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In 48 Stunden

So kam es zum Super League-Aus

Kollaps der Superreichen mit Domino-Effekt

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Fans in ganz Europa setzen ein starkes Zeichen gegen Super League.

Nur zwei Tage nach der Bekanntgabe ihrer Pläne für eine europäische Fußball-Super-League fielen die Mitgründer wie Domino-Steine um. Einer nach dem anderen verkündete den Ausstieg aus dem umstrittenen Milliarden-Projekt. Ausgelöst wurde die Lawine von den sechs englischen Clubs, die vor dem massiven Proteststurm kapitulierten. Ein Überblick:

Am Sonntagabend erschütterte der Plan der Superreichen ganz Fußball-Europa. Die Idee der Revoluzer ging nicht auf. Nach Fan-Aufstände und heftiger Kritik aus der Politik folgte der Rückzug.

Super League ist Super-Flop

So ging der Kollaps der hoch verschuldeten Top-Klubs über die Bühne:

  • Manchester City: Rückzug am Dienstag, 22.19 Uhr - Kernsatz: "Manchester City kann bestätigen, dass es formal die Prozedur eingeleitet hat, aus der Gruppe auszusteigen, die Pläne für eine europäische Super League entwickelt."
  • Liverpool: Rückzug am Dienstag, 23.55 Uhr - Kernsatz: "In den vergangenen Tagen hat der Club Stellungnahmen wichtiger Partner, sowohl intern als auch extern, erhalten. Wir danken für ihre wertvollen Beiträge."
  • Manchester United: Rückzug am Dienstag, 23.55 Uhr - Kernsatz: "Wir bleiben der Zusammenarbeit mit anderen in der gesamten Fußballgemeinde verpflichtet, um nachhaltige Lösungen für die langfristigen Herausforderungen für das Spiel zu finden."
  • Arsenal: Rückzug am Dienstag, 23.55 Uhr - Kernsatz: "Wir haben einen Fehler gemacht, und wir entschuldigen uns dafür."
  • Tottenham Hotspur: Rückzug am Dienstag, 23.55 Uhr - Kernsatz: "Wir danken allen Fans, die ihre geschätzten Meinungen vorgetragen haben."
  • Chelsea: Rückzug am Mittwoch, 02.41 Uhr - Kernsatz: "Nachdem wir uns der Gruppe Ende letzter Woche angeschlossen haben, hatten wir jetzt Zeit, uns eingehend mit der Angelegenheit zu befassen und haben entschieden, dass unsere weitere Beteiligung an diesen Plänen nicht im besten Interesse des Clubs, unserer Fans und der Fußball-Gemeinde ist."
  • Atletico Madrid: Rückzug am Mittwoch, 11.40 Uhr - Kernsatz: "Für den Verein ist die Eintracht zwischen allen Angehörigen der rot-weißen Familie, insbesondere mit unseren Fans, das Wichtigste."
  • Inter Mailand: Rückzug am Mittwoch, 12.04 Uhr - Kernsatz: "Inter ist der Ansicht, dass der Fußball wie jeder andere Tätigkeitsbereich ein Interesse daran haben sollte, seine Wettbewerbe ständig zu verbessern, um Fans aller Altersgruppen auf der ganzen Welt im Rahmen der finanziellen Nachhaltigkeit weiterhin zu begeistern."
  • AC Milan: Rückzug am Mittwoch, 13.24 Uhr - Kernsatz: "Die Stimmen und Sorgen der Fans auf der ganzen Welt waren mit Blick auf die Super League stark und klar."
  • Juventus: Rückzug am Mittwoch, 13.36 Uhr - Kernsatz: "In diesem Zusammenhang ist Juventus zwar weiterhin von der Gültigkeit der sportlichen, kommerziellen und rechtlichen Annahmen des Projekts überzeugt, ist jedoch der Ansicht, dass es derzeit nur begrenzte Möglichkeiten gibt, es in der Form abzuschließen, in der es ursprünglich konzipiert wurde."

   Noch ohne offizielle Club-Mitteilung:

  • FC Barcelona: Clubchef Joan Laporta hatte allerdings bereits am Dienstag beteuerte, der Verein werde sich nicht gegen den Willen der Mitglieder der Super League anschließen
  • Real Madrid: Spaniens Rekordmeister mit Präsident Florentino Perez war treibende Kraft für die Super League, Perez sollte Liga-Boss werden.
(Quelle: APA)

Totgeburt Super League begraben

Super_League_Fan APA/AFP/JUSTIN TALLIS
Fans in ganz Europa setzen ein starkes Zeichen gegen Super League.

Das Projekt einer europäischen Super League von zwölf europäischen Fußball-Topclubs ist am Mittwoch gescheitert – knapp drei Tage nach Bekanntwerden der Pläne.

Mitinitiator Andrea Agnelli, der Präsident des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin, gestand am Mittwoch, dass die Pläne durch den Rückzug der sechs ursprünglich involvierten englischen Clubs nicht mehr umsetzbar seien. Wenig später brachen mit Atletico Madrid und Inter Mailand zwei weitere Teams weg.

Super League wird zum Super-Flop

Von den zwölf Vereinen hatten sich bis Mittwochnachmittag damit nur Juventus, Real Madrid, der AC Milan und der FC Barcelona nicht von dem Projekt verabschiedet. Die englischen Vertreter Arsenal, Chelsea, Liverpool, Manchester City, Manchester United und Tottenham hatten auf Druck ihrer Fans und der Politik bereits am Dienstagabend –keine 48 Stunden nach Veröffentlichung der Abspaltungspläne – einen Rückzieher gemacht.

