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Philipp Eng

"Ich lebe Motorsport jeden Tag"

Salzburger DTM-Fahrer im Interview

Der Salzburger Rennfahrer Philipp Eng kämpfte vergangene Saison lange Zeit um den Sieg in der Deutschen Tourenwagen-Masters-Serie (DTM). Im SALZBURG24-Interview spricht der 29-Jährige über seinen Werdegang, sein Aus bei Red Bull als Nachwuchsfahrer und erklärt den Unterschied zwischen DTM und Formel 1.

Gut gelaunt und mit einem Schmäh auf den Lippen kommt Philipp Eng zum Interview in die SALZBURG24-Redaktion. Der 29-Jährige nimmt sich vor seinem Urlaub eine knappe Stunde Zeit und gibt einen offenen Einblick in sein Leben als Motorsportler.

SALZBURG24: Philipp, was macht die Faszination Rennfahren für dich aus?

Philipp ENG: Ich habe mit acht Jahren mit dem Kartsport angefangen. Als ich das erste Mal in einem Kart gesessen bin, war das für mich das Größte. Wenn du einsteigst, bist du komplett isoliert. Es gibt in dem Moment, wo du auf der Strecke bist, nur dein Sportgerät und dich selbst. Diese Isolation gefällt mir heute noch. Nicht, weil ich nicht gerne mit Menschen zu tun habe, aber es gibt nichts Schöneres, als den Moment, wo beim Rennstart die Türe zugeht und ich weiß: Bis zu diesem Moment hat mir mein Team geholfen, jetzt kommt es nur mehr auf mich an.

Welche Fähigkeiten und Eigenschaften muss man als Rennfahrer mitbringen?

Neben einem gewissen Grundtalent, vor allem ein gewisses Maß an Eigensinnigkeit. Du bist natürlich Teil eines großen Teams, aber am Ende fährst du alleine gegen deine Gegner. Disziplin, ein gutes Zeitmanagement und eine gute Selbstorganisation sind ebenfalls wichtig. Natürlich brauchst du auch ein gewisses Maß an Risikobereitschaft. Wenn du nicht bereit bist, alles aus dem Auto rauszuholen und über die eigene Schmerzgrenze zu gehen, dann bist du einfach langsamer als der Gegner.

Ein Rennauto ist ein hochtechnisches Sportgerät und auch dort darfst du nicht darüber nachdenken, was passieren würde, wenn du in der Kurve plötzlich ein Rad verlieren würdest. Das muss man komplett ausblenden.

Wie hat deine Karriere begonnen?

Die Stunde null war quasi, als ich die Deutsche Kartmeisterschaft mit sieben Jahren im Fernsehen gesehen und zu meinem Papa gesagt habe, dass ich das auch gerne probieren würde. Mein Vater ist ein Macher und hat mich das probieren lassen. Wir sind dann in die Karthalle nach Grödig (Flachgau, Anm.) gefahren, die von der Salzburger Kartlegende Toni Zöserl betrieben wurde. Zu ihm bin ich dann jeden Dienstag in die Kartschule gegangen, das hat mir Spaß gemacht und ich habe mich auch nicht schlecht angestellt.

Philipp Eng SALZBURG24/POSCH
Philipp Eng beim Interview in der SALZBURG24-Redaktion.  

Du hast dann begonnen, Kartrennen zu fahren. 2004 wurde Red Bull auf dich aufmerksam.

2004 habe ich die Italien Open, quasi die Champions League im Kartfahren, gewonnen. Dort bin ich gegen Jaime Alguersuari, Jules Bianchi oder Marco Wittmann gefahren. Ich wurde so von Red Bull gescoutet und bekam dort einen Vertrag. 2005 bin ich noch Kart gefahren, 2006 dann Formel BMW, das war mein erstes Jahr in einem Automobil.

Die Unterstützung von Red Bull war extrem wichtig für mich, weil mir meine Eltern finanziell nie die Möglichkeit hätten bieten können, eine ganze Saison in einem Rennauto zu fahren. 2006 war dann die Zusammenarbeit mit Red Bull zu Ende, weil sie in mir keinen kommenden Formel-1-Weltmeister gesehen haben. Damals als 16-Jähriger habe ich das natürlich nicht verstanden, aus heutiger Sicht kann ich die Entscheidung absolut nachvollziehen.

Es folgte keine einfache Zeit in deiner Karriere. Du bist dann etwas fernab vom Scheinwerferlicht in den Rennserien Formel 2, Formel 3 und Formel BMW gefahren.

Ende 2010 war ich an einem Punkt, wo ich gesagt habe: Okay, ich habe es lang genug probiert, von meinem Formel-1-Traum bin ich zu weit weg. Deswegen bin ich 2011 in die ADAC GT Masters eingestiegen. Ich habe dort alle Teams angerufen und gesagt: Ich bin zwar ganz gut, hab' aber keine Kohle. Ich bin dann bei einem Team untergekommen. Danach bin ich in den Porsche Carrera Cup eingestiegen, den ich 2014 gewonnen habe. 2015 hat mir BMW meinen ersten Werksvertrag angeboten, 2018 bin ich mein erstes DTM-Rennen gefahren.

