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Gelebte Inklusion

Wo Sport in Salzburg Brücken baut

Angebote für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung

Wie Menschen mit geistiger Behinderung trotz ihrer Beeinträchtigung in ihrer Entwicklung und im Leben gefördert werden können, das zeigt eindrucksvoll der Sport. Wir haben die Lage im Land Salzburg genauer unter die Lupe genommen.

Eines vorweg: Eine geistige Behinderung ist keine Krankheit. Sie wird zwar oft durch eine biologische Krankheit oder eine organische Schädigung verursacht, ist aber nicht im klassischen Sinne heilbar. "Die soziale Teilhabe ist deshalb von so großer Bedeutung, weil sich Menschen mit Behinderung oft am Rande der Gesellschaft befinden", erklärt Norbert Planitzer von Special Olympics Salzburg im Interview mit SALZBURG24 und führt aus: "Ich kenne keine andere Möglichkeit den Menschen so in den Mittelpunkt zu rücken, wie beim Sport."

"Das hat nichts mit Mitleid zu tun"

Die Special Olympics, das ist die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung. Dort ist nicht der Kampf um Hundertstelsekunden, Zentimeter oder Tore entscheidend. Vielmehr geht es darum, das Beste zu geben und nicht primär ums Gewinnen. Gerade deswegen zeigen die Athletinnen und Athleten bemerkenswerte Leistungen in ihren Sportarten und sorgen mit ihrer Leidenschaft und unbändigem Willen für emotionale Momente.

Arnold Schwarzenegger, Special Olympics APA/EXPA/MARTIN HUBER
Arnold Schwarzenegger mit österreichischen Medaillengewinnern bei den Special Olympics 2017 in Schladming. (ARCHIVBILD)

"Das hat absolut nichts mit Mitleid zu tun, sondern es geht um Gleichwertigkeit", betont Planitzer, "die Sportlerinnen und Sportler zeigen die Leistung im Rahmen ihrer Möglichkeiten."

"Bewegt im Park" als Vorbild?

Eine solche Gelegenheit bietet sich bei "Bewegt im Park" im Salzburger Volksgarten, bei der für Menschen mit und ohne Einschränkungen integrative Bewegungseinheiten angeboten werden. "Das ist eine gute Sache, denn schon mit kleinen sportlichen Aktivitäten kann großer Erfolg erreicht werden", sagt Planitzer, der auf der anderen Seite aber eine "gravierende Tendenz zur Bewegungsarmut unter den jungen Menschen" ortet – unabhängig von einer Behinderung. Neben Bewegungsmangel komme oft noch schlechte Ernährung dazu. "Ich mache mir ernsthaft Sorgen um die junge Gesellschaft", fügt Planitzer an. Dabei seien doch die zahlreichen positiven Effekte des Sporttreibens unlängst bekannt. "Die Wenigsten bekommen von Aktionen wie 'Bewegt im Park' leider etwas mit", bemängelt der Organisator der Lungauer Langlauftage, bei denen seit mehr als zwei Jahrzehnten auch Menschen mit geistiger Behinderung an den Start gehen.

Sport mit mentaler Einschränkung

Davon ausgenommen sind freilich die Sport- und Trainingsangebote von Salzburger Vereinen für Menschen mit geistiger Behinderung. Im Land Salzburg sei jener Sport "punktuell gut organisiert", aber die Rahmenbedingungen würden sich oftmals sehr schwierig gestalten. Planitzer: "Zum einen haben die Sportlerinnen und Sportler einen Unterstützungsbedarf. Eine Person mit geistiger Behinderung muss vom Wohnort zur Trainingsstätte und wieder zurückgebracht werden." Assistenz und Unterstützung seien sehr häufig von Nöten und nicht immer gegeben. Zum anderen sei die verkehrstechnische Anbindung oftmals nicht gut gelöst für Menschen mit Handicap.

"Viele dieser Menschen sind auf Unterstützung ihres Umfelds angewiesen", bestätigt auch Elisabeth Alphart vom Verein für Cerebralparetiker- und Amputiertensport (VCA) Salzburg gegenüber S24. "Der Transport zu den Trainingsstätten oder zu diversen Veranstaltungen scheitert leider an der Bereitschaft ihrer Angehörigen, dies auf sich zu nehmen." Es gebe demnach sehr viele Beeinträchtigte, die deshalb nicht die Möglichkeit haben, aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen. Besonders davon betroffen seien Kinder und Jugendliche. Beim VCA treffen sich ab 14. September wieder regelmäßig rund 50 "begeisterte" Personen mit mentaler Beeinträchtigung zum Sporteln: "Sie fühlen sich nicht ausgeschlossen und werden so akzeptiert wie sie sind."

