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Salzburgs Sport-Asse

Eine Thalgauerin im Adrenalinrausch

Para-Ski-Star Magdalena Schenner im Interview

Magdalena Schenner (ehemals Schwertl) hat sich ein außergewöhnliches Hobby zum Beruf gemacht. Die 33 Jahre alte Flachgauerin ist ein Star in der Para-Ski-Szene, einer Kombination aus zwei Sportarten. Beim Besuch in der S24-Redaktion hat uns das Salzburger Sport-Ass seine Leidenschaft näher gebracht.

Thalgau

Die fünffache Weltmeisterin im Para-Ski ist in Thalgau (Flachgau) aufgewachsen und wohnt nun mit ihrem Ehemann in Mondsee (OÖ). Die Sporttherapeutin arbeitet im medizinischen Zentrum Bad Vigaun (Tennengau) und will heuer wieder den Gesamt-Weltcup für den HSV Red Bull Salzburg gewinnen. Nachdem bereits der Saisonauftakt in Deutschland ins Wasser fiel, musste nun auch der Heim-Weltcup in Bad Leonfelden (OÖ) wegen Schneemangels abgesagt werden. Statt vier Bewerben stehen nun noch zwei Wettkämpfe an.

SALZBURG24: Was ist Para-Ski überhaupt für eine Sportart?

MAGDALENA SCHENNER: Das ist eine Kombination aus Riesentorlauf und Fallschirm-Zielsprung. Bei letzterem ist es das Ziel, eine möglichst genaue Punktlandung auf einer Zielscheibe zu erreichen.

Wie läuft so ein Weltcup ab?

Zuerst finden zwei Durchgänge im klassischen Riesentorlauf statt und danach mehrere Fallschirmsprünge. Im Winter sind es sechs. Gesprungen wird aus einem Helikopter in 1.000 Meter Höhe. Wenn ein Sprung daneben geht, ist meistens auch die Punktzahl futsch und der Wettkampf gelaufen. Je nach Wetter kann so ein Bewerb ein oder auch drei Tage dauern.

Sport-Ass Magdalena Schenner HSV RB SBG
Die Salzburgerin Magdalena Schenner ist Doppel-Weltmeisterin im Para-Ski. 

Im Sommer landen wir auf einer Matte auf einer Wiese und im Winter am Hang mit einer Neigung von mindestens 25 Grad. Durch die optische Täuschung ist es schwieriger, den zwei Zentimeter großen Punkt zu treffen. Die Jury schaut dann, wo der erste Bodenkontakt war. Je näher man am Ziel landet, desto mehr Punkte gibt es. Eine Sekunde Abstand beim Skifahren bedeutet umgerechnet drei Zentimeter beim Zielspringen. Die beste Gesamtpunktzahl gewinnt am Ende.

Wie kamst du zu dieser außergewöhnlichen Sportart?

Durch meinen Papa, denn er war Skitrainer beim HSV Wals. Und damals – das müsste 2007 gewesen sein – hieß es, dass der Verein mehr Frauen brauche. Skifahren konnte ich schon immer ganz gut, also konnte ich das wunderbar miteinander verbinden. Im Sportstudium an der Uni Salzburg waren zur gleichen Zeit so viele Top-Athleten um mich rum und ich habe den Gedanken ausgefasst, dass ich auch mal Weltmeisterin werden will (lacht). Und Para-Ski ist keine Sportart, mit der man im Kindesalter anfangen kann. Ich hatte also Chancen.

Bist du von klein auf Skigefahren?

Mit zweieinhalb Jahren. Weil ich aus Thalgau komme, war es zum Skifahren in Hintersee nie weit.

Deine Anfänge beim Fallschirmspringen hast du mit einer Pionierin des Sports gemacht.

Richtig. Mit Marina Kücher habe ich viele Bewerbe im Team gewonnen. Sie hat mir vieles beigebracht und geholfen, worauf ich achten muss. Sie hat bestimmt schon mehr als 4.000 Sprünge. Sie war auch die erste Frau, die beim Bundesheer mitspringen durfte.

Wie viele Fallschirmsprünge hast du seitdem gemacht?

Insgesamt sind es mittlerweile fast 2.000 Sprünge. Die Marke ist bald geknackt.

Was läuft kurz vor dem Sprung für ein Film in deinem Kopf ab?

Im Flugzeug ist man so hoch, dass du die Höhe gar nicht einschätzen kannst. Aus dem Alltag gibt es ja keinen Vergleichswert. Deswegen schaltet irgendwie das Hirn aus. Und vor dem Sprung bekommst du einen Tapp auf die Schulter und los geht’s. Beim Helikopter ist es anders, weil man auf den Kufen steht. Und das ist schon ziemlich cool, da du die Aussicht genießen kannst. Und das wird auch nicht fad.

Sport-Ass Magdalena Schenner privat
Der Blick vom Helikopter in die Tiefe.

Wenn ich dann am Schirm hänge, kommt mir manchmal der Gedanke, dass ich ja eigentlich nur in zwei Beinschlaufen hänge. Und dann denk ich mir: Denk ja nicht dran (lacht). Es sitzt ja alles bombenfest.

Was waren deine spektakulärsten Sprünge?

Kein Sprung ist gleich. Und das macht es so speziell, auch wenn man Tausende Sprünge am Buckel hat. Dank des Heeressportvereins durfte ich schon aus Black-Hawk-Hubschraubern und Hercules-Maschinen des Bundesheers rausspringen. Und in einem so großen Flieger zu sein, in den ein Panzer reinpasst, ist schon nochmal was anderes. Besonders, wenn du eine heftige Windwatschn von der Heckklappe bekommst (lacht).

Sport-Ass Magdalena Schenner H. Gorup_ÖBH
Magdalena Schenner in Aktion.

Spektakulär sind auch immer Fallschirmsprünge bei Nacht oder über Gletscher. In Dubai bin ich mal über einem Wolkenkratzer rausgehüpft. Das war echt lässig und ein richtiges Spektakel. Das ist Freude und Nervenkitzel. Eine Sucht steckt schon dahinter.

Wie hoch ist der Aufwand für deine Sportart?

Wir bekommen sehr viel vom Verein. Meine Kleidung und der Fallschirm gehören nicht mir, sondern das wird gestellt. Wer viel Zeit investiert und Leistung zeigt, wird dementsprechend unterstützt. Das liegt auch daran, dass der HSV Wals von Red Bull unterstützt wird.

Welche Rolle spielt das Risiko in deinem Sport?

Ich denke, dass Fallschirmspringen relativ sicher ist. Besonders im Vergleich zum Paragleiten oder Basejumping.

Und wo willst du unbedingt mal springen?

Es gibt am Mount Everest eine Dropzone, wo mit Sauerstoffgerät gehüpft wird. Das wäre schon cool.

Macht sich dein Ehemann eigentlich keine Sorgen?

Er hat mich so kennengelernt und das mag er ja auch ein bisserl an mir. Ich glaube nicht, dass er sich Sorgen macht, sonst hätte er mich ja nicht geheiratet (lacht). Er war selbst noch nie Fallschirmspringen, weil er Höhenangst hat. Ich würde ihm natürlich die Hand halten, wenn er sich überwinden würde.

Danke für das Gespräch.

Sport-Ass Magdalena Schenner Manfred Laux
Schenner beim Heim-Weltcup in Thalgau.
(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 19.02.2020 um 12:29 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportmix/salzburgs-sport-asse-para-ski-star-magdalena-schenner-im-interview-83092501

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