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Scharrer DIREKT: "Bravo Ilse"

Christian Fuchs (Mitte) führt das Nationalteam an. Markus Scharrer hätte gerne Andi Ulmer, von Red Bull Salzburg, an seiner Stelle gesehen. HERBERT NEUBAUER / APA
Christian Fuchs (Mitte) führt das Nationalteam an. Markus Scharrer hätte gerne Andi Ulmer, von Red Bull Salzburg, an seiner Stelle gesehen.

S24-Experte Markus Scharrer ist immer noch begeistert vom Bundesliga-Kracher zwischen Red Bull Salzburg und Rapid. Weniger positiv sieht er die Entwicklungen in Graz. Optimistisch ist er für das Länderspiel gegen Uruguay.

Was für ein Spitzenspiel in der Bundesliga am Sonntag in Wals. Ich denke, dass jeder der knapp 18.000 Zuschauer genauso begeistert war wie ich. Auch die Rapid-Fans durften mit der Einstellung und Moral ihrer Jungs zufrieden sein. Nach dem 0:2 in der ersten Hälfte habe ich geglaubt, dass diese Partie gelaufen ist, aber mit Boyds Anschlusstreffer in der letzten Aktion vor der Pause bekam Rapid noch die zweite Luft. Nach dem sehenswerten Ausgleich durch Petsos hat es nur eine Minute gedauert und Red Bull schlug zurück. Aber Rapid war nicht lange schockiert und erzielte durch Trimmel das 3:3. Was mich allerdings dann beeindruckte war, wie Red Bull noch mal den Schalter umlegte und aufs Tempo drückte. Manche haben sicher gedacht, dass die Mannschaft von Roger Schmidt jetzt einen körperlichen Einbruch erleben wird, nach den Strapazen der letzten Wochen und ihrer extremen Laufarbeit, die sie jedes Mal für ihr Spiel aufwenden müssen. Aber wir wurden eines Besseren belehrt. In den letzten sechs Minuten noch drei Tore nachzulegen war wirklich mörderisch. Das zeigt, dass die Truppe körperlich in einer Top-Verfassung ist. Einzige Wermutstropfen an diesem unglaublichen Nachmittag waren die Verletzungen von Peter Gulacsi und Christopher Dibon. Ansonsten war es ein perfekter Fußball-Nachmittag für uns neutrale Zuschauer. Oder wie Zoki Barisic im Interview sagte: „Das war