Jetzt Live
Startseite Sportmix
E-Sports

Warum Gaming (noch) nicht als Sport gilt

Salzburger Experte klärt auf

Onlinegaming, E-Sports BRIX
Ein Rechtsgutachten in Deutschland kommt zu dem Entschluss, dass E-Sport ist kein Sport ist.

Ein vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Auftrag gegebenes und teils heftig kritisiertes Rechtsgutachten lehnt die Anerkennung von E-Sport als Sport ab. Warum das auch hierzulande so ist, erklärt uns ein Experte von der Universität Salzburg.

Für Minas Dimitriou, der den Fachbereich Sport-Management-Medien an der Universität Salzburg leitet und Geschäftsführer des Universitätslehrgangs "Sportjournalismus" ist, sind zwei große Unterschiede im Vergleich zum klassischen Sport deutlich ersichtlich und für die Entscheidung ausschlaggebend.

Gaming in Deutschland nicht als Sport anerkannt

"E-Sports ist ohne digitale Kommunikationsgeräte nicht ausführbar und daher nicht autonom. Das ist der einzige Unterschied zu Schach zum Beispiel. Zudem ist die körperliche Aktivität nicht kon­s­ti­tu­tiv. Sprich: Ein Training im körperlichen Bereich ist keine wesentliche Bedingung, um Online-Gaming ausüben zu können", erklärte Dimitriou im Gespräch mit SALZBURG24. Die restlichen Rahmenbedingungen wie Verbreitung und Zugang der Tätigkeit, Wettkampfbedingungen, eine strukturelle Organisation, Chancengleichheit und Regeln erfülle der E-Sport. "Um aber erneut über eine Anerkennung diskutieren zu können, muss sich im Gaming-Bereich etwas ändern. Derzeit wird es wohl so bleiben", fügte der Experte hinzu. 

Jegliches Spielen an der Konsole falle laut DOSB-Dokument nicht unter den geltenden Voraussetzungen und sei "kein Sport im Sinne des geltenden Rechts". Der Gemeinnützigkeit des E-Sports als Sport erteilte das Gutachten vergangenen Sommer deshalb eine Absage. Laut dem 120 Seiten langen Schreiben sei der Begriff Sport "durch die langjährige Rechtsprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert".

 

E-Sport in 60 Ländern anerkannt

In Asien wird E-Sport wiederum in vielen Ländern als Sport angesehen. Das erste europäische Land, das E-Sport als staatliche Sportart anerkannt hat, ist Bulgarien. In Brasilien wird E-Sport ebenfalls von der Regierung anerkannt. Insgesamt wird Gaming in über 60 Nationen von etablierten Verbänden des organisierten Sports anerkannt und teilweise vom Staat gefördert.

Kritik am E-Sport-Rechtsgutachten des DOSB

Dem DOSB weht nach dem im August veröffentlichten Gutachten scharfe Kritik entgegen. "Für die Vereine und Sportler würden mit einer Anerkennung viele rechtliche Sicherheiten klären. Wir bewegen uns in punkto Versicherung und Finanzwesen da in einer absoluten Grauzone", erklärte ohannes Neuschmied, Obmann des Tennengauer "Vereins Xtreme Gamer Squad eSports" gegenüber S24.

Nachdem Spieleforscher der Berliner Hochschule für Kommunikation und Design alle vom DOSB gegen den E-Sport ins Feld geführten Argumente als "obsolet und inhaltlich nicht haltbar" ablehnten, mehren sich auch in der deutschen Politik die Stimmen, den E-Sport rechtlich anzuerkennen. "Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass jeder in Deutschland, der E-Sport betreibt, auch die Wertschätzung erfährt, die ihm gebührt, und nicht von Verbänden, die um Ihre Vormachtstellung fürchten, herabgesetzt wird", sagt die Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), zum RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Politik weist auf Vorteile von E-Sports hin

Unterstützung erhielt Bär vom Bündnis 90/Die Grünen. Deren medienpolitische Sprecherin Margit Stumpp sowie Monika Lazar, Sprecherin für Sportpolitik, teilten mit: "E-Sports sollte die Gemeinnützigkeit nicht verweigert werden, weil er kein "klassischer Sport" ist. Das hat er mit Schach gemeinsam. Wir sollten die Vorteile des Vereinslebens, Gemeinschaft, Betreuung und nicht zuletzt Prävention, für den E-Sport öffnen." Zuvor hatten die Spiele-Experten des Berliner Instituts für Ludologie, die zu allen spielwissenschaftlichen Phänomenen forschen, die vom DOSB verwendete Definition des Begriffs "Sport", die eine körperliche Tätigkeit voraussetzt, kritisiert.

Definition "Sport" in Frage gestellt

Vor allem die Definition des Begriffes Sport durch die Körperlichkeit stellt das Institut mit Blick auf DOSB-Mitglieder wie Billard, Dart, Minigolf, Schach und Schützensport massiv in Frage. "Von einer umfassenden Körperlichkeit kann bei diesen Sportarten vollständig oder in Teilen weniger die Rede sein als beim E-Sport", hieß es in der Erklärung. Gerade beim Schützensport stelle sich die Frage, warum das Schießen mit echten Waffen für den DOSB sportethisch in Ordnung zu sein scheine, Shooter-Spiele wie "Counter-Strike" oder gar Strategiespiele wie "League of Legends" aber nicht.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

Aufgerufen am 22.11.2019 um 06:51 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportmix/e-sports-warum-onlinegaming-noch-keine-sportart-ist-77776051

Kommentare

Mehr zum Thema