Jetzt Live
Startseite Fußball
Übersicht

Wo Mädchen kicken gehen können

Frauenfußball in Salzburg immer beliebter

Frauenfußball FC Bergheim www.fc-bergheim.at
Salzburgs erste Adresse im Frauenfußball ist der FC Bergheim. (ARCHIVBILD)

Fußball ist bekanntlich die schönste Nebensache der Welt. Die erste Adresse im Salzburger Frauenfußball ist der FC Bergheim, der mit seinen Damen in der höchsten Spielklasse Österreichs kickt. Wir zeigen auf, bei welchen Vereinen fußballbegeisterte Mädchen und Frauen im Land Salzburg gegen das runde Leder treten können.

Im Land Salzburg gibt eine eigene Frauenliga mit acht Mannschaften, davon kommt zudem jeweils ein Team aus Mondsee und Schladming. Die Salzburger Vereine in Österreichs vierthöchster Spielklasse sind der USK Hof, USV Bad Vigaun, USC Eugendorf, SG Abtenau/Golling, SC Leogang und FC Pinzgau. Spielberechtigt sind Sportlerinnen ab dem 14. Lebensjahr.

Sonderregelung für Spielerinnen

Insgesamt waren im Jahr 2019 beim Salzburger Fußballverband (SFV) 568 aktive Spielerinnen gemeldet, die sich in 185 Erwachsene und 383 Nachwuchsspielerinnen aufteilt. In Summe komme man landesweit auf insgesamt rund 6.400 Einsätze pro Jahr, berichtete Herbert Steinhagen, Referent für Mädchen- und Frauenfußball beim SFV auf SALZBURG24-Anfrage. Demnach kommen jährlich durchschnittlich 120 neue Spielerinnen dazu. Im vergangenen Jahr konnte so ein Plus von 15 Prozent verzeichnet werden.

 

"Grundsätzlich kann bei jedem Verein ein Mädchen bis 14 Jahren im Nachwuchs-Fußball spielen", erklärt Steinhagen. Dabei sei es auch egal, ob es sich dabei eigentlich um eine Burschenmannschaft handele. "Danach gibt es Sondergenehmigungen für Spielerinnen in einer U16-Mannschaft zu spielen."

FC Bergheim ist Vorreiter

Beim USK Anif und dem Lieferinger SV gab es bis zu Beginn der Corona-Krise auch noch ein Trainingsangebot ausschließlich für Mädchen. Ebenso beschäftigte sich der SV Grünau intensiver damit. "Grundsätzlich können sich interessierte Mädchen gerne bei mir melden", betont Steinhagen. Die direkte Anfrage bei den Trainern bzw. Jugendleitern der jeweiligen Vereine sei freilich auch möglich.

Bundesligist Bergheim nehme dabei eine Vorreiterrolle im Salzburger Frauenfußball ein. "Für Salzburg wäre es wünschens- und erstrebenswert, wenn es noch einen weiteren Verein geben könnte, der sich dieser Herausforderung stellt", so Steinhagen.

Weitere Anstrengungen nötig

Erklärtes Ziel des SFV ist es, Mädchen von den diversen Nachwuchsmannschaften in die Frauenliga zu führen. Hierfür seien entsprechende Anstrengungen nötig und Maßnahmen zu setzen, die in unmittelbarer Zukunft angegangen werden sollen, heißt es.

Mit dem Projekt Disney sollen ab diesem Herbst Mädchen im Alter im Alter von fünf bis acht Jahren spielerisch an den Fußball herangeführt werden. Geplant ist, die wöchentlichen Trainingseinheiten in Tamsweg (Lungau), Saalfelden (Pinzgau), Hof, Bergheim (beides Flachgau) und Salzburg-Liefering anzubieten. Ein weiteres Ziel ist es, auch Mädchen und Frauen für die Trainertätigkeit zu gewinnen. Ein gemeinsames Trainerkursangebot nur für Frauen wird von den Bundesländern Salzburg, Kärnten und Steiermark bereits angeboten.

