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Missbrauchsvorwürfe: Prävention nicht ohne Nachwuchssportler

Das Thema Missbrauch ist auch im deutschen Sport ein großes Thema. APA/AFP
Das Thema Missbrauch ist auch im deutschen Sport ein großes Thema.

Um Missbrauch und sexualisierte Gewalt im Sport zu vermeiden, sollten Kinder und Jugendliche in Präventionsmaßnahmen eingebunden werden. Das empfiehlt die Deutsche Sporthochschule (DSHS) Köln, die sich im Rahmen des Forschungsprojekts "Safe Sport" diesem Thema gewidmet hat. Vor kurzem wurden die Ergebnisse einer breit angelegten Studie und die sich daraus ergebenden Empfehlungen präsentiert.

Bei der Befragung von 1.800 deutschen Kaderathleten aus 128 verschiedenen Sportarten zeigte sich, dass 37 Prozent sexualisierte Gewalt erlebt hatten. Die Mehrheit der Athleten war bei den ersten Gewalterfahrungen noch minderjährig. Zehn Prozent waren noch keine 14 und damit unmündig. Frauen und Mädchen waren signifikant häufiger betroffen als Männer und Buben, homo- oder bisexuelle Sportler öfters als heterosexuelle.

"Vereinskultur des Hinsehens und der Beteiligung"

Statistisch gesehen fanden die meisten Übergriffe in Sportvereinen, gefolgt von Olympiastützpunkten, Verbänden und Sportinternaten statt. Begangen wurden sie in der Regel von erwachsenen männlichen Einzeltätern. Dabei erhöht eine "Vereinskultur des Hinsehens und der Beteiligung" den Schutz vor sexualisierter Gewalt, betonen die Studienautoren. In Vereinen, wo es eine Ansprechperson gab, die Nachwuchssportlern bei Bedarf zur Verfügung stand, und wo ein Regelwerk für den Umgang mit Verdachtsfällen verankert war, kam es seltener zu ausgeprägter Gewalt.

So soll Missbrauchs-Prävention verbessert werden

Für Bettina Rulofs, stellvertretende Institutsleiterin an der DSHS Köln, steht fest, das Präventions- und Interventionsmaßnahmen an der Basis - sprich bei den Vereinen - ausgebaut werden müssen. Sie empfiehlt dabei, verstärkt nach Möglichkeiten zu suchen, die Perspektive der Kinder und Jugendlichen und deren Erfahrungen und Umsetzungsideen in die Präventionsarbeit zu integrieren. "Dabei könnten auch Ansätze der sogenannten 'peer-to-peer-education' hilfreich sein, um die Präventionsarbeit an den Lebenswelten und Kommunikationsgewohnheiten der jungen Menschen zu orientieren", schreibt Rulofs im "Safe-Sport"-Ergebnisbericht, der im Internet abrufbar ist. Eine solche Beteiligung der Zielgruppe dürfe aber nicht die klare Verantwortungsübernahme durch erwachsene Bezugspersonen ausschließen.

Die Expertin verlangt außerdem, dass die Prävention sexualisierter Gewalt nicht länger als "Frauenthema" betrachtet wird, wie es mitunter bei Sportvereinen nach wie vor der Fall ist: "Für die weitere Umsetzung des Themas wäre es hilfreich, wenn die Prävention sexualisierter Gewalt aus dem Abseits des 'Frauenthemas' geholt werden würde und auf die Standard-Agenda eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Kindern und Jugendlichen im Sportverein käme."

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 06.03.2021 um 01:09 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportwelt/missbrauchsvorwuerfe-praevention-nicht-ohne-nachwuchssportler-57534709

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