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Kaum Schlaf

Thiem nach US-Open-Sieg "ziemlich paniert"

Österreichs Tennis-Ass in Wien gelandet

Ein ungewöhnliches Setting bei der Pressekonferenz mit Österreichs Tennis-Superstar Dominic Thiem, aber zumindest diesmal nicht vor Video-Screens: Der 27-jährige Niederösterreicher stellte sich als frischgebackener US-Open-Sieger im 22. Wiener Gemeindebezirk den österreichischen Medien - auf einem Sand-Tennisplatz mit dem Netz als Abstand dazwischen.

Abstand hat der Weltranglisten-Dritte nun zwar auch vom Ort des Triumphes in New York bekommen, doch so richtig realisiert hat er alles noch nicht. Nicht nur der Jetlag, auch die vielen Medien-Anfragen in den USA haben Thiem kaum Zeit gegeben, nachzudenken. Selbst Schlaf hat er sich kaum gegönnt. "Ich habe in den letzten 50 Stunden vielleicht zwei Stunden geschlafen. Ich bin ziemlich 'paniert', aber immer noch sehr glücklich und auch froh, dass ich jetzt wieder auf österreichischem Boden bin."

Wie man sich fühle, wenn man als Grand-Slam-Sieger aufwacht - diese Frage konnte Thiem deshalb gar nicht beantworten. "Ich bin gar nicht aufgewacht, weil ich bin noch nicht eingeschlafen", sagte Thiem lächelnd. Auch so kann man wohl seinen Traum leben. An seinem Zustand des puren Glücks seit Verwirklichung seines größten Karriereziels, dem Gewinn eines Grand-Slam-Turniers, hat das alles natürlich nichts geändert.

Thiem nach US-Open-Sieg: "Jetzt habe ich es geschafft"

"Es wird jetzt sicher noch dauern, bis ich das realisiert habe. Es wird erst sacken, wenn ich mich gescheit ausgeruht habe", erklärte der Lichtenwörther. Körperlich werde er sich schnell wieder erholen. "Wie es emotional ist, kann ich nicht wissen, weil das ist seit einigen Jahren das ganz große Ziel gewesen." Jeden Tag, ob im Training oder im Match sei dieses Ziel in seinem Kopf gewesen. "Dieser absolute Wille, das Ziel zu erreichen. Jetzt habe ich es geschafft." Eine Leere, über die manche Sportler nach solch großen Erfolgen berichten, erwartet er nicht. "Speziell im Tennis ist es so, dass sehr viele große Turniere kommen. In nicht einmal zwei Wochen fängt Paris an." Jetzt will er einmal einige Tage mit der Familie und Freunden genießen und über das Erreichte reflektieren.

Nach dem mitreißenden "Krimi" im Finale gegen Alexander Zverev berichtete Thiem von einer raschen Erholung seiner krampfenden Oberschenkel. Und auch die Achillessehne und Problemchen erwartet Thiem bis "spätestens Paris" wieder im Griff.

Für Thiem ist der Titel in Flushing Meadows ein Start in den nächsten Karriere-Abschnitt: Die Last auf der Jagd nach dem ersten Major-Titel ist "komplett weggefallen". "Ich erwarte ein bisserl von mir, dass ich ab jetzt die ganz großen Turniere und großen Matches mit ein bisserl mehr Lockerheit angehe und aus dem Grund noch besser spielen kann."

Tennis-Stars leben "in der Blase"

Das "Leben in der Blase" wegen des Coronavirus wird Thiem allerdings auch noch in Paris begleiten. Schon in New York war es mental sehr schwierig. "Es war sehr streng, wir haben alle drei Tage einen Test gehabt und es war überall Security. Im Hotel war genau aufgezeichnet, wo die Grenze ist, wenn man über die Grenze drüber geht, wird man ausgeschlossen. Es war extrem strenge Maskenpflicht."

Sein Physio Alex Stober habe einmal im Bus die Maske unter der Nase gehabt, weil er was getrunken oder gegessen habe. "Das hat sofort eine Strafe gegeben. Es war echt rigoros und es wird in Paris genauso sein." Thiem versteht das aber. "Tennis-Grand-Slam-Turniere sind mit die größten Sportevents, die es gibt und es sind so viele Leute involviert. Für die kommenden Turniere waren die US Open, die bis auf den Fall Paire echt reibungslos abgelaufen sind, ein großes Vorbild."

