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Gappmayer: "Es ist egal, welche Form der Ball hat"

Ducks-Obfrau Christine Gappmayer im Sonntags-Talk

Football: Salzburg Ducks gegen Maribor Generals FMT-Pictures/KJ
Die Salzburg Ducks spielen in der Division II (dritthöchste Spielklasse Österreichs).

Die Football-Saison ist auf der Zielgeraden und nach einer bislang perfekten Spielzeit haben die Salzburg Ducks die Play-Offs vor Heimpublikum im Austria-Stadion fixiert. Im Sonntags-Talk spricht Obfrau Christine Gappmayer über den Football-Hype in Salzburg, Kampf um Sportstätten und gezielte Nachwuchsförderung.

Salzburg

Die noch laufende Saison der Salzburg Ducks könnte kaum besser laufen. Mit der Kampfmannschaft ist man bis dato ungeschlagen in der Division II, der Nachwuchs dominiert die Ligen nahezu nach Belieben und die erste Saison des Damen-Teams steht in den Büchern. Am 23. Juni findet das letzte Ducks-Heimspiel in Mondsee statt und der vorläufige Höhepunkt des Jahres steigt Anfang Juli mit dem "Play-Offs dahoam".

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Gappmayer hat monatelang trainiert, um gemeinsam mit ihrer Tochter in der Saison 2018 am Feld zu stehen.

SALZBURG24: Wie sieht dein Zwischenfazit 2019 aus?

Christine Gappmayer: Ich war ehrlich gesagt sehr überrascht darüber, dass wir nach den zahlreichen Abgängen in der Kampfmannschaft trotzdem so dermaßen gut dabei sind. Einige Stammkräfte studieren nun woanders oder haben eine Familie gegründet. Das tut natürlich weh, ist aber verständlich. Ich glaube, dass unsere Kampfmannschaft so erfolgreich ist, weil die Nachwuchsspieler bestens integriert sind.

Hast du dir vor fünf Jahren vorstellen können, dass der Verein diese Entwicklung nehmen wird?

Mir war damals gar nicht bewusst, womit ich da überhaupt angefangen habe. Es ist schon ein bissl verrückt, welche Dimensionen das mittlerweile angenommen hat. Mein Sohn hatte einfach sehr viel Spaß am Spiel und ich habe dadurch festgestellt, wie man Kinder mithilfe des Sports durch die Pubertät bekommt. Das war für mich ausschlaggebend, dass ich die Funktion als Obfrau bei den Ducks übernommen habe.

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Familie Gappmayer bei der Football-EM 2017 in Frankreich.

Wird es nicht manchmal zu viel?

Es ist schon sehr zeitintensiv, aber ich bekomme unglaublich viel zurück. Der Verein ist eine große Familie. Ich bin selbstständig und kann mir die vielen unbezahlten Stunden im Büro – Gott sei Dank – leisten. Bei uns wird nicht gejammert. Es wird gemeinsam angepackt, niemand stellt sich in den Vordergrund und das funktioniert gut.

Anfang Juli geht’s in die Play-Offs. Und dann?

Ich habe gelernt, dass man nie die gesamte Saison durchplanen oder sich etwas Bestimmtes wünschen sollte. Es wird von Spiel zu Spiel gedacht. Unser Gegner in den Play-Offs, die Vienna Warlords, sind ein schwerer Brocken. Unser Vorteil ist das Heimrecht im Maxglaner Austria-Stadion am 6. Juli. Eine anschließende Finalteilnahme wäre natürlich ein Traum, ein Aufstieg sowieso.

Gibt es denn einen Aufstiegsplan?

Mein Ziel für diese Saison war nicht der Aufstieg in die Division I, sondern der Klassenerhalt in der Division II. Nach den zwei durchwachsenen Spielzeiten war ich wirklich überrascht, wie gut wir gespielt haben. Wenn wir es heuer nicht schaffen sollten, ist der Aufstieg das erklärte Ziel für das kommende Jahr. Wenn ich jetzt sage, dass wir nicht in die AFL wollen, ist das nicht richtig. Ich kann nur den Zeitpunkt nicht abschätzen. Natürlich wäre es schön, wenn es neben Wien, Tirol und Graz einen vierten großen Football-Punkt in Österreich gäbe. Das Herz von Österreich wäre dann auch dabei (lacht).

Hat Salzburg einen Football-Hype?

Jedenfalls haben die TV-Sender enorme Zuwächse bei den Einschaltquoten. Auch in Salzburger Sportlokalen laufen immer mehr NFL-Spiele (Profiliga in den USA, Anm.). Und aktuell stehen mit den Swarco Raiders und Vienna Vikings zwei Teams aus Österreich im Europacup-Finale. American Football ist etwas schwierig zu verstehen. Wenn man es dann aber erstmal kapiert hat, ist es ein Virus, den man nicht mehr wegbekommt. Und der Sport ist sehr fair. Zwar kracht es bei jedem Spielzug, danach gibt man sich aber die Hand und hilft sich gegenseitig wieder auf.

Vor unseren Meisterschaftsspielen veranschaulichen wir den Zuschauern Regeln und einfache Spielzüge. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ganze Familien zu begeisterten Football-Fans werden, nur weil einer von den Kindern mitmacht und es lässig findet. Und genau die Angehörigen müssen wir auffangen und ihnen die Sportart erklären. In Salzburg sehe ich noch viel Potenzial. Ich denke, dass der Hype noch größer wird.

