. Im Geheimen seien sie über die Möglichkeit, dass ihre Spieler für Europa- und Weltmeisterschaft gesperrt werden könnten, sogar erfreut, so der Funktionär. "Sie mögen es nicht, ihr spielendes Vermögen für eine sehr geringe finanzielle Belohnung an Länder weiterzugeben."

(Quelle: APA)

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