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So trainiert ihr richtig

"Sporteln, ja – aber bitte mit Plan!"

Warum ein Leistungstest zum Training dazugehört

Rein in die Laufschuhe – raus in die Natur. Rauf aufs Fahrrad – los geht die nächste Tour. Freilich, moderater Sport ist gesund. Jedoch starten sehr viele Sportlerinnen und Sportler ohne sich davor sportmedizinisch untersuchen zu lassen. Und das kann gefährlich werden. Zudem ist zielgerechtes Training weitaus effektiver.

Vor dem am Freitag startenden Trumer Triathlon beschäftigen wir uns in unserer "Fitness-Serie" mit Leistungstests und fragen deshalb bei Expertin Anita Birklbauer (39) nach.

Leistungsdiagnostik für Hobby-Sportler?

Auch wenn die durchschnittliche Fitness der Menschen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer schlechter wird, hat man das Gefühl, dass der Sport in Österreich derzeit boomt. Speziell der Sommer regt zu sportlichen Aktivitäten an. "Viele, die den Drang nach Bewegung verspüren, sporteln leider oft einfach so drauf los", sagte Anita Birklbauer im Gespräch mit SALZBURG24.

Birklbauer (39) ist Sportwissenschafterin und an der Universität Salzburg als Lehrkraft tätig. Die Trainingstherapeutin weiht uns in die Welt der Leistungsdiagnostik ein und klärt über Mythen rund um den Triathlon, Laufen und Radfahren auf.

SALZBURG24: Anita, lass uns zu Beginn gleich einmal über den Begriff Sport reden. Wie würdest du ihn definieren und was sagt die Wissenschaft dazu?

ANITA BIRKLBAUER: Man muss gleich vorne weg nehmen, dass Sport nicht gleich Leistungssport ist. Sportliche Bewegung kann auch flottes Spazieren gehen sein. Es geht generell um die Bewegung, sodass man den Kreislauf in Schwung bringt und dass man das Immunsystem und den Körper an die Belastung heranführt. Dabei gibt es unterschiedliche Belastungsstufen. Wenn wir von Leistungssport reden, kommen wir in einen Bereich, der dann oft auch nicht immer ganz so gesund ist.

Gibt es eine Grenze, an der übertriebene Aktivitäten auch schädlich sein können?

Dass Sport gesund ist, ist längst erwiesen. Mittlerweile setzt sich der Slogan 'Bewegung als Medizin' durch. Es ist wie bei den meisten Sachen: Man kann immer etwas zu viel oder zu wenig machen. In der Corona-Phase gab es die sogenannten Couch-Potatoes – das ist sicherlich schlecht. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die mit Familie und Beruf 20 bis 30 Stunden Leistungssport betreiben. Das ist sicherlich ein Bereich, der nicht mehr so gesund ist. Wichtig ist, dass man den Sport an den Alltag anpasst.

Wie kriegt man alle Faktoren unter einen Hut? Wie viele Stunden sollte man sich in der Woche so im Schnitt bewegen?

Genau das ist die Kunst. Ich schaue mir zunächst jeden Sportler individuell an, kläre die Ziele und den familiären Rahmen sowie den Beruf ab. Im Vergleich zu früher gibt es etliche Studien, die belegen, dass sich die Leute deutlich weniger bewegen bzw. die Fettleibigkeit zunimmt.

Als Richtwert wird in der Literatur 20 bis 30 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität pro Tag, sowie zwei bis drei Stunden pro Woche hergenommen. Das hat den Vorteil, dass man den Alltag kurz links liegen lassen kann. Zudem hilft Bewegung im richtigen Ausmaß gegen Stressbewältigung.

Hier kommst du ins Spiel. Woher weiß man, wie oft und mit welcher Intensität man sich bewegen soll?