Eure Nachwuchsmannschaften dominieren die Ligen. Wie kommt das?

Es ist sehr viel Arbeit. Wir verteilen die Verantwortungen innerhalb des Vereins gerecht auf. Spieler aus der Kampfmannschaft helfen zum Beispiel im Nachwuchs als Assistent Coaches aus. Uns allen ist bewusst, dass die Ducks in Zukunft nur so gut sein können, wie es der eigene Nachwuchs auch ist. Und mit Aaron Mitchell stehen wir seit Jahren auf professionellen Beinen – er ist der Vater unserer Jugend.

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"Aaron Mitchell ist von Beginn an bei den Ducks. Er ist für uns alle ein Motivator und Mentor", so Gappmayer.

Sucht ihr gezielt den Kontakt zu Salzburger Schulen?

Richtig. Erst kürzlich haben über 110 Salzburger Vorschulkinder beim Flagfootball-Turnier mitgemacht und sie waren begeistert. Die Teams und Klassen waren bunt durchmischt, von ganz kräftig bis total dünn, ob Mädels oder Buben. Sportlehrer berichteten uns, dass die Klassengemeinschaft sich verbessert habe, nachdem im Turnunterricht regelmäßig Football gespielt wird. Es ist eine integrative Sportart, die Resonanz ist super.

Im Sommer veranstalten wir gemeinsam mit der Sportunion in der Stadt Salzburg und einigen anderen Gemeinden die Aktion Sports4Fun. In der Vergangenheit haben wird dadurch mit Alexander Reischl, Julius Stöger oder Noah Touré bereits sensationelle Nachwuchsspieler entdecken und fördern können.

Ihr bildet auch selbst Trainer aus.

Wir haben ein eigenes Ausbildungssystem und arbeiten eng mit dem American Football Bund Österreich (AFBÖ, Anm.) zusammen. Die älteren Spieler werden bewusst in die Nachwuchsarbeit eingebunden. Sobald sie etwas Verantwortung kriegen, wollen sie natürlich auch besser mit ihren Zöglingen werden. Die Defense- und Offense Koordinatoren unserer U15 und U18 sind alle aus der Kampfmannschaft. Nun haben wir sogar eine eigene U11.

Wie kann der Football-Amateursport mit steigender Professionalisierung gut einhergehen?

Ich denke, dass die breite Aufstellung des Vereins wichtig ist und nicht das zur Verfügung stehende Kapital. Es nicht mein Erfolg, sondern der vom gesamten Team. Wenn man jeden mit ins Boot holt, dann funktioniert es auch besser, weil jeder einen Teil der Verantwortung übernimmt. Ein Spiel, egal in welcher Altersklasse, kostet uns rund 1.500 Euro. Da müssen auch die Eltern ins Boot geholt werden. Direkte Kommunikation und enger Zusammenhalt – das ist Football, darauf kommt es an.

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Ein großes Problem bleibt aber die Infrastruktur.

Richtig, denn ohne Heimstätte wird dieses Unterfangen sehr schwierig. Die Logistik für jedes Spiel ist ein Wahnsinn und wird immer schwieriger. In den letzten Wochen habe ich aber viele positive Rückmeldungen möglicher Sponsoren bekommen. Wenn du erfolgreich bist, dann springen auch viele auf den Zug auf.

Für das Play-Off-Spiel am 7. Juli dürft ihr ins Austria-Stadion. Gibt es keine dauerhafte Lösung?

Für diese Saison hatten wir uns eigentlich schon damit abgefunden, unsere Heimspiele in Oberalm oder Mondsee auszutragen. Für das Austria-Stadion in Maxglan muss für jedes Spiel eine neue Genehmigung seitens des ASKÖ ausgehandelt werden. Glücklicherweise konnte man sich nun einigen. An dieser Stelle möchte ich Sport-Landesrat Stefan Schnöll (ÖVP, Anm.) für seinen Einsatz danken. Es ist aber nicht absehbar, wie das über den Sommer hinaus weitergeht. Mit einer eigenen Spielstätte wäre es für alle Beteiligten sicher leichter, aber so ist immer wieder eine Herausforderung, der man sich stellen muss (lacht).

Wie könnte es anders gehen?

Ich bin der Meinung, dass man direkt an die Politik herantreten sollte. Wenn beispielsweise ein Verein ein Flutlicht für die Heimspielstätte aus Steuergeldern finanziert bekommt, dann sollten auch andere daran partizipieren können. Sonst findet lediglich alle zwei Wochen mal ein Fußballspiel statt. Das ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg. Und die Salzburger wollen sich vielleicht auch mal eine andere Sportart anschauen.

Für den Nachwuchs-Flagfootball leihen wir uns Überziehleiberl vom SAK und Lepi-Moos aus. Wir laden den USK Anif zum Spiel ein und tragen unsere Duelle teilweise selbst am Austria-Platz in Maxglan aus. Für mich ist eines ganz wichtig: Sport spricht alle Sprachen und es ist egal, welche Form der Ball hat. Wenn man diese beiden Dinge beachtet, kommt sicher etwas Positives für den Sport und die Gesellschaft raus. Wir müssen weg vom Konkurrenzdenken und sollten hin zum Gemeinsamen.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Play-Offs.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 17.07.2019 um 06:00 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportmix/ducks-obfrau-christine-gappmayer-es-ist-egal-welche-form-der-ball-hat-71771272

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