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Skibob: Markus Moser und der Weltmeister-Rekord

Am Skibob eine Klasse für sich: Markus Moser will auch heuer bei der WM nochmal zuschlagen. Markus Moser / Photo Plohe
Am Skibob eine Klasse für sich: Markus Moser will auch heuer bei der WM nochmal zuschlagen.

37 Mal stand der Eugendorfer Markus Moser bei Weltmeisterschaften ganz oben am Stockerl. Im Skibob gibt es niemanden, der annähernd so viel gewonnen hätte. Warum er den Sport noch immer liebt und weiter seinem Steinmetz-Job nachgeht, erklärt der Multiweltmeister im Gespräch mit Salzburg24.at.

Markus Moser ist ein Mann der Superlative. Im Skibob ist er der Mann, den es zu schlagen gilt. Der 43-Jährige sammelte Weltmeistertitel wie Andere auf einfache Ski-Ausflüge gehen. 37 Mal durfte er sich das goldene Edelmetall umhängen. Kein anderer Mensch auf dem Planeten hat das geschafft. Während einer Pause von der Arbeit in seinem Steinmetzbetrieb erzählte er Salzburg24.at, was ihn antreibt, bei der Heim-WM in Bad Gastein nochmal auf Medaillenjagd zu gehen und wie die Chancen stehen, dass er die 40 Titel voll macht.

Die Zahl 37 und der Sammlereffekt

„Es ist zwar schön, Titel zu sammeln“, erzählte der Eugendorfer. „Aber jede WM ist eigen, man kann nicht sagen, ich komm mit soundso vielen Titeln nach Hause.“ Eher stehe im Mittelpunkt, immer der Beste sein zu wollen, „die Anzahl ist nebensächlich“. Vor fast zwei Jahren, bei der WM in Nauders 2011, gab es dann doch den Ansporn, das Titelkonto aufzufetten. Moser und der Windsurfer Björn Dunkerbeck hielten damals beide bei 35 Titeln. Mit Gold im Slalom und in der Kombination sorgte er für ein Alleinstellungsmerkmal. Damals gab es, laut eigenen Angaben, keinen anderen Menschen, der mehr Weltmeistertitel inne hatte. Heute hat Dunkerbeck 41 WM-Titel angegeben. "Wahrscheinlich hat er die Junioren-Titel dazugenommen. Wenn ich Junioren und Senioren dazunehmen würde, wären es bei mir auch einige mehr", so Moser.

Die 40-Titel-Schallmauer in einem „lässigen Sport“

„Das wird sehr schwierig. Ich glaub nicht, dass das was wird“, ist Markus Moser skeptisch, in seiner Laufbahn die 40 Titel zu schaffen. Probleme mit dem Arm stehen im Weg, sollten sich aber bis zur WM in Bad Gastein Ende Februar in den Griff kriegen lassen. „Slalom und Abfahrt mochte ich immer am Liebsten“, so der Multi-Weltmeister. Abfahrten werden wegen des großen Organisationsaufwandes kaum noch ausgetragen, Moser legt deswegen seinen Fokus nur auf den Slalom. Die drei Titel bis zur 40er-Schallmauer sind daher schwer zu holen. Was macht den eigentlichen Reiz aus, in den Skibob-Rennen immer noch Bestzeiten zu jagen? „Es is einfach a lässiger Sport“, findet der Steinmetz schnell die klare Antwort.

Der Reifeprozess eines Ausnahmesportlers

Mit 43 fällt natürlich so manches schwerer als mit 20. „Man merkt, dass man sich plagen muss.“ Vor der Heim-WM plagt die Skibob-Ikone Markus Moser Rheuma im Knie, was volles Training nicht leichter macht. Die fortschreitende Differenz zwischen Geburts- und aktuellem Kalenderjahr sieht Moser auch positiv: „Umso älter du wirst, desto gescheiter wirst du auch.“ Man wisse mehr, was man dem Körper zumuten kann. Auch der Familienzuwachs, Mosers Sohn ist heute sechs Jahre alt, wirkte sich auf das Trainingspensum aus.

Hat die Karriere des Markus Moser ein Ablaufdatum? „Ja sicher. Je nachdem, wie das heurige Jahr läuft, häng ich vielleicht noch nächstes Jahr an.“ Dann stünden vielleicht Senioren-Rennen an, bei denen Moser auch heute schon starten dürfte. „Aber nur zur Gaudi“, stellt der 69er-Jahrgang klar.

20 Operationen und die Sinnfrage

Wenn die Skibob-Fahrer mit bis zu 130 km/h über die Pisten jagen, fordert das seinen Tribut, Verletzungen gehören dazu. An die 20 Operationen musste der Wintersportler nach eigenen Schätzungen bereits über sich ergehen lassen. Stellt man sich da manchmal die Sinnfrage? „Ja, schon“, gibt Markus Moser zu und beginnt zu erzählen. „Einmal war ich auf Reha im LKH. Dann ist das jemand mit einem Fuß am Hometrainer gesessen, der andere war amputiert. Da dachte ich mir: ‚Im Vergleich geht’s mir relativ gut.’ Auch beruflich habe ich viel mit dem Tod zu tun. Deswegen habe ich mir gedacht, du musst jeden Moment nutzen.“ So erklärt sich auch sein innigster Wunsch für den Rest der Karriere: „Nimmer weh tun.“

Verdienst eines Skibob-Fahrers

„Wennst gut bist, kostet’s dich nix“, so Moser. Die Weltmeistertitel 36 und 37 fanden viel Resonanz in den Medien: „Das ist die Anerkennung für den Hobby-Sport.“ Profi-Sportler gibt es im Skibob keine, jeder trainiert neben seinem Brotjob.

Der Weg zum Skibob

„Durch’s Motorradfahren“ ist Moser zum Skibob gekommen. Als Fünfjähriger hatte er schon ein kleines Motorrad. Weil er auch Ski gefahren ist, war Skibob die logische Konsequenz. Das Umfeld stand hinter ihm, vor allem die Mutter habe seine Skibob-Ambitionen unterstütz. „Und der Erfolg war auch da.“ Den Motorrädern ist der Salzburger treu geblieben, im Sommer trainiert er gerne auf der Motocross-Strecke. So ergab sich auch eine Bekanntschaft zum Motocross-Weltmeister 2012, Matthias Walkner: „Er ist eh Skibob gefahren auch schon“, erklärte Markus Moser, wie beide in die Sportart des jeweils andern schnupperten.

Skibob und das Nachwuchsproblem

„Die Jungen kannst du nicht mehr so motivieren, dass’ bei einem Sport bleiben“, erklärt Moser einen Grund, warum aus dem Nachwuchs nur wenige beim Skibob bleiben. Irgendwann komme das schwierige Alter mit dem Job und dem Fortgehen. Wie würde Markus Moser jungen Burschen und Mädchen den Reiz am Skibob erklären? „Sie sollen’s ausprobieren“, würde er sagen. „Ich hab noch niemanden gehabt, den es nicht getaugt hätte.“ Bleibt zu hoffen, dass der Skibob nach dem Abtreten des Rekord-Weltmeisters nicht in Vergessenheit gerät. Ein wenig Zeit bleibt ja noch.

Aufgerufen am 18.02.2019 um 08:57 auf https://www.salzburg24.at/sport/skibob-markus-moser-und-der-weltmeister-rekord-42373111

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