Also die niedrigen bis mittleren Belastungsintensitäten stärken die Grundlagenausdauer. Dieser Bereich regt den Fettstoffwechsel an und wird zudem in der Prävention mit kardiologischen Patienten praktiziert. Wenn man auf Wettkämpfe hintrainiert, braucht man die intensiven Belastungen sowie Intervalltrainings. Hier lernt man mit dem Laktat bzw. der Milchsäure umzugehen. Diverse Leistungstests liefern Erkenntnisse in punkto Fitnesszustand.

Warum sind Leistungstests so wichtig und welche Sportler sollten solche Überprüfungen machen?

In den Köpfen der Menschen ist leider immer noch der Glaube verankert, dass sich nur stark belastete Sportler wie Marathonläufer, Triathleten und so weiter sportmedizinisch untersuchen lassen sollten. Das ist leider ein Irrglaube. Eigentlich sollte man beim Beginn einer Sportart wissen, ob ich überhaupt gesund bin, diese ausüben zu können. Das steht ganz oben. Erst dann kann man mit dem Gedanken der Trainingsoptimierung spielen.

Zuerst a bissl umman See, dann wurde getestet und Blut gezapft @ Dr. Claus Hoflehner #schörling #leistungstests #laktattest #leistungsdiagnostik #sportrixspowipraxis #sportrixdiespowipraxis #montag

Gepostet von Sportrix.Die Spowi-Praxis am Montag, 13. Juli 2020

Was erfahren Sportler von solchen Leistungstests?

In aller erster Linie helfen Untersuchungen wie ein Elektrokardiogramm (EGK) dem Arzt eine Beurteilung zu fällen, ob das Herz störungsfrei funktioniert. Ich habe schon des Öfteren mitbekommen, dass junge Menschen, bei denen die Eltern Leistungssportler waren, aufgrund von fehlenden Untersuchungen an schweren Herzproblemen leiden. Nur weil man glaubt, dass eh alles in Ordnung ist und man nicht rund 100 Euro aufwärts für eine Untersuchung zahlen will.

Weiters geben Laboruntersuchungen und im Speziellen die sogenannten Laktattests Auskunft über den individuellen Leistungszustand.

Wie laufen solche Laktattests ab und für wen sind sie geeignet?

Laktattests kann man sportartenspezifisch durchführen. Dabei führt man einen Stufentest mit ansteigender Belastung durch. Im Idealfall bis zur Belastungsgrenze, das muss allerdings nicht sein. Mit dem Ergebnis der jeweiligen Schwellen lässt sich dann ein zielgerechtes Training zusammenstellen.

Ich empfehle sie jedem Sportler – egal ob Anfänger oder Profi. Generell würde ich sagen: Sporteln, ja. Aber bitte mit Plan. Gerade für den Hobbybereich würde ich das jedem empfehlen.

 

Lass uns über den anstehenden Trumer Triathlon sprechen. Kann da eigentlich jeder mitmachen?

Die Sportart Triathlon wirkte zuletzt noch ein wenig abschreckend. Aber gerade in letzter Zeit ist der Triathlon immer beliebter geworden und der Marathon hat hingegen etwas an Bedeutung verloren. Der Vorteil beim Triathlon ist auf alle Fälle der Gemeinschaftsfaktor, die Sportart boomt derzeit. Bei vielen Events können sich die Sportler die drei Disziplinen – Laufen, Radfahren und Schwimmen – aufteilen und als Dreier-Team teilnehmen. Somit ist auch der Spaßfaktor beim gemeinsamen Training größer.

Wie schaut es bei dir aus? Ist ein Triathlon für dich ein Thema?

Ich schaue sehr gerne bei einem Triathlon von außen zu und betreue einige Sportler. Ich persönlich bin eher beim Duathlon daheim, da meine Lieblingsdisziplinen Laufen und Radfahren sind. Mein Problem ist das Schwimmen, bei Wettkämpfen weiß ich, dass das nicht so meins ist.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 04.08.2020 um 04:48 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportmix/sporteln-ja-aber-bitte-mit-plan-89995720

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