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Stauffer: "Ich bin hart im Nehmen"

Auch 20 Brüche halten Salzburger nicht auf

Marcel Stauffer Facebook/Screenshot/Steve Bauerschmidt
Nach dem österreichischen Staatsmeistertitel träumt der Salzburger Marcel Stauffer vom Weltmeistertitel.

Bereits als Fünfjähriger lernte Marcel Stauffer das Siegen. Nach einigen Talentproben stieg das Salzburger Motocross-Talent aus Nußdorf (Flachgau) nun zur Renn-Elite auf und träumt als zukünftiger Werksfahrer von einem Profi-Vertrag und dem Weltmeistertitel. Uns verrät der 18-Jährige im Sonntags-Talk, wie er mehr als 20 Knöchenbrüche verkraftet hat und was der Fitness-Coach von Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem mit seinem Erfolg zu tun hat.

Nußdorf am Haunsberg

Was im zarten Alter von vier Jahren als Hobby im eigenen Garten begann, entwickelte sich bei Stauffer zu einer Leidenschaft. Das Motocrossfahren wurde gar zu einer Sucht. Hier eine Narbe am Hals, ein Gipsverband da. Der Youngster ist in seiner noch jungen Karriere sichtlich gezeichnet. Seinen jüngsten Erfolg mit dem "Kini KTM Junior Racing Team" am vergangenen Wochenende, dem österreichischen Staatsmeistertitel, hat er seinem unbändigen Willen und seiner Härte im Nehmen zu verdanken.

SALZBURG24: Marcel wie kann man nach einem Bruch des sechsten Halswirbels so zurückkommen und sogar einen Titel feiern?

MARCEL STAUFFER: Wenn man bedenkt, dass ich richtig Glück hatte und es im schlimmsten Fall mit mir vorbei sein hätte können, kam die Blitzheilung selbst für mich ein wenig überraschend. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, ob dieser Sport der richtige für mich ist. Aber das kleine Loch, in das ich gefallen bin, hielt nur kurz an. Ich kann nicht so leicht aufhören und habe schon sehr früh in meiner Kindheit gelernt, dass Aufgeben keine Option für mich ist.

Wer hat dir das alles beigebracht?

Mein Vater fuhr früher selber Enduro und war anfangs mein Trainer. Von ihm habe ich vieles gelernt, auch wenn ich als kleiner Junge nicht immer alles befolgt habe. Seine Einstellung zum Sport beeindruckte mich und er begleitet mich sowie meine Mutter heute noch bei den wichtigsten Rennen. Auch wenn ich früher stürzte, raffte ich mich immer auf und stieg wieder auf das Motorrad.

First sand days were prime???????? Thanks coach @schiffermxperformance ???? Pic by @vaiosteve

Gepostet von Marcel Stauffer am Freitag, 12. Juli 2019

Apropos Stürze: Der Verletzungsteufel schlug bei dir besonders oft zu. Raten dir deine Eltern nicht zum Aufhören?

Nein, ich glaube sie trauen sich das gar nicht (schmunzelt). Und auch wenn solch ein Rat jemals kommt, werde ich ihn nicht befolgen. Bei dem hohen Risiko, das ich bei den Rennen eingehe, sind Verletzungen üblich. Viele Konkurrenten hören auf, aber ich bin noch hungrig, will zur Motocross-Elite aufsteigen und nach Matthias Walkner und Heinz Kinigadner der dritte österreichische Weltmeister werden. Neben dem deutschen Motocross-Superstar Ken Roczen (mit 18 Jahren MX2-Weltmeister, Anm. d. Red.) sind das zwei Idole zu denen ich aufschaue.

Was wird nötig sein, damit du deine Ziele erreichen kannst?

Wohin der Weg führen wird, entscheidet sich in den nächsten zwei Jahren. Zuerst will ich heuer meine Matura abschließen und mich dann eine Saison lang nur auf den Sport konzentrieren. Dafür ist hartes Training Voraussetzung.

Marcel Stauffer SALZBURG24/Wurzer
Marcel Stauffer setzt sich den Motocross-Weltmeistertitel als Ziel.

Wie lassen sich Schule und Sport miteinander vereinbaren?

Da ich im Salzburger Schulsportmodell (SSM) die Schulbank drücke, stehen die Anforderungen des Unterrichts und des sportlichen Weiterkommens einander nicht im Weg. Ich bin während der Schule oft drei Wochen mit meinem Trainer Markus Schiffer in Köln, Belgien oder in den Niederlanden auf Trainingslager. Den Lernstoff ziehe ich mir abends nach den Einheiten rein.

Du willst an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen. Ist der Sport als 18-Jähriger überhaupt finanzierbar?

Wenn man da mitfahren will, braucht man einen Profi-Vertrag und viele Sponsoren. Eine Saison kostet rund 300.000 bis 500.000 Euro – das ist für einen Normalsterblichen nicht leistbar. Ich will mit konstanten internationalen Leistungen in der Elite-Klasse auf mich aufmerksam machen. Die Unterstützung des Betreuerteams ist jetzt schon weltklasse.

Wer ist alles im 'Team Stauffer'?

Rund sechs bis acht Leute arbeiten während der Saison mit mir zusammen. Dazu zählen mein Mental-Coach Michael Reinprecht, der Fitness-Trainer von Dominic Thiem, mein Betreuer Markus Schiffer, Konditions-Trainer Bernhard Schimpl, ein Mechaniker und eben meine Eltern. Speziell Reinprecht habe ich seit fünf Jahren viel zu verdanken. Der mentale Bereich wird in der Spitze immer wichtiger und dafür fahre ich auch gerne zu ihm nach Graz. Hoffentlich macht sich der Aufwand bei meinen anstehenden Wettkämpfen bezahlt.

Ich danke dir für das Gespräch und wünsche dir alles Gute für die Zukunft.

Auch ich sage danke.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge via Mail.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 18.10.2019 um 06:34 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportmix/salzburger-motocross-talent-marcel-stauffer-ich-bin-hart-im-nehmen-76101349

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