Haben wir einen Verein oder eine Gemeinde vergessen, in der Mädchen- bzw. Frauenfußball angeboten wird? Dann schickt ein E-Mail und wir ergänzen den Artikel.

(Quelle: SALZBURG24)

Wo Frauen im Fußball die Nase vorne haben

Feine Ballbehandlung, ausgeprägtes taktisches Verständnis oder auch die nötige Zweikampfhärte: Das alles bringen Top-Fußballerinnen mittlerweile mit – dennoch wird gerne von einem Leistungsunterschied gesprochen. Warum das so ist und wo Frauen gegenüber Männern die Nase vorne haben – wir haben bei vier Salzburger Experten nachgefragt.

"Viele fußballinteressierte Männer unterschätzen den Frauenfußball nach wie vor", ist Helmut Hauptmann überzeugt. Der 55-Jährige trainierte beim FC Bergheim die Frauen- (Saison 2017/18) und auch die Herrenkampfmannschaft (2012-2016). Was er im Training nach seiner Übernahme des Damenteams veränderte? "Ich habe praktisch eins zu eins die Inhalte, die ich auch mit den Herren erarbeitet habe, für das Damentraining verwenden können", blickt Hauptmann im Gespräch mit SALZBURG24 zurück. "Die Frauen waren extrem ehrgeizig, wollten gefordert werden und haben auch konditionell ordentlich geschuftet."

 

Technisch und taktisch sieht der Ex-Bergheim-Coach zwischen Frauen und Herren kaum mehr Unterschiede. Dafür, so Hauptmann, ist der "Frauenfußball vielleicht noch eine Spur ehrlicher." So gebe es weniger Zeitschinden und Lamentieren. "Die Männer sind dafür in den Zweikämpfen noch ein bisschen cleverer." Fußballerisch sei der Frauenfußball mittlerweile "auf einem super Niveau."

Männliche Fußballer größer und schwerer

"Grundsätzlich sind Vergleiche zwischen Frauen- und Männerfußball nur bedingt sinnvoll und sollten keinesfalls in irgendeine Richtung wertend erfolgen", erklärt Sportwissenschaftler Christoph Gonaus vom IFFB Sport- und Bewegungswissenschaften in Rif (Tennengau) im Gespräch mit SALZBURG24. Er hebt hervor, dass Fußball eine der wenigen Mannschaftssportarten ist, bei der im Regelwerk zwischen den Geschlechtern nicht unterschieden wird.

⚽️ Wie ist es um den Frauenfußball in Salzburg bestellt und ist ein Einstieg des FC Red Bull Salzburg denkbar? Wir haben nachgefragt:

Gepostet von SALZBURG24 am Mittwoch, 29. Juli 2020

Das sei insofern von Bedeutung, da sich Männer und Frauen von ihrer Körperlichkeit her ja sehr wohl unterscheiden. Ein Vergleich von U21-Elitespielerinnen und -Spielern an der Uni Salzburg zeigt, dass Männer im Schnitt um sieben Prozent größer und sogar um 22 Prozent schwerer sind als die Sportlerinnen. Physische Voraussetzungen, die eine zentrale Rolle hinsichtlich der Leistungsunterschiede zwischen Männern und Frauen spielen: "Männer können aufgrund der größeren Schrittlänge das Feld besser abdecken und wegen des Gewichts bzw. der Muskelmasse kann der Ball härter und länger gespielt werden", erläutert Gonaus.

Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball

Der große Unterschied zwischen Männer- und Frauenfußball – da sind sich die Salzburger Experten einig – ist das Tempo: "Bei den Männern ist das Spiel viel dynamischer", berichtet Andreas Strasser, Hauptmanns Nachfolger bei Bergheims Bundesliga-Damen. Sie können es vom Tempo her mit einer U17-Mannschaft bei den Burschen aufnehmen: "Wir vereinbaren daher häufig Testspiele gegen diese Teams, weil wir da körperlich auf einem Niveau sind", erklärt Strasser.

