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Miklauz zum neuen OSV-Präsidenten gewählt

Miklauz setzte sich klar gegen Krankl durch Salzburg24
Miklauz setzte sich klar gegen Krankl durch

Nach knapp achtmonatiger Vakanz hat der österreichische Schwimmverband (OSV) seit Samstagnachmittag wieder einen Präsidenten. Der Unternehmer Stefan Miklauz ist beim ordentlichen OSV-Verbandstag im Welser Messezentrum als OSV-Kandidat mit seinem Team in diesem Land zum neuen Chef der Sommer-Kernsportart gewählt worden. Es gab beim Meeting aber auch wieder etliches an Unruhe.

Von 121 Delegiertenstimmen entfielen bei zwei Enthaltungen 103 auf Miklauz, 16 auf seinen Gegenkandidaten Thomas Krankl. Der Jurist hatte erst am Freitag entschieden, anzutreten. Der Ex-Schwimmer war über die Szene hinaus als Anwalt in Gerichtsfällen gegen des OSV bekanntgeworden, seine Mandanten waren da Dinko Jukic und sein Club SC Austria Wien. Von dem ist er beim Verbandstag auch nominiert worden. Auch Jukic selbst war als Zuhörer anwesend.

Da Krankl ohne Team angetreten war, wurde erst nach der Präsidentenwahl über die Mannschaft von Miklauz abgestimmt worden. Hier gab es immerhin 96 Pro-Stimmen, elf dagegen und 14 Enthaltungen. Die drei Vizepräsidenten des 34-Jährigen sind durchwegs Ex-Wassersportler. Stefan Opatril war Olympia-Teilnehmer 1988 in Seoul, Peter Rothbauer Langstrecken-Schwimmer und Gerd Lang Nationalteam-Wasserballer.

Der 46-Jährige hat die Agenden für Wasserball, Synchronschwimmen und Wasserspringen über, der 47-jährige Opatril ist speziell für Schwimmen zuständig und der 40-jährige Rothbauer nimmt besonders die Leistungszentren unter seine Fittiche. Das Präsidium wird von Finanzreferent Werner Kühnert und von Schriftführer Herbert Schurm ergänzt. Der Oberösterreicher bleibt als einziges bisheriges Präsidiumsmitglied im Amt.

"Wir sind dafür, den Sport wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Dafür steht mein Team", erklärte Miklauz bei seiner Wahlrede. "Auf Basis eines professionellen Managements müssen wir den Schwimmsport wieder zur Hauptaufgabe machen. Ich stehe dafür, dass ich den Verband modernisieren möchte. Wir leiten einen massiven Demokratisierungsprozess ein, alle Vereine sollten mitbestimmen können über die Zukunft."

Der 34-Jährige nannte sieben Kernpunkte seines Programms. 1. Die Verjüngung des Vorstands ist nun schon vollzogen, die Modernisierung soll folgen. 2. Athleten, Experten sollen mehr Einflussmöglichkeiten bekommen. 3. Die Infrastruktur soll verbessert werden. 4. Die drei Sparten abseits Schwimmen sollen mehr unterstützt werden. 5./6./7. Die Fördermittel sollen besser ausgeschöpft, das Image soll verbessert und letztlich interne Konflikte schneller und besser gelöst werden.

Den Unterbau des geschäftsführenden Vorstands bildet der sporttechnische Ausschuss, an dessen Spitze die Fachwarte stehen. Diese sollen die Sparten selbst bestimmen. Die Wasserballer haben sich schon für Richard Kössler entschieden, einen der drei bisherigen Vizepräsidenten. Bei Schwimmen, Synchronschwimmen und Wasserspringen bleiben - zumindest vorerst - Manfred Otte, Alexandra Worisch und Grete Kugler im Amt.

Auch die kooptierten Referenten mit Stimmrecht sind die des alten Vorstands und heißen Nina Dittrich (Jugend), Hubert Fessl (Schulsport) und Wolfgang Raber (Masters). Dazu kommt Arno Pajek (Recht). Auf diesen Unterebenen gibt es also im Gegensatz zum Präsidium kaum neue Gesichter. Ebenfalls neu bestimmt wurde je ein Mitglied dreiköpfiger Gremien. Für das Verbandsgericht ist es Peter Döller, bei den Rechnungsprüfern Alex Dillinger.

