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Pechstein landete gerichtlichen Teilerfolg

Pechsteins Schiedsvereinbarungen unwirksam Salzburg24
Pechsteins Schiedsvereinbarungen unwirksam

Claudia Pechstein könnte ein "Beben" für die Sportgerichtsbarkeit ausgelöst haben. Das Landgericht München wies zwar die Klage der Berliner Eisschnelllauf-Olympiasiegerin gegen den Eislauf-Weltverband (ISU) und die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) ab, stellte mit seinem Urteil aber das gesamte System der Sportgerichtsbarkeit in Deutschland infrage.

Die 37. Kammer des Zivilgerichts erklärte am Mittwoch die geschlossenen Schiedsvereinbarungen Pechsteins mit den Verbänden für unwirksam. Die Vereinbarungen waren seitens der Klägerin nicht freiwillig getroffen, teilte das Gericht mit. Zum Zeitpunkt des Abschlusses der Schiedsvereinbarungen habe ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen der Klägerin und den Beklagten bestanden.

"Die Klägerin hatte bei der Unterzeichnung der Schiedsvereinbarungen keine Wahl", hieß es in dem Urteil. Ohne die Unterzeichnung wäre Pechstein nicht zu Wettkämpfen zugelassen worden und dadurch in ihrer Berufsausübung behindert gewesen. Jeder Sportler verpflichtet sich per Unterschrift unter die Athletenvereinbarung, bei Rechtsstreitigkeiten nicht vor ein ordentliches Gericht, sondern nur vor ein Sportgericht zu ziehen.

"Dieses Urteil ist ein Sieg für alle Sportler in Deutschland, weil nun der Schiedszwang abgeschafft werden muss", sagte Pechstein-Anwalt Thomas Summerer nach der Urteilsverkündung. "Das heißt, Athleten können künftig nicht länger gezwungen werden, sich der Sportgerichtsbarkeit zu unterwerfen. Das ist eine Revolution für die gesamte Sportwelt."

Künftig könne jeder Athlet in Deutschland entscheiden, ob er den Weg der Sportgerichtsbarkeit oder über ein ordentliches Gericht wähle. Pechstein selbst wollte sich nicht äußern. Sie hatte eine Entschädigung von rund 4 Millionen Euro gefordert. Sie war zwischen 2009 bis 2011 wegen auffälliger Blutwerte vom Weltverband gesperrt worden. Die 42-Jährige bestreitet Doping und macht eine vererbte Anomalie für ihre Blutwerte verantwortlich.

Dass das Gericht ihrer Schadenersatzklage nicht folgte und das Urteil des Sportgerichtshofes (CAS) als rechtmäßig ansah, konnte Summerer verkraften. "Für die Schadenersatzfrage gibt es eine zweite Instanz vor dem Oberlandesgericht. Wir gehen dort in Berufung. Aber jetzt ist klar, dass ein Zivilgericht für diesen Fall zuständig ist und das war besonders wichtig für uns", erklärte der Jurist.

Der unabhängige Hamburger Sport-Anwalt Jan Räker machte deutlich, dass mit dem Urteil Schiedsgerichts-Vereinbarungen nicht ungültig würden. "Sie verlieren aber ihre Wirkung in Bezug auf die Exklusivität der Sportgerichte. Das heißt, künftig kann der Sportler frei wählen, ob er sich der Sportgerichtsbarkeit unterwirft oder sich lieber an ein ordentliches Gericht wendet und dort seinen Fall überprüfen lässt", sagte Räker.

Ein kleines Beben in der Sportgerichtsbarkeit ist das Urteil für DESG-Anwalt Marius Breucker. Jedoch verwies der Stuttgarter darauf, dass nicht geklärt sei, ob die Entscheidung auf deutschem oder Schweizer Recht basiere. Der Sportgerichtshof und viele Fachverbände haben ihren Sitz in der Schweiz. "Wenn das Gericht auch die Schweizer Rechtsordnung einbezogen hat, wären die Auswirkungen der Entscheidung noch viel größer", sagte Breucker.

ISU-Anwalt Dirk-Reiner Martens stellte fest: "Der Sportgerichtshof CAS wurde massiv angegriffen. Er muss nun prüfen, ob daraus Konsequenzen zu ziehen sind", sagte der bekannte CAS-Richter vor dem Gerichtssaal. Letztlich gebe es keine Alternative zur Sportgerichtsbarkeit. "Da muss man muss sich Gedanken drüber machen, ob man diesen Ausspruch des Gerichtes zum Anlass nimmt, es anders zu machen", räumte Martens ein.

Andererseits drohe dann ein Wirrwarr, warnte er. Ein rechtliches Durcheinander sei auch für die betroffenen Athleten schlichtweg nicht hinnehmbar. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper sah die Sachlage hingegen klar: "Zur internationalen Schiedsgerichtsbarkeit in Dopingfragen besteht keine Alternative", sagte der Funktionär.

(Quelle: S24)

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