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Japan-Abenteuer steht bevor

Wenn Lauf-Wunder Herzog "ins Fliegen kommt"

Pinzgauer Marathon-Ass startet bei Olympischen Spielen

Wie man eine Distanz von 42,195 Kilometern schnellstmöglich läuft, das weiß in Salzburg wohl kaum jemand besser als Peter Herzog. Das sportliche Multi-Talent aus Saalfelden (Pinzgau) startet heuer auf der Marathon-Distanz bei den Olympischen Spielen. Wir haben uns mit dem 33-Jährigen über seinen rasanten Aufstieg, den Traum von Olympia und die Faszination am Laufen unterhalten.

Saalfelden am Steinernen Meer

In einem Monat ist es schon so weit: Am 8. August vertritt Peter Herzog Österreichs Leichtathleten bei den Olympischen Spielen in Japan. Sensationell qualifizierte sich der 33-Jährige im September 2019 beim Berlin-Marathon für die auf dieses Jahr verschobenen Sommerspiele. "Vor fünf Jahren habe ich selbst nicht einmal davon geträumt, jemals hautnah bei dem absoluten Highlight eines jeden Sportlers mit dabei zu sein", erzählt der sportliche Tausendsassa im SALZBURG24-Gespräch. "Es ist eine einmalige Chance und Riesenehre für mich, Österreich bei Olympia zu vertreten."

Hauptsache Ausdauersport

Herzog erlebte in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg auf der 42,195 Kilometer langen Laufstrecke. Doch alles von Anfang an: Ob Biathlon, Bike Trial, Triathlon oder Marathon – im Raum Saalfelden ist Peter Herzog bekannt wie ein bunter Hund. Vom Status eines hoffnungsvollen Biathlon-Talents in der Schulzeit verlief der sportliche Weg des Sport-Asses zum Rad-Trailsport. Nach zwölf erfolgreichen Jahren versuchte er sich im Triathlon, scheiterte aber letzten Endes am Schwimmen. "Zwischen 2012 und 2016 bin ich Marathons ohne Ambitionen gelaufen", erklärt Herzog rückblickend.

 

Im Frühjahr 2016 habe er sich vier Wochen lang auf einen Marathon vorbereitet – am Ende lief der Pinzgauer eine Zeit um zweieinhalb Stunden: "Wenn es so einfach geht, wollte ich es auch mal mit richtigem Training ausprobieren."

Herzog setzt alles auf eine Karte

Gesagt, getan. Nach längerer Vorbereitung blinkte beim nächsten Bewerb 2:26 Stunden am Display. Anschließend wurde der Pinzgauer vom Österreichischen Leichtathletikverband als möglicher Kandidat für internationale Meisterschaften ins Auge gefasst. "Das war der Punkt, als ich mich trotz meines schon fortgeschrittenen Alters für den Profisport entschieden habe."

Salzburgs Sport-Asse: Peter Herzog APA/HANS PUNZ
Peter Herzog beim Vienna City Marathon 2019.

Dafür trat der gelernte Installateur 2017 dem Heeressport bei und musste seinen Job als Biathlon-Trainer am Ski-Gymnasium Saalfelden schweren Herzens aufgeben. "Es gibt auch keine Rückkehrmöglichkeit", untermauert der Union-Salzburg-Athlet die Bedeutung seiner Entscheidung. "Diesen Schritt habe ich bislang aber nicht bereut", sagt der Vater einer dreijährigen Tochter. "Durch die Arbeit beim Bundesheer und die Unterstützung meiner Sponsoren und Partner kann ich mich viel professioneller auf Wettkämpfe vorbereiten."

"Positive Verbindung zu Berlin"

Kontinuierlich wurden die Leistungen besser, ein erstes dickes Ausrufezeichen setzte Herzog bei der Marathon-WM 2018 in Berlin, wo er mit dem österreichischen Team überraschend Bronze holte.

Am 29. September 2019 war es dann soweit. Beim Marathon – schon wieder in der deutschen Hauptstadt – qualifizierte sich Herzog als erster Marathonläufer aus Salzburg für die Olympischen Spiele. Die Laufzeit von 2:10:57 Stunden bedeutete zugleich die drittschnellste Zeit eines Österreichers aller Zeiten. Die Vorbereitung auf das "Mega-Rennen" in der deutschen Hauptstadt beschrieb er als "grenzgenial". Der Pinzgauer erlebte "so viele positive Eindrücke, dass ich die folgende Nacht gar nicht schlafen konnte."

