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Salzburger Ausnahmesportler: Weißenberger über den Erfolg und die Droge Drachenfliegen

WM- und EM-Medaillen, zahlreiche Staatsmeistertitel, Europarekordhalter und so bald wie möglich soll auch der Weltrekord her. Thomas Weißenberger ist eine Größe in seinem Sport, dem Drachenfliegen. Hier erzählt der Salzburger über Erfolge, Herausforderungen und der Faszination des Fliegens.

„Es ist wie eine Droge“, schilderte Thomas Weißenberger das Verhältnis zu dem Sport, in dem er zu den erfolgreichsten zählt – dem Drachenfliegen. Der Salzburger hat eine beeindruckende Reihe an Erfolgen bei Welt- und Europameisterschaften vorzuweisen, hält den Europarekord und will den Weltrekord zu Fall bringen. SALZBURG24 traf sich mit dem Ausnahmeathleten, um herauszufinden, was ihn antreibt ständig neue Herausforderungen zu suchen, was das Drachenfliegen für ihn ausmacht und wie sich das Ganze ins Privatleben einfügen lässt.

Erster Kontakt mit der „Droge“: In Vaters Segelflieger

Der Startschuss in die Flugkarriere von Thomas Weißenberger fiel mit zehn Jahren. Als Passagier mit dem Vater im Segelflieger durch die Lüfte schwebend, wusste er sofort: „Das will ich auch machen.“ Alles Weitere nahm seinen Lauf. Drei Jahre später begann der große Bruder die Ausbildung für Drachenflieger-Lizenz. Für den damals 13-Jährigen hatte das Ganze einen positiven Nebeneffekt. Wer von einem Berg startet, muss irgendwie das Auto wieder runter bringen, um danach mit Equipment wieder gen Gipfel starten zu können. Ideal für den Burschen, der gerade Autofahren lernen wollte – und nebenbei bekam der junge Thomas Weißenberger die ganze praktische Ausbildung der Drachenflieger mit. Danach folgte mit 18 die Segelflug-Lizenz, drei Jahre später die Drachenlizenz. Bis zu den ersten Bewerben dauerte es aber noch eine Weile. Als der heutige Nationalteampilot 1999 seine Wettbewerbs-Premiere bei den Staatsmeisterschaften in Vorarlberg gab, kratzte er schon am 30er. Die erste Zeile der langen Erfolgsliste datiert dann 2001, als er sich den ersten von insgesamt sechs Staatsmeister-Titeln holte.

Weißenberger: „Egal, ob eine Medaille herausschaut“

Eine ganze Reihe weiterer Erfolge und Auszeichnungen folgten, ein Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich hat etwa nicht jeder in seiner Vitrine hängen. Überaus große Bedeutung misst der 42-Jährige den Auszeichnungen aber nicht zu. „Die Wertigkeiten liegen anders. Es zählt nicht die schönste Medaille oder der schönste Pokal. Es zählt die Wertigkeit der Leistung, auf die man lange hingearbeitet hat um sein Ziel zu erreichen. Ob dann eine Medaille herausschaut, ist mir eigentlich wurscht“, so Weißenberger. „Aber es freut einen natürlich schon“, verbessert er sich im Nachhinein. Seit vergangenem Wochenende komplettiert ein Vize-Staatsmeistertitel die Erfolgsbilanz.

Spaß an der Sache als Motor der Weltrekord-Bemühungen

Nach einer ganzen Reihen von Erfolgen lag die Frage nahe, was denn den Sportler Weißenberger trotzdem antreibt, neue Superlative in Angriff zu nehmen und einen Versuch zu unternehmen, den Weltrekord zu übernehmen. Die Antwort ist eigentlich einfach: „Der Spaß an diesem Flugsport. Solange ich die Freude noch hab, werd ich das machen.“ Der Weltrekordversuch in den Alpen ist eine besondere Herausforderung. Die bisherigen Rekorde wurden in flachen Wüstenregionen in den USA, Australien oder Südafrika erstellt, die einen breiten Arbeitsraum erlauben und günstige Thermik bieten. Bei seinem Europarekord 2010, bei dem er nur um 13 Kilometer an dem bestehenden Weltrekord von 358 Kilometer vorbeischrammte, sah er, dass der Weltrekord auch in den Alpen möglich ist. Für heuer läuft dem Luftakrobaten allerdings die Zeit davon. Die beste Thermik ist im Mai und Juni. Die derzeitigen, wechselhaften und feuchten Bedingungen sind ungünstig. „So wie’s ausschaut, ist es wieder ein Jahr verschoben.“ SALZBURG24 wird auf jeden Fall auf dem Laufenden bleiben.

Drachenfliegen ist kein Nebenbei-Hobby

Drachenfliegen professionell zu betreiben, fordert einiges an Zeit. Neben der Zeit in der Luft – an einem Flugwochenende bis zu zehn Stunden - stehen Kraft- und Ausdauertraining am Programm. Außerdem steht ein Mentaltrainer zur Seite („Das Meiste spielt sich im Kopf ab“). Dazu kommt theoretische Auseinandersetzung mit dem Fliegen und allem rundherum, etwa Wetterkunde. Um die 15 Stunden pro Woche kommen zusammen. „Das Privatleben leidet ein bissl drunter“, so Weißenberger. Familie gibt es keine. Das Thema ist aufgeschoben, nicht aufgehoben. Wie jeder Einzelsport fordert auch Drachenfliegen „Freigeist und einen gsunden Egoismus.“

"Sich für einen Moment von dieser Welt lösen"

Aufhören ist für Thomas Weißenberger dennoch kein Thema. Drachenflieger würden mit dem Alter immer besser, erklärte er. Außerdem verwirkliche der Drachen den ursprünglichen Menschentraum, sich selbst in die Lüfte zu erheben. „Mich für einen Moment von dieser Welt lösen. Dann bin da nur ich selbst und das Fluggerät. Das ist es, worum's mir geht“, erklärte der neuzeitliche Ikarus. Der Redakteur versteht jetzt das Wirken der Droge Drachenfliegen. Allein das Zuhören macht schon abhängig.

Steckbrief vom Thomas Weißenberger

Wohnort: Salzburg Stadt Alter: 42 Hobbies: Paddeln, Langlaufen (beides bezieht sich als Ausgleichssport aber wieder aufs Drachenfliegen) Erfolge: Einzel: Weltranglistenerster 2010, Vize-Europameister 2008 und 2010, Bronze bei der WM 2009, sechs Mal Staatsmeister zwischen 2001 und 2010 (gerade kam noch ein Vize-Titel hinzu), Sieger des internationalen Streckenflug-Contests 2008, Europarekord im Dreieckflug (345 Kilometer, 13 km unter dem Weltrekord), 2010 nominiert zum Sportler des Jahres. Mannschaft: Weltmeister 2003, Vize-Weltmeister 2009, Europameister 2002, 2004, 2006 und 2008 Weitere Auszeichnungen: Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich 2004, Salzburger Ehrenlorbeer in Gold 2006. (Florian Gann / SALZBURG24 Sport)

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