Die Beobachtungen, dass das Tempo beim Frauenfußball geringer ausfällt, wird statistisch belegt: "Aus einer Analyse von UEFA-Champions-League-Spielen geht hervor, dass Männer um 23 Prozent größere Distanzen im Sprinttempo zurücklegen", berichtet Sportwissenschaftler Gonaus. Auch bei der Passquote haben die Männer mit 84 Prozent gegenüber den Damen (74 Prozent) die Nase vorne. Verglichen wurden hier die letzten beiden Weltmeisterschaften.

Was die mentale Komponente anbelangt, ist Bergheims Damen-Trainer Strasser indes voll des Lobes:  "Die Einstellung bei den Damen ist top. Sie sind oft fleißiger und lernwilliger als die Männer." Er müsse seine Schützlinge oft eher bremsen. "Die kommen häufig auch mit einem geschwollenen Fuß ins Training." Der Coach schicke sie dann zum Physiotherapeuten. "Das ist aber natürlich schön, wenn du merkst, dass die Einstellung passt", schmunzelt der Deutsche im S24-Gespräch.

Position im Tor unterschiedlich beliebt

Nicht im Damen-, sondern im Mädchenfußball engagiert ist Walter Salvenmoser. Er ist Kinderkoordinator beim FC Pinzgau mit dem Schwerpunkt Mädchenfußball. Hat er Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern im Kindesalter beobachtet? "Bei den Mädchen ist das Wir-Gefühl etwas schneller da als bei den Burschen, wo häufig die individuelle Entwicklung stärker im Fokus ist", erklärt der Funktionär im Gespräch mit SALZBURG24.

 

Eine neuralgische Position im Fußball wird von beiden Geschlechtern indes unterschiedlich wahrgenommen, wie Salvenmoser erzählt: "Bei den Burschen gibt es von klein auf welche, die gerne ins Tor gehen möchten. Bei den Mädchen ist diese Position im Tor die unbeliebteste." Burschen würden hier mit mehr Unbekümmertheit ans Werk gehen, so die Theorie des Kinderkoordinators. "Sie haben oft weniger Hemmung, sich herumzuschmeißen." Daher würde auf der Tormann-Position bei den Burschen schneller ein Trainingsfortschritt erzielt als bei den weiblichen Altersgenossen.

Auch ein körperlicher Aspekt kommt hinzu: Tormänner können durch ihren meist vorliegenden Größenvorteil eine größere Fläche abdecken als Torfrauen, gibt Sportwissenschaftler Gonaus zu bedenken.

Wenig Wertschätzung für Frauenfußball

Aufholbedarf – auch hier sind sich Strasser und Hauptmann einig – habe der Frauenfußball noch in puncto Wertschätzung: "Die Mädels kommen auch dreimal in der Woche zu uns ins Training, haben den gleichen Aufwand und werden trotzdem noch etwas belächelt, weil es ja nur Damenfußball ist", ärgert sich Strasser. Doch auch hier tut sich etwas: "Die Entwicklung geht voran – aber nur langsam", so Bergheims Trainer.

Wohin die Reise im Frauenfußball geht, sei grundsätzlich schwer abzuschätzen, so Sportwissenschaftler Gonaus. "Aufgrund der zunehmenden Professionalisierung und des ansteigenden Talente-Pools im Frauenfußball ist aber davon auszugehen, dass über die nächsten Jahre größere Leistungssprünge bei den Frauen im Vergleich zu den Männern zu erwarten sind."

Aufgerufen am 03.08.2020 um 12:44 auf https://www.salzburg24.at/sport/fussball/wo-maedchen-in-salzburg-kicken-gehen-koennen-90856630

Kommentare

Mehr zum Thema