Für die Rechnungsprüfer hatte Werner Schwarz Teil eins der Sitzung seinen Bericht mit folgenden Worten geschlossen: "Insbesondere 2011 und 2012 wurden teilweise Rechnungen gefälscht und doppelt vorgelegt. Aus diesem Grund empfehlen die Rechnungsprüfer einhellig, den geschäftsführenden Vorstand für 2012 und 2013 nicht zu entlasten." Daraufhin erklärte der bisherige Vorstand, auf eine Abstimmung über eine Entlastung von sich aus zu verzichten.

Ebenso erklärte der seit Anfang August ohne Präsident amtierende alte Vorstand seinen Rücktritt und machte damit den Weg für Miklauz und Co. frei. Nur Birgit Fürnkranz-Maglock ließ über sich abstimmen, mit 83 zu 30 Stimmen wurde sie letztlich als Vizepräsidentin abgesetzt. Die Niederösterreicherin hatte am 7. Dezember den außerordentlichen Verbandstag in Wien geleitet und abgebrochen. Manche legten ihr das zur Last, andere lobten sie dafür.

Neben Fürnkranz-Maglock und Kössler blieb von den bisherigen Vizepräsidenten noch Peter Putzgruber. Der Steirer hatte zunächst den Wels-Verbandstag geleitet und verabschiedete sich danach nach 25-jähriger Tätigkeit für den OSV aus diesem. "Für mich ist es wichtig, dass jetzt ein neuer Weg für den österreichischen Schwimmsport bestritten wird", sagte er. "Ich werde ganz genau hinschauen, dass das Versprochene vom neuen Vorstand auch eingehalten wird."

Vor allem abseits dieser Thematiken ging es bei der mehr als sechsstündigen Sitzung ziemlich heftig zu. Es ging u.a. um den Vorwurf der Stimmenthaltung für Salzburger Vereine und Austria Wien und die damit einhergehende Forderung, Wettkampfprotokolle einzusehen. Über die vom OSV in Auftrag gegebene Wirtschaftsprüfung der Kanzlei TPA Horvath berichtete Finanzreferent Thomas Unger u.a., dass für 2012 vom OSV keine Bilanzierung durchgeführt worden war.

Außerdem seien Dienstverträge des Ex-Generalsekretärs Thomas Gangel und des Ex-Finanzreferenten Walter Benesch nicht vorhanden. Der wurde in Folge eines später behandelten Antrags auf Lebenszeit von allen OSV-Funktionen ausgeschlossen. Auch Rechnungsfälschungen, Doppelbelege und die Doppelverrechnung von Förderungen sowie die einvernehmliche Trennung von Gangel, sein hohes Gehalt und seine Abfertigung von rund 61.000 Euro waren Thema.

Die trotz Aufforderung nicht am Podium, sondern demonstrativ im Plenum gesessene Fürnkranz-Maglock bezeichnete den Antrag auf ihre Enthebung als "Rache von Herbert Schurm. Ich habe über Malversationen Einsicht bekommen. Mein größter Fehler war, dass ich in das Wespennest OSV gestochen habe. Es gibt Zahlungen ohne Vorstandsbeschluss. Heute kann sich keiner mehr erinnern. Ich bin bereit, mein Wissen der Staatsanwaltschaft zu vermitteln."

Miklauz - er hatte bei Vorsitz-Übernahme bezeichnend zwischen den Juristen Pajek und Ingo Kapsch Platz genommen - kündigte die Altlasten-Bekämpfung an. "Es ist wichtig, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Der Schwimmsport sollte aber in die Zukunft blicken." Schon bald wird ihn aber auch anderes beschäftigen. Denn Krankl brachte für 20 Vereine wegen Missständen einen Antrag auf außerordentlichen Verbandstag ein. Dieser muss spätestens im Juni abgehalten werden.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 28.02.2021 um 05:46 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportwelt/miklauz-zum-neuen-osv-praesidenten-gewaehlt-45026278

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