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DFB-Elf droht beim Fußball-Weltmeister nächster Nackenschlag

Auf die Deutschen wartet nun die denkbar schwerste Aufgabe APA (AFP)
Auf die Deutschen wartet nun die denkbar schwerste Aufgabe

Im Land des regierenden Weltmeisters droht dessen Vorgänger der nächste Nackenschlag. Frankreich empfängt Deutschland am Dienstagabend (20.45 Uhr/live ARD) im Stade de France zum Nations-League-Schlager. In der Vorstadt von Paris steht vor allem Joachim Löw auf dem Prüfstand. Bei einer weiteren Niederlage dürfte der deutschen Langzeit-Bundestrainer mehr denn je zur Diskussion stehen.

Nach dem 0:3 in Amsterdam ging es für Löw und seine Mannschaft am Montag unter großer Anspannung weiter nach Paris. Der 58-Jährige muss personell und taktisch einen Plan entwerfen, um einem weiteren sportlichen Desaster zu entgehen. Bei einer Niederlage in Saint-Denis droht den nach zwei Gruppenspielen bei nur einem Zähler haltenden Deutschen der Abstieg in die Liga B der Nations League. Dies wäre vor allem ein Prestigeverlust für den ehemaligen Weltranglisten-Primus.

Während der Deutsche Fußball-Bund nach außen hin Ruhe vermitteln wollte, ist der Druck auf Löw medial groß. Die wenig erbauliche Vorstellung gegen die Niederländer hat neue Grundsatzdebatten aufgeworfen, auch über Löw als geeigneten Erneuerer nach der WM-Blamage. "Wir müssen ausblenden, was auf uns einprasselt", erklärte der Bundestrainer vor der Reise nach Paris. Ein Punkt wäre in der aktuellen Verfassung der DFB-Auswahl ein Achtungserfolg.

Die Zahl der Kritiker ist nach der Schmach von Amsterdam deutlich gestiegen. So forderte Lothar Matthäus einen Torhüterwechsel. Marc-Andre ter Stegen soll anstelle des nach seiner Verletzung mit seiner Form kämpfenden Manuel Neuer im Tor stehen, schrieb der Rekord-Nationalspieler in seiner Kolumne auf Sky. Die Achse, auf die Löw vertraue, funktioniere aktuell nicht. Namentlich nannte Matthäus Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Toni Kroos und Thomas Müller. "Sie sind die Erfahrensten, haben den Laden aber aktuell überhaupt nicht im Griff."

Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Profis des strauchelnden Serienmeisters Bayern München. So meinte auch der frühere Nationalspieler Olaf Thon zur Vorstellung der Münchner Innenverteidigung mit Hummels und Boateng: "Das ist Altherrenfußball." Boateng wird gegen Frankreich nicht dabei sein, er muss aufgrund einer Wadenblessur passen.

Im Hinspiel trennten sich die beiden Teams Anfang September in München mit einem 0:0. Damals herrschte bei den Gastgebern Zuversicht. Nun überwiegt in erster Linie der Sicherheitsgedanke. "Das große Geheimnis wird sein, dass wir in Frankreich nicht in Rückstand geraten", sagte Hummels. Sonst könnten die Franzosen "ihren Konterfußball mit ihren Mopeds noch besser ausspielen", bemerkte der Abwehrspieler mit Blick auf das Tempo der französischen Offensivspieler um Kylian Mbappe.

Der derzeit in Hochform agierende Jungstar von Paris Saint-Germain wurde beim 2:2 gegen Island am vergangenen Donnerstag wegen leichter Muskelbeschwerden erst nach einer Stunde eingewechselt. Aus einem 0:2 machten die Franzosen dann noch ein 2:2, wobei Mbappe per Elfmeter der späte Ausgleich (90.) gelang. Teamchef Didier Deschamps bezeichnete den 19-Jährigen als Erfolgsgarant: "Er hat Tempo und Präzision gebracht. Das hat uns gut getan."

Die Franzosen machen sich auf einen Gegner gefasst, der Wiedergutmachung betreiben will. "Deutschland wird die Verhältnisse sehr schnell wieder gerade rücken wollen", meinte Linksverteidiger Lucas Hernandez. Den Gegner sieht man in Frankreich dennoch als schwer angeschlagen. So schrieb die renommierte Sport-Tageszeitung "L'Equipe" von einem großen Absturz der Deutschen - "fast ein Abstieg in die Hölle und der Absturz scheint nicht zu enden".

Löw denkt in der derzeit schwierigsten Phase als Teamchef der deutschen Fußballnationalmannschaft nicht an Rücktritt. "Solche Gedanken mache ich mir jetzt wirklich nicht. Auch nicht nach so einem Spiel", sagte Löw am Montag dem ARD-Radio. "Ich bin jetzt schon lange in dem Geschäft dabei. Und ich habe auch schon einige Dinge überstanden. Ich kann das als Trainer einordnen", ergänzte Löw.

Verbandspräsident Reinhard Grindel habe ihm in einem persönlichen Gespräch am Montag erneut das Vertrauen ausgesprochen, berichtete Löw bei der Pressekonferenz vor dem Nations-League-Spiel gegen Frankreich. "Wir haben ein offenes Verhältnis beim DFB", bemerkte der Bundestrainer: "Wenn es irgendwann mal eine andere Lösung geben wird, dann wird man rechtzeitig und in Ruhe darüber sprechen. Aber jetzt ist der Zeitpunkt bestimmt nicht da."

(APA/dpa)

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