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Historischer Boykott

Sport-Proteste in USA lösen Kettenreaktion aus

Stillstand nach Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt

NBA: Milwaukee Bucks boykottieren Play-off-Spiel ASSOCIATED PRESS
Die Milwaukee Bucks haben ihre Play-off-Partie in der NBA gegen Orlando Magic boykottiert, um gegen Rassismus in den USA zu protestieren. 

Am Jahrestag des ersten Anti-Rassismus-Protests von Colin Kaepernick haben US-Sportler ihre Wut und Enttäuschung über die Polizeigewalt im Land deutlich gemacht wie nie zuvor. Ausgelöst von einem historischen Playoff-Boykott der Milwaukee Bucks verzichten nun alle großen US-Ligen auf ihre Wettkämpfe. Auch die NHL (Eishockey) zieht nun nach.

An einem ohnehin schon historischen Tag im US-Sport haben die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA eine neue Stufe erreicht. Die NBA-Stars der Milwaukee Bucks entschlossen sich am Mittwoch, exakt vier Jahre nach dem ersten Kniefall von American-Football-Profi Colin Kaepernick, den Sport als politische Bühne zu nutzen und lösten mit ihrem Spielboykott eine Kettenreaktion aus.

Auch die NHL schließt sich Protesten an

Denn nicht nur in der besten Basketball-Liga der Welt fielen Mittwoch-Partien aus. Auch Teams in der Major League Baseball (MLB), Major League Soccer (MLS) und in der Women's National Basketball Association (WNBA) traten nicht zu ihren Begegnungen an. Und sogar bei der US-Open-Generalprobe der Tennisspieler in New York wird erst am Freitag wieder gespielt. Nun versammeln sich auch die NHL-Spieler hinter den Spielabsagen. 

"Viel stärkere Botschaft, als es auf dem Eis möglich ist"

Bei einem eindrucksvollen Auftritt voller Geschlossenheit haben die NHL-Profis die Play-off-Pause im Kampf gegen Rassismus in den USA begründet. "Das hier ist eine viel stärkere Botschaft als alles, was ein oder zwei Spieler auf dem Eis machen könnten", sagte Ryan Reaves von den Las Vegas Golden Knights.

"Es ist toll, dass die NBA und die MLB und die WNBA das gemacht haben, aber die haben viele schwarze Spieler in diesen Ligen. Dieses Statement ist sehr stark, insbesondere aus dieser Liga", sagte der schwarze Eishockey-Profi am Donnerstag (Ortszeit). 

"Der Grund, warum wir hier sind, ist, dass niemand im Raum glücklich ist darüber, was passiert", sagte NHL-Spieler Pierre-Edouard Bellemare von den Colorado Avalanche. Mehrere Dutzend Profis der in der NHL-Blase in Edmonton aktiven Teams der Las Vegas Golden Knights, der Colorado Avalanche, der Vancouver Canucks und Dallas Stars standen hinter den Sprechern in dem vollen Raum und verliehen der Video-Pressekonferenz damit eine bemerkenswerte Atmosphäre.

Trump attackierte NBA: "Politische Organisation"

Präsident Donald Trump attackierte daraufhin am Donnerstag die Basketball-Liga NBA und bezeichnete sie als "politische Organisation". Trump, der sich bisher nicht direkt zu den Schüssen auf Blake geäußert hat, warf der NBA vor, inzwischen "wie eine politische Organisation" aufzutreten. "Und das ist keine gute Sache." Auch sein Schwiegersohn Jared Kushner kritisierte die Basketballliga: Die Spieler hätten das Glück, reich genug zu sein, um sich für die Proteste einen Abend freinehmen zu können.

Indes beruhigte sich die Lage in Kenosha, wo Blake niedergeschossen worden war. Nachdem es bei Protesten in der Stadt im Bundesstaat Wisconsin an mehreren Abenden in Folge zu Ausschreitungen gekommen war, blieben die Demonstrationen in der Nacht auf Donnerstag friedlich. Hunderte Demonstranten gingen trotz einer Ausgangssperre auf die Straße. "Alle erwarten, dass wir voller Wut rausgehen und durchdrehen", sagte ein afroamerikanischer Demonstrant. "Aber wir protestieren friedlich."

Es wird "friedlich" weiter demonstriert

Sheriff David Beth sagte, die Lage habe sich "radikal verändert". Die Menschen hätten friedlich demonstriert. Am Rande der Proteste waren am Dienstagabend zwei Menschen erschossen worden, als Tatverdächtiger wurde ein 17-Jähriger festgenommen und des Mordes beschuldigt. Er hatte sich offenbar zu einer Gruppe von Bewaffneten gesellt, die die Stadt vor Demonstranten "schützen" wollten.

Die Basketball-Liga NBA verschob nach einem Spiel-Boykott der Milwaukee Bucks aus Wisconsin alle für Mittwoch geplanten Partien. Auch für Donnerstag angesetzte Spiele wurden abgesagt. Am Freitag soll der Spielbetrieb Medienberichten zufolge aber wieder aufgenommen werden.

Auch Tennis kurz unterbrochen

US-Tennisstar Naomi Osaka erklärte zwischenzeitlich, sie verzichte aus Protest auf ihre Teilnahme am Halbfinale bei den Western & Southern Open. Die Veranstalter sagten daraufhin alle Spiele am Donnerstag ab. Die Spiele sollen nun aber am Freitag ausgetragen werden. Auch Osaka selbst erklärte, dann ihr Halbfinale bestreiten zu wollen.

In der Protestbewegung Black Lives Matter (Das Leben von Schwarzen zählt) spielen afroamerikanische Sportstars wie der Basketballer LeBron James eine wichtige Rolle. Sie nutzen ihre Prominenz, um Rassismus in der US-Gesellschaft anzuprangern.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 20.04.2021 um 12:27 auf https://www.salzburg24.at/sport/sport-proteste-in-usa-loesen-kettenreaktion-aus-92074225

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