Herzliche Umarmung mit Zverev

Thiem bestätigte den Eindruck, dass man sich als Tennisspieler oder überhaupt Sportler teilweise fühlt wie in einem Science-Fiction-Film, da so viele Dinge virtuell bzw. via TV-Screens stattfinden. Die Menschlichkeit leidet darunter. "Es fühlt sich an wie aus einem Film aus der Zukunft. Aber ich denke nicht, dass das gut ist, wenn es so ist. Jetzt muss es so sein, wegen dem Virus, und es ist auch akzeptabel, wenn es noch eine Zeit lang so bleibt bis das Virus besiegt ist oder ein Gegenmittel gefunden worden ist, aber dann wäre es schon gut und wichtig, wenn es wieder so wird wie es vor der Coronakrise war."

Die menschliche Nähe, die Interaktion mit anderen Leuten fehlt nicht nur ihm. Da war die herzliche Umarmung Thiems mit Zverev nach dem Finaltriumph auch eine Wohltat. "Man kann es sicher noch ein paar Turniere so machen, aber ich glaube, die Menschlichkeit sollte schon immer an erster Stelle stehen", erklärte Thiem.

Thiem will Nummer 1 im Tennis werden

Der Blick auf das ATP-Ranking, in dem Thiem vorerst noch Dritter ist, dominiert aktuell nicht die Gedanken des 17-fachen Turniersiegers. Nun stehen die French Open im Fokus. "Natürlich ist jetzt das eine ganz große Ziel abgehakt und irgendwo schwirrt die Nummer 1 natürlich im Kopf herum, aber nicht jetzt." Nun will er so gut wie möglich in Paris spielen. "Ich hoffe, dass ich den Rückenwind, den ich mir mit dem US-Open-Titel gegeben habe, ausnütze."

Am Wochenende will er mit dem Sandtraining beginnen, am Mittwoch kommender Woche nach Paris reisen. Mit der Erleichterung im Gepäck, dass der teils auch stark selbst auferlegte Druck, nicht mehr so stark da ist. "Ich hätte sicher weinend auf meine Karriere zurückgeblickt, hätte ich es nie geschafft." Immerhin war auch im Finale in New York seine bis dahin 0:3-Bilanz in Major-Endspielen omnipräsent gewesen. "Vor allem die Niederlage in Australien war echt schmerzhaft, weil ich das Gefühl gehabt habe, dass ich da nah dran war. Ich will mir gar nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn es jetzt wieder nicht geklappt hätte", gestand Thiem.

(Quelle: APA)

Thiem gewinnt dramatisches US-Open-Finale

US-Open-Finale, Thiem, Zverev ASSOCIATED PRESS
Dominic Thiem (rotes Shirt) drehte ein dramatisches Finale gegen Alexander Zverev im Finale der US-Open.

Dominic Thiem hat in einem an Dramatik nicht zu überbietenden Finale österreichische Sportgeschichte geschrieben. Der 13. September 2020 (Ortszeit) wird für den 27-jährigen Niederösterreicher für immer ein Feiertag bleiben. Thiem drehte das Finale gegen den Deutschen Alexander Zverev in New York nach 0:2-Satzrückstand und 3:5-Rückstand in Satz fünf nach 4:01 Stunden zum 2:6,4:6,6:4,6:3,7:6(6)-Sieg.

25 Jahre nach Thomas Muster bei den French Open holte sich der 27-jährige Niederösterreicher am Sonntag (Ortszeit) als zweiter Österreicher einen Einzel-Grand-Slam-Titel. Für den Sieg kassiert Thiem einen Scheck in Höhe von 3 Millionen US-Dollar (2,53 Mio. Euro) sowie 2.000 ATP-Zähler. Im vierten Anlauf in einem Major-Endspiel nach den French Open 2018 und 2019 sowie dieses Jahr bei den Australian Open hat es also endlich mit dem großen Wurf für den Weltranglisten-Dritten geklappt.

Thiem schraubte sein Karriere-Preisgeld auf 26,9 Millionen Dollar, im ATP-Ranking bleibt er vorerst aber weiter Dritter. Thiem ist übrigens der erste Premieren-Grand-Slam-Sieger seit dem Kroaten Marin Cilic - ebenfalls bei den US Open - im Jahr 2014. In der Profi-Ära seit 1968 ist Thiem der erste Spieler, der in einem US-Open-Endspiel ein 0:2 in Sätzen noch umgedreht hat.

"Ich kann es nicht wirklich glauben noch. Es war ein völlig verrücktes Match, völlig verrückter Tag auch. Ich glaube man hat gesehen, wie nervös ich am Anfang war. Es war absolut abnormal. Ich habe mich in den ersten zwei Sätzen bleiern gefühlt", gab Thiem im ServusTV-Interview auch gleich eine Begründung für seine Performance in den ersten beiden Sätzen.

