Jetzt Live
Startseite Sportmix
Sonntags-Talk

"Seid keine Smartphone-Zombies!"

Polizist über Selbstverteidigung

Polizist im Berufsleben – Selbstverteidigungs-Trainer in der Freizeit. Der 32-jährige Salzburger Markus Maislinger lehrt seit 14 Jahren wie sich Groß und Klein bei möglichen Angriffen wehren können. Im Sonntags-Talk gibt der Kriminalpolizist hilfreiche Alltagstipps.

Miteinander, gegeneinander. Wenn in Max‘ Kampfsport-Studio "Defence Lab" in der Stadt Salzburg die Sportler auf die Matte fliegen, stehen sich Menschen gegenüber, die sich sonst wohl nie begegnet wären. Sie rangeln und schätzen einander. Mit einem gemeinsamen Ziel: Um bei einem möglichen Angriff im Alltag gewappnet zu sein und sich schützen zu können.

SALZBURG24: Viele Menschen haben das Gefühl, dass es immer häufiger zu Messerangriffen kommt. Welche Erfahrungen hast du im Polizei-Alltag gesammelt?

MARKUS MAISLINGER: Natürlich fällt das dienstlich auf. Und auch in den Kursen behandeln wir das Thema und trainieren es. Aber eher mit einem Augenzwinkern, als für den Ernstfall. Wenn man sich in so einer Notsituation befindet, sollte man eine schnellstmögliche Flucht anstreben. Wir liefern zwar beim Kampf ums Überleben technisch ein paar Tipps, aber diese sind nur im absoluten Notfall anzuwenden.

Ich sehe unsere Selbstverteidigungs-Kurse wie Versicherungen. Wir hoffen zwar, dass sie keiner jemals braucht, aber wenn man sie hat, ist man auch froh drüber.

Selbstverteidigung, SALZBURG24/Wurzer
Wir haben Markus Maislinger (li.) beim Selbstverteidigungs-Training im "Defence Lab" besucht.

Wie kann man sich so einen Kurs bei euch vorstellen?

Wir betreiben keine Kampfkunst oder Kampfsport im herkömmlichen Sinne. Defence Lab will die Schüler auf Selbstverteidigung in realistischen Situationen vorbereiten. Im Ernstfall sollen sie physisch, als auch psychisch gewappnet sein.

Durch Verlassen der gewohnten Trainingsumgebung und durch ständiges Verändern der Szenarien wie zum Beispiel Parks oder Bars versuchen möglichst viele Situationen nachzustellen.

Wie funktioniert das mit Kindern?

Mit denen gehen wir zum Beispiel raus auf die Straße und trainieren die Wahrnehmung der Umgebung. Wir überqueren einen Gehsteig und fragen, ob eine Frau oder ein Mann das Auto gelenkt hat. Es gilt das Grundprinzip, die Sinne der Leute zu schärfen.

Selbstverteidigung, Markus Maislinger SALZBURG24/Wurzer
Polizist und Trainer Markus Maislinger (re.) im Gespräch mit SALZBURG24-Redakteur Aleksandar Andonov.

Markus, warum ist dir das Thema Selbstverteidigung so wichtig?

Meine ersten Erfahrungen sammelte ich als Kind im Judo. Diese bildeten die Rutsche, um mich mit Kampfsport zu beschäftigen. Danach trug selbstverständlich mein Beruf als Polizist seinen Teil dazu bei. Ich bin nun acht Jahre lang bei der Exekutive tätig. Von der Justizwache bin ich über das Sondereinsatzkommando nun bei der Kriminalpolizei gelandet. Da bekommt man schon einiges mit.

Zum Beispiel?

Man sammelt Erfahrungen, wie es draußen auf der Straße wirklich abläuft. Diese will ich unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern mitgeben. Gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin Birgit und Fabio sind wir drei Trainer, die beruflich bei der Polizei arbeiten.

Hast du auch ein paar Alltagstipps für unsere Leser parat?

Als erstes: Seid keine Smartphone-Zombies und schaut euch einfach eure Umgebung genau an. Generell sollte man auf das innere Gefühl – das immer mehr ausstirbt – hören. Dazu gehört auch immer ein gesunder Hausverstand.

Meidet Orte, die schon als verschrien gelten. Ich will keine Panik schüren, aber in der Nacht sollte man alleine als Frau den Lehener Park oder Ähnliches meiden. Nehmt lieber einen Umweg, der etwas länger dauert und wo sich etwas tut.

Apropos Frauen: Dominiert das weibliche Geschlecht die Selbstverteidigungs-Szene?

Früher war das auf jeden Fall so. Viele Frauen kommen, weil sie sich einfach aufgrund der immer steigenden Übergriffe nicht mehr sicher fühlen. Das Verhältnis hat sich aber gewandelt: Die Aufteilung bei uns ist fast 50:50 und wir lehren auch immer denselben Inhalt. Auch wenn wir natürlich auf die anatomischen Unterschiede Acht geben müssen.

Selbstverteidigung, SALZBURG24/Wurzer
Wir haben das Team von "Defence Lab" beim Selbstverteidigungs-Training besucht.

Erfüllen die Selbstverteidigungs-Kurse auch einen sozialen, integrativen Auftrag?

Das probieren wir und schließen sicherlich keinen aus. Wir schauen vermehrt darauf, dass ein Gemeinschaftsgefühl entsteht und sehen uns als kleine Familie. Von Moslem bis zum Christen haben wir Leute mit den verschiedensten Religionsbekenntnissen dabei. Bei uns stehen die Menschen und die gemeinsamen Ziele im Vordergrund.

Wenn aber jemand kommt und lernen will, wie er am Samstag Leute am Rudolfskai verdreschen kann, ist er bei uns allerdings falsch.

Vielen Dank für das nette Gespräch, Markus.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 22.11.2019 um 06:49 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportmix/selbstverteidigungs-trainer-markus-maislinger-im-sonntags-talk-78507352

Kommentare

Mehr zum Thema