Coronas Einfluss auf den Sport

Selbstredend stand der Sport im Sommer still. Mit den seit 1. September geltenden Corona-Lockerungen geht es nun langsam wieder vorwärts. Trotzdem herrscht "Unsicherheit", wie Alphart ausführt: "Die Sportstätten begrüßen zwar die Wiederaufnahme unseres Trainings, doch leider gibt es keine klaren Maßnahmen." Neben dem Trainingsablauf müsse penibel auf die Einhaltung der Abstandsregeln geachtet werden. "Und sollte es zu Ansteckungen kommen, ist der Verein verantwortlich." Deshalb führte die Vereinsobfrau in diesen Tagen viele Gespräche mit den Verantwortlichen: "Ich möchte kein zu großes Risiko eingehen."

 

Trotz Corona soll am 1. Oktober – sofern es die Situation zulässt – das Schwimmfest "Inklusion geht Baden" im Olympiazentrum Salzburg über die Bühne gehen. Ansonsten wurden auch die restlichen Sportveranstaltungen für Menschen mit mentaler Beeinträchtigung Corona-bedingt abgesagt.

Wo in Salzburg Aufholbedarf herrscht

Grundsätzlich sei die Sport-Infrastruktur im Bundesland ausgebaut, findet Planitzer, aber: "Der Pinzgau ist ein noch ganz nackiger Fleck und im Flachgau gibt es immer größeren Bedarf", bemängelt der Bundeslandkoordinator für Salzburg bei den Special Olympics. In der Vorzeige-Sportstätte im Olympiazentrum in Rif seien Sportlerinnen und Sportler mit geistiger Behinderung außerdem stark unterrepräsentiert. Hier treffen sich wöchentlich lediglich die Schwimmerinnen und Schwimmer vom VCA und Sportclub Flamingo. Die andere Trainingseinheiten führen die Vereine im AYA-Bad im Süden der Landeshauptstadt durch. "Im Sportzentrum Mitte findet unsere Gymnastik- und Turnstunde statt", ergänzt VCA-Obfrau Alphart, die Interessierte mit offenen Armen empfängt. "Trotz Angeboten, wie eines Kinderschwimmkurses und Schnuppertrainings, haben wir wenig Nachwuchs im Verein."

Sportangebote im Bundesland

Weitere Leuchttürme für Sport mit geistiger Behinderung im Bundesland sind neben dem Flamingo Sportclub, die Judounion Hallein-Golling, der Samurai-Karate Klub Salzburg und der Behindertensportclub für Tischtennis sowie die Behindertensportvereine Pongau, Pinzgau und Lungau. Weitere Partner der Behindertenhilfe Salzburg hat das Land HIER aufgelistet.

Bei den Special Olympics konnten Outdoor-Sportarten, wie Fußball und Floorball, mit September wieder aufgenommen werden. HIER findet ihr zusätzliche Sport- und Trainingsangebote.

"Wir müssen uns stark anpassen und den Sport anders denken, denn Menschen mit Behinderung sind oftmals in der Risikogruppe", gibt Planitzer zu bedenken. Darum wird bei den Special Olympics nun verstärkt auf das sogenannte MATP-Training gesetzt, so könne im Einzeltraining oder in Kleinstgruppen Sport mit kognitiver Leistung kombiniert werden. "Mit diesen einfachen Übungen erzielen wir rasch sehr große Erfolge", berichtet Planitzer. Demnach steige nicht nur das Fitnesslevel, sondern auch Mut und Selbstvertrauen.

Ausbildung statt Wettkämpfe

Weil Wettkämpfe und auch andere größere Veranstaltungen heuer der Pandemie zum Opfer fallen, konzentriert man sich zumindest bei den Special Olympics zunehmend auf die Trainerausbildung. So werden in Kooperation mit der Sportunion Basismodule für den Übungsleiter angeboten, genauso wie Aufbaulehrgänge. "Mit mehr Trainerinnen und Trainern sowie einer fundierten Ausbildung schaffen wir ein Fundament, um mehr Menschen mit Beeinträchtigung eine Möglichkeit zum Sporttreiben zu geben."

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 28.09.2020 um 10:31 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportmix/wo-sport-in-salzburg-bruecken-baut-angebote-fuer-menschen-mit-geistiger-behinderung-92249836

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