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Chelsea-Fans setzen ein starkes Zeichen gegen Super League.

Agnelli betonte, dass er überzeugt sei, dass der europäische Fußball eine Veränderung brauche. Er bedauere die Art und Weise des Versuches nicht, betonte der Fiat-Manager gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Ob das Projekt nach den zahlreichen Rückziehern noch weitergeführt werden könne? "Um ehrlich zu sein, nein, das ist offensichtlich nicht der Fall."

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Super League gescheitert

Real Madrid und Juventus gelten als die größten Treiber hinter der neuen Liga, die in direkter Konkurrenz zur Champions League der UEFA gestanden wäre. Reals Präsident Florentino Perez war als Vorstandsvorsitzender vorgesehen, Agnelli als sein Stellvertreter. "Ich bleibe überzeugt von der Schönheit dieses Projektes", sagte Agnelli. Es hätte den besten Wettbewerb der Welt kreiert. "Aber zugegeben – ich glaube nicht, dass das Projekt immer noch läuft."

Etliche Clubs bei Super League-Boss angefragt

Laut Agnelli seien vor dem Rückzug der englischen Vertreter zahlreiche andere Clubs an ihn herangetreten, um Aufnahme in den elitären Kreis zu finden. Neben den zwölf genannten Gründern wären noch drei weitere ständige Mitglieder vorgesehen gewesen. Fünf Plätze in der 20er-Liga hätten jährlich auf Basis der sportlichen Leistungen vergeben werden sollen.

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Fans in ganz Europa setzen ein starkes Zeichen gegen Super League.

"Ich werde nicht sagen, wie viele Clubs mich alleine in den vergangenen 24 Stunden kontaktiert haben", sagte Agnelli. "Vielleicht lügen sie, aber viele haben mich kontaktiert und gefragt, was sie machen können, um aufgenommen zu werden." Topclubs aus Deutschland und Frankreich, darunter der entthronte Champions-League-Sieger Bayern München oder Paris Saint-Germain, hatten sich am Dienstag öffentlich klar gegen die Super League deklariert.

Politik für Scheitern mitverantwortlich

Agnelli machte auch den Druck, den die britische Regierung angeführt von Premier Boris Johnson auf die englischen Clubs ausgeübt hatte, für deren Rückzieher verantwortlich. Die sechs Teams hätten in deren Augen wohl auch die englische Premier League gefährdet, spekulierte der 45-Jährige. "Die Politik hätte das als einen Angriff auf den Brexit und auf ihr politisches Schema gesehen."

Super_League APA/AFP/Paul ELLIS
Liverpool-Fans setzen ein starkes Zeichen gegen Super League.

Die Reaktionen der Fans auf die Pläne waren in England besonders ablehnend ausgefallen. Als Reaktion will die britische Regierung auch über eine stärkere Regulierung der Geldflüsse im englischen Fußball nachdenken. So werde man laut Sportminister Oliver Dowden auch über die in Deutschland gültige 50+1-Regel nachdenken, wonach Investoren nicht die Mehrheit an einem Fußballclub halten dürfen – im Milliarden-Business des englischen Fußballs eine Revolution.

Auch Agnelli argumentierte die am Ende erfolglose Vorgehensweise mit der Natur des Fußball-Geschäftes. Mit der UEFA, deren Exekutivkomitee er bis vor wenigen Tagen angehört hatte, gab es keine Zusammenarbeit. Wenn man die Zustimmung anderer benötige, sei so ein Projekt nicht möglich umzusetzen, meinte Agnelli. "Ich denke nicht, dass unsere Branche grundsätzlich eine besonders ehrliche, vertrauenswürdige oder zuverlässige ist."

Briten wollen Reform prüfen

Obwohl sich in der Nacht auf Mittwoch alle sechs an den Plänen für eine europäische Super League beteiligten englischen Vereine von dem Projekt abgewandt haben, will die britische Regierung eine Reform des Profi-Fußballs prüfen. Eine von Fans geleitete Untersuchung solle dafür weiterhin Vorschläge erarbeiten, sagte Sportminister Oliver Dowden am Mittwoch in der BBC. Dabei solle es auch darum gehen, wie Fans mehr Mitspracherecht bekommen könnten.

Dem Radiosender LBC sagte Dowden, die Regierung wolle sich so wenig wie möglich in die Belange des Fußballs einmischen. Investitionen seien weiterhin willkommen. Dennoch wollte der konservative Politiker die Einrichtung einer Aufsichtsbehörde für den Sport nicht ausschließen.

Deutschland als Fußball-Vorbild

Auch die etwa in Deutschland gültige 50+1-Regel, wonach Investoren nicht die Mehrheit an einem Fußballclub halten dürfen, werde in Betracht gezogen. "Deutsche Clubs haben nicht an diesem Vorstoß (der Super League/Anm.) teilgenommen", sagte der Minister. Das deutsche Modell sei daher etwas, das man sich anschauen werde.

Zwölf europäische Spitzenclubs hatten in der Nacht auf Montag die Gründung einer milliardenschweren Super League angekündigt. Diese hätte in direkter Konkurrenz zur Champions League der Europäischen Fußball-Union (UEFA) gestanden. Weniger als 48 Stunden später zogen sich mit Arsenal, Chelsea, Liverpool, Manchester City, Manchester United und Tottenham aber alle sechs beteiligten englischen Clubs nach heftigen Proteststürmen aus dem Projekt zurück.

Aufgerufen am 16.05.2021 um 08:36 auf https://www.salzburg24.at/sport/fussball/super-league-so-kam-es-zum-super-flop-102756829

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