Hast du jemals ans Aufhören gedacht?

Ich glaube, es ist ganz normal, dass du ab und zu selbst an dir zweifelst, ganz egal, welchen Job zu machst. Das Zweifeln ist bei mir aber zum Glück immer sehr schnell verflogen. Mir ist nie etwas geschenkt worden. Ich glaube, das hilft mir jetzt sehr, dass ich kein verwöhntes Millionärssöhnchen bin.

Wie viel Zeit investierst du in den Rennsport?

Rennsport ist kein Job, das ist eine Lebenseinstellung. Ich lebe Motorsport jeden Tag. Ich bin auch selbst extrem großer Motorsportfan, schaue mir gerne sämtliche Rennserien im Fernsehen an. Das ist das, was mir in meinem Leben am meisten Spaß macht. Es ist noch nie passiert, dass mich jemand an den Haaren an die Rennstrecke hat zerren müssen.

Wie lässt sich die DTM mit der Königsklasse des Motorsports, der Formel 1, vergleichen?

Die Formel 1 ist einfach die absolute Spitze des Motorsports. Das merkst du in allen Belangen: Wie das Auto fährt, wie viel Leistung es hat. Eigentlich kannst du diese zwei Disziplinen nicht miteinander vergleichen. Ein DTM-Auto wiegt eine Tonne und hat 600 PS und ein Formel-1-Auto hat 1.000 PS und 600 Kilo.

Ich kann mich noch an meine Testfahrt in einem Formel-1-Auto erinnern. An die Geschwindigkeit gewöhnst du dich relativ schnell, aber beim Bremsen war es bis zum Schluss so, dass es der Körper nicht verstanden hat. Dass du mit dieser hohen Geschwindigkeit so spät vor der Kurve bremsen kannst, ist schon extrem cool.

DTM Saison 2019 ✅ Ich habe die Saison auf Platz 6 in der Gesamtertung beendet. Leider war unsere zweite Saisonhälfte...

Gepostet von Philipp Eng am Montag, 7. Oktober 2019

Das ist aber in der DTM ähnlich. Als ich dort meine ersten Tests gefahren bin, wusste ich, wo die Bremspunkte auf der Strecke waren, aber als ich dann das erste Mal auf die Kurve zugefahren bin, war das Gefühl schon arg. Es fühlt sich so an, wie wenn du auf dem Beifahrersitz bist, und der Fahrer bremst nicht, obwohl vor ihm ein Stau ist.

Wie fährst du im normalen Straßenverkehr? Das vergleichsweise geringe Tempo muss ja langweilig für dich sein.

Im Straßenverkehr bin ich extrem entspannt. Ich habe ja den Motorsport, wo ich Luft ablassen kann. Ansonsten stelle ich mir den Tempomat auf der Autobahn ein und rolle gemütlich her. Ich bin im Straßenverkehr einfach froh, wenn ich sicher von A nach B komme. Ich habe da keine Ambitionen, irgendwelche Zeitrekorde zu brechen.

In der vergangenen DTM-Saison hast du lange um den Sieg in der Fahrerwertung gekämpft. Warum hat es am Ende nicht gereicht?

Das wüsste ich auch gerne. Wir sind derzeit noch am Analysieren. Klar ist, dass wir in der zweiten Saisonhälfte im Vergleich zu Audi an Boden verloren haben. Das hat natürlich auch nicht geholfen. Wenn du als Hersteller acht Autos im Qualifying vorne hast, dann kannst du das Rennen ganz anders kontrollieren. Da war es für uns natürlich schwierig, die Schallmauer zu durchbrechen. Audi hatte oft einfach einen Geschwindigkeitsvorteil, den wir nicht wettmachen konnten.

Meiner Meinung nach haben wir als Team auch ein bisschen zu viel nach links und rechts geschaut, anstatt uns auf uns und unser Auto zu konzentrieren.

Noch wurde nichts offiziell kommuniziert: Wirst du kommende Saison wieder in einem DTM-Cockpit sitzen?

Ich bin weiterhin bei BMW, das ist fix. Ob ich wieder DTM fahren werde, erfahre ich erst zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr. Noch ist nichts offiziell bestätigt, das sagt man uns in der Regel Anfang Dezember.

Welche Ziele verfolgst du noch in deiner Karriere?

Ich bin heuer sehr lange in der DTM um den Titel mitgefahren. Der Sieg in der DTM ist ein großer Traum von mir. In die Formel 1 werde ich es wahrscheinlich nicht mehr schaffen, aber sag niemals nie.

Vielen Dank für das Gespräch und für die kommende Saison alles Gute.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 09.12.2019 um 01:38 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportmix/philipp-eng-ich-lebe-motorsport-jeden-tag-79113223

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