Salzburgs Sport-Asse: Peter Herzog Herbert Steffny
Der wohl größte Moment seiner sportlichen Karriere: Als bester Europäer beendete Herzog den Berlin-Marathon.

Selbstredend hat Herzog also "eine sehr positive Verbindung zu Berlin".

Vorbereitung auf Olympische Spiele

Das eigentliche Olympia-Jahr 2020 begann jedoch nicht nach Maß. Lockdowns, Wettkampf-Absagen und die Verschiebung der Olympischen Spiele waren auch für einen erfahrenen Sportler eine große Herausforderung: "Man darf bloß nie den Kopf in den Sand stecken." Zuletzt verbesserte der Pinzgauer beim London-Marathon im Herbst 2020 die im Jahr davor in Wien aufgestellte rot-weiß-rote Rekordmarke von Lemawork Ketema um 38 Sekunden. Seine eigene Bestzeit unterbot er um 51 Sekunden. "Trotz Corona habe ich das letzte Jahr aus sportlicher Sicht sehr gut überstanden. Von meinem Marathon-Rekord schöpfe ich noch immer Kraft."

Peter Herzog APA/AFP/POOL/Richard Heathcote
Der erschöpfte Peter Herzog nach dem London-Marathon 2020.

Die Vorbereitungen laufen soweit nach Plan, im Frühling wurde das Lauf-Wunder jedoch durch eine Muskelverletzung kurzzeitig ausgebremst. Und nach der ersten Corona-Impfung im Mai hatte der Pinzgauer eigenen Aussagen zufolge "vier Wochen lang zu kämpfen, weil mein Körper völlig aus dem Gleichgewicht geraten ist." Mittlerweile steht Herzog aber wieder voll im Saft.

Trainingslager in St. Moritz

Der Saalfeldener weilt derzeit in einem Höhentrainingslager in St. Moritz, wo er sich auf den auf einem Rundkurs ausgetragenen Marathon vorbereitet. Die offizielle Einkleidung und Verabschiedung in der Wiener Hofburg hat er deswegen verpasst. "Dafür freue ich umso mehr auf einen schönen Empfang."

Verabschiedung von Olympia-Stars APA/GEORG HOCHMUTH
Mit einem Festakt wurden Österreichs Olympia-Stars in Wien verabschiedet.

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Ende Juli geht es für fünf Tage zurück zu Frau und Kind nach Saalfelden, um am 29. Juli in den Flieger nach Tokio zu steigen. "Die Aufregung kommt sicher ein paar Tage vorher, aktuell kann ich vor lauter Training gar nicht daran denken", schmunzelt Herzog. Was die Corona-Lage in Japan angeht, zeigt er sich "recht relaxed". Große Bedenken habe er nicht. Dass aber die Zuschauer an der Strecke fehlen werden, sei "natürlich sehr schade". Aber der Marathonläufer sieht das Ganze pragmatisch: "Wir werden ohne Zuseher einfach klar kommen müssen." Auch wenn die sonst erlebbare Stimmung am Streckenrand dem Pinzgauer "viel Kraft und Energie" gibt.

Das sind die Stärken des Pinzgauers

Gedanken ans Aufgeben mag das Ausdauer-Wunder sowieso nicht verschwenden. Die größte Stärke des Schützlings von Trainer Johannes Langer dürfte das enorme Durchhaltevermögen sein. "Es ist harte Arbeit, man muss für sein Ziel immer konsequent dranbleiben. Es macht natürlich nicht jeden Tag Spaß. Aber wenn ich ins Laufen komme, ist es wie fliegen."

Die Marathonläufe bilden den Abschluss der Leichtathletik-Entscheidungen bei den Olympischen Spielen. Herzog startet am 8. August um 7 Uhr Ortszeit – TV-Zuschauer aus der Heimat müssen also Mitternacht einschalten. Ein Ergebnis unter den besten 30 Läufern wäre demnach "eine Sensation". Schließlich messen sich dort die weltbesten Athleten. "Bei diesem extrem schwierigen Rennen kann so viel passieren." Das wichtigste für Herzog sei es, "topfit an der Startlinie zu stehen."

(Quelle: SALZBURG24)

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