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Olympia: Publikum pfeift - Lavillenie vergleicht Rio mit Nazi-Spielen 1936

Stabhochspringer Renaud Lavillenie glaubte, bei den Buhrufen im falschen Film zu sein. AP Photo/Matt Dunham
Stabhochspringer Renaud Lavillenie glaubte, bei den Buhrufen im falschen Film zu sein.

Der 22-jährige Olympiadebütant Thiago Braz da Silva hat dem französischen Weltrekordler Renaud Lavillenie am Montag sensationell die Goldmedaille im Stabhochsprung weggeschnappt und Brasilien bei den Sommerspielen in Rio das erste Leichtathletik-Gold beschert. Nach neuerlichen Buhrufen aus dem brasilianischen Publikum weinte Stabhochsprung-Star Lavillenie bei der Siegerehrung.

Heuer bei der Hallen-WM in Portland erfolgreich, erlitt der 29-jährige Lavillenie bei der Freiluft-EM in Amsterdam eine empfindliche Niederlage. Als er bei 5,75 m in den Bewerb einstieg, waren alle Konkurrenten längst fertig. Lavillenie riss jedoch dreimal und kam nicht in die Wertung.

Thiago Braz da Silva ist Brasiliens neuer Leichtathletik-Held

Am Montag machte es Lavillenie bedeutend besser. Den ersten Versuch startet er wieder bei 5,75, auch die 5,85 und 5,93 klärte er auf Anhieb. Als Einziger hielt da sehr zur Freude der brasilianischen Fans ihr Lokalmatador Da Silva mit. Lavillenie legte mit 5,98 vor, riss dann zweimal, ehe Da Silva mit einem Mega-Kraftakt den neuen olympischen Rekord von 6,03 im zweiten Versuch klärte. Brasiliens neuer Leichtathletik-Held Braz da Silva konnte den für ihn selbst überraschenden Titelgewinn im Stabhochsprung kaum fassen. "Es ist ein riesengroßer Traum, ich bin sehr glücklich. Wir haben sehr hart für diesen Moment gearbeitet - nicht für Gold, aber dafür, eine Medaille zu gewinnen", erklärte der 22-Jährige. "Es ist unglaublich. Es ist mein erstes Mal über sechs Meter."

Unfaires Publikum mit neuerlichen Buhrufen

Lavillenie ließ die Latte auf 6,08 legen, das Publikum buhte und bekam vom Athleten den Daumen nach unten präsentiert. "Wir sehen so etwas im Fußball. Es ist das erste Mal, dass ich es in der Leichtathletik erlebt habe", sagte der Mann aus der Charente: "Das ist der größte Moment deines Lebens, ich kann darüber nicht glücklich sein." Bronze ging an den US-Amerikaner Sam Kendricks (5,85). Lavillenie hat am Dienstag bei der Olympia-Siegerehrung in Rio de Janeiro mit Tränen auf erneute Buhrufe der brasilianischen Zuschauer reagiert. Seine Silbermedaille nahm der Franzose dann mit versteinerter Miene in Empfang. Wie schon am Abend zuvor gab es von den Rängen Unmutsbekundungen für den Olympiasieger von 2012. Als dann die brasilianische Nationalhymne für den Sieger Thiago Braz da Silva erklang, liefen Lavillenie die Tränen übers Gesicht. Dennoch applaudierte er seinem Rivalen.

Vergleich mit den Nazi-Spielen von 1936 in Berlin

Am Ende zeigte Lavillenie den Zuschauern den erhobenen Daumen, was wohl ironisch gemeint war. Der Hallen-Weltrekordler hatte nach dem Wettkampf scharfe Kritik am Publikum, das den Favoriten ausgepfiffen hatte, geübt. "Für die Olympischen Spiele ist das kein gutes Image. Ich habe den Brasilianern nichts getan", hatte Lavillenie nach dem Wettkampf betont. Er ließ sich sogar zu einem Vergleich mit Jesse Owens und den Nazi-Spielen von 1936 in Berlin hinreißen. Dafür entschuldigte er sich am Dienstag via Facebook.

(APA/SALZBURG24)

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