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Matthias Walkner: Das Motocross-Genie aus Kuchl

Der Kuchler Matthias Walkner holte gerade seinen ersten Sieg in der Motocross-WM und hat mit der WM-Führung etwas geschafft, was seit Heinz Kinigadner keinem Österreicher mehr gelungen ist. Wie der 25-Jährige so weit kam und welche Rolle die Hirscher-Familie dabei spielt, gibt’s hier zu lesen.

Vor kurzem setzte Matthias Walkner seiner bisherigen Karriere die Krone auf und holte in Arco di Treto seinen ersten Sieg in der Motocross-WM. Die WM-Führung hat der Kuchler schon länger inne und ist somit der erste Österreicher seit Legende Heinz Kinigadner Mitte der 80er-Jahre, der die WM-Führung übernahm. Aber fangen wir ganz vorne an. Der 25-Jährige hat mit SALZBURG24 über seinen Werdegang und das Leben als Motocross-Profi geplaudert.

Anfang auf zwei Brettern

Die Anfänge machte Matthias Walkner auf zwei Brettern. Im Gegensatz zu Schwester Eva Walkner blieb er dem Skisport nicht lange treu. Bei Motocross-Rennen im oberösterreichischen Schwanenstadt hat er Blut geleckt: „Das hab ich einfach geil gefunden.“ Daraufhin musste ein Motorrad her, erst wurde es ausgeliehen, dann gekauft. Ein Nachbar nahm den jungen Motocross-Neuling zu einem Rennen im Rahmen des Kärnten-Cups mit. Auf Anhieb landete der damals 14-jährige Walkner auf dem 2. Platz. „Davor bin ich nichtmal richtig auf einer Motocross-Strecke gefahren“, kann sich der Kuchler seinen damaligen Erfolg scheinbar selbst nicht ganz erklären.

Raus aus Österreich war für Walkner keine Option

„Eigentlich bin ich jetzt eh langsam, wenn ich bedenke, wie schnell sich das damals entwickelt hat“, meinte der 25-Jährige mit leicht zynischem Grinsen. Um sich richtig entwickeln zu können, „müsste man mit 17 allein raus aus Österreich“, weiß Walkner, dass der heimische für Motocross-Karrieren nicht der Beste ist. Belgien und Holland sind jene Länder, wo das Umfeld und die Infrastruktur vorhanden sind, in denen die Weltmeister von morgen geformt werden. Für das Salzburger Zweirad-Ass war das damals keine Option: „Das ist schweineteuer. Man kann sich bei einem Team um 60.000 bis 90.000 Euro einkaufen, oder man organisiert sich das selbst. Das ist auch nicht viel einfacher.“

Das Leben als Motocross-Profi: Manchmal „echt zach“

Auch so schaffte es „Hiasi“ an die Spitze der Weltmeisterschaft. Von einem luxuriösen Leben ist bei dem KTM-Testfahrer aber auch mit Erfolg keine Spur. Die gesamte Saison verbringt er auf der Straße, im Allzweck-Bus, auf der Rennstrecke oder mit Vor- und Nachbereitungen an seiner KTM SX 450. „Letztes Jahr war echt zach.“ 24 Rennen direkt hintereinander, dazwischen jeweils 1000 Kilometer unterwegs und Leben auf ein paar Quadratmetern im Bus, der an Rennwochenenden Werkstatt, Schlaf- und Wohnzimmer gleichzeitig ist. Samstag und Sonntag beim Rennen, Montag heimkommen, bis Dienstag Nachmittag das Motorrad wieder auf Vordermann bringen. Am Mittwoch ist Zeit für etwas Training, Donnerstags laufen schon wieder die Vorbereitungen, um Freitagmittag wieder auf der nächsten Rennstrecke zu sein – so sieht das typische Programm aus. Ein Monsterprogramm, wenn man es 24 Mal hintereinander macht. „Wenns fünf Tage frei waren, dann waren’s viel“, sagte Matthias Walkner über die Saison 2011. „Ein Werksfahrer muss das alles nicht selbst machen. Dann ist der Trainer noch dabei, die Mama kocht und der Mechaniker kümmert sich ums Motorrad.“

Klassenwechsel: Von MX1 auf MX3

In der letztjährigen Monstersaison war der Rennfahrer noch in der Königsklasse MX1 (bis 450 ccm) unterwegs. Heuer in der MX3-WM (offene Klasse, keine Hubraumbeschränkung) läuft es wesentlich besser, was aber nicht unbedingt daran liegt, dass gewinnen hier leichter ist. „Es ist nicht so, dass ein Fahrer der MX1-Klasse in der MX3 leicht gewinnt“, stellt Walkner klar, der pro Saison circa fünf Motocross-Bikes aufarbeitet.

Hilfe aus der Hirscher-Familie

Anteil am Erfolg von Matthias Walkner hat dagegen Ferdinand Hirscher, Vater des Weltcup-Siegers Marcel Hirscher. Man kennt sich von früheren, gemeinsamen Skitagen. „So einen extremen Menschen hab ich im ganzen Leben noch nie gesehen“, sagte Walkner über den Dad des Ski-Stars. „Er ist ein Perfektionist.“ Bis vor eineinhalb Jahren verstand Ferdinand Hirscher noch wenig vom Motocross. Er hat sich sein Wissen bei stundenlangen Videoanalysen von anderen Motocrossern abgeschaut und vergleicht es mit dem Stil des Kuchlers. Nach einem Motocross-Training in Tschechien habe sich der Skifahrer-Vater noch bis zwei, drei in der Früh vor den Fernseher platziert, um den Fahrstil seines Schützlings zu analysieren. „Er sieht so viele Sachen. Sicher hat er einen Anteil daran, dass jetzt gut läuft.“

Danach? „Vielleicht werd ich Polizist“

Denkt Matthias Walkner eigentlich schon ans Danach? „Ich fahr, solange es lustig ist. Es gibt kein Ablaufdatum“, versprüht das Talent noch immer Begeisterung für seinen Sport. „Vielleicht werde ich Testfahrer bei KTM, vielleicht auch Polizist“, gibt es zumindest vage Gedanken an das Leben nach dem Sport. „Fünf Jahre möchte ich das aber schon noch machen. Jetzt bin ich im besten Alter.“

Steckbrief des Motocross-Talents:

Name: Matthias Walkner Nickname: Hiasi oder Hiashi (letzteres einem Italiener zu verdanken, der das Hiasi nicht entziffern konnte) Alter: 25 Wohnort: Kuchl (und an den Motocross-Strecken der Welt) Beziehung: Freundin Petra, seit sechs Jahren Hobbies: Supermoto, Straßenmotorrad, Baden, Grillen, Skifahren, Berggehen Vorbild: Ricky Carmichael, zehnfacher Gewinner der AMA-Nationals (fga / SALZBURG24)
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 25.02.2020 um 04:46 auf https://www.salzburg24.at/sport/matthias-walkner-das-motocross-genie-aus-kuchl-59348224

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