Einseitiges Tennis zu Beginn

Zverev startete zwar sehr stark in sein erstes Major-Finale, aber Thiem hatte vor allem mit dem Aufschlag große Probleme und bewegte sich auch nicht so gut wie in den gesamten US Open davor. Schon im dritten Game musste der Niederösterreicher sein Service zum 1:2 abgeben, während der Deutsche in der Folge beim Aufschlag unantastbar blieb. Mit den Doppelfehlern zwei und drei im siebenten Spiel verschaffte Thiem seinem Gegner die Chance zum Doppelbreak, die dieser auch zum 5:2 nutzte. Satz eins war nach nur 30 Minuten Geschichte. Ein veritabler Fehlstart für Thiem.

Auch im zweiten Satz blieb die Partie überraschend einseitig: Thiem plagte sich bei jedem Aufschlag-Game, beging auch zu viele Doppelfehler. Zverev musste nur im vierten Game erstmals über Einstand gehen. Neuerlich schon ein Break zum 2:1 und ein weiteres zum 4:1 stellten schnell klar, bei Thiem war schwer Sand im Getriebe. Nach 54 Minuten lag Thiem klar 2:6;1:4 zurück. Bei 5:1 hatte Zverev dann drei Break- und damit Satzbälle, ließ diese aber ebenso ungenutzt wie einen vierten bei 5:3. Thiem nutzte seine erste Chance zum ersten Rebreak zum 3:5 und erhöhte den Druck auf Zverev mit einem ersten Service-Game zu Null. Bei 5:4, 30:30 fehlten Thiem noch zwei Punkte zum 5:5, doch Zverev nutzte Satzball Nummer fünf nach 1:19 Stunden zur 2:0-Satzführung.

Mit dem Rücken zur Wand

Im dritten Durchgang passierte es dann zum dritten Mal en suite: Thiem gab erneut den Aufschlag zum 1:2 ab und stand nun endgültig mit dem Rücken zur Wand. Dem nun 17-fachen Turniersieger gelang es einfach nicht, seine eigene Fehlerquote zu reduzieren - vom Thiem der ersten sechs Matches bei diesen US Open war am Sonntag in Flushing Meadows zunächst nur sehr wenig zu sehen. Mit dem vierten Breakball und auch dank Mithilfe Zverevs mit den Doppelfehlern sieben und acht schaffte Thiem zumindest diesmal das sofortige Rebreak zum 2:2.

"Da habe ich begonnen, immer besser zu spielen. Am Ende war es einfach nur noch Drama. Aber mit meiner ganzen Karriere, so wie alles gelaufen ist, hat der erste ganz große Titel so sein müssen", jubelte ein überglücklicher Thiem. "Es war ein würdiger Abschluss der US Open. Das ich jetzt ein Grand-Slam-Turnier im Einzel gewonnen habe, ist natürlich absolut unrealisierbar zur Zeit."

Zverev verliert zwei Sätze

Thiem blieb diesmal dran, legte beim Service jedes Mal vor und bewegte sich auch besser. Zverev musste bei der ersten Drucksituation bei 4:5 gegen den Satzverlust servieren und Thiem gelang das Break zum 6:4 nach 2:09 Stunden.

Im vierten Durchgang fand Thiem bei 3:2 und 15:40 Aufschlag Zverev die ersten Breakchancen vor, konnte diese aber nicht verwerten. Thiem blieb aber fokussiert und nutzte bei 4:3 die nächste Chance zum Break zum 5:3. Nach 2:52 servierte sich der Lichtenwörther mit dem Game zum 6:3 in den fünften Satz.

Dominic Thiem gewinnt die US-Open

Thiem gelang sofort das Break zum Auftakt, musste aber gleich wieder den Aufschlag zum 1:1 abgeben. Der letzte Durchgang entwickelte sich zum absoluten Nägelbeißer-Krimi: Thiem geriet mit 3:5 in Rückstand und beinahe wäre seine tolle Aufholjagd nicht belohnt worden. Als Thiem das Break zum 6:5 schaffte sah es gut aus, doch er musste den Physio holen, der ihm wegen Krämpfen den rechten Oberschenkel massieren musste.

Zverev schaffte das Rebreak und rettete sich nach 3:51 Stunden ins Tiebreak. In diesem geriet Thiem mit 0:2 in Rückstand, doch dann holte er sich bei 6:4 seine ersten beiden Matchbälle. Doch erst den dritten bei 7:6 konnte er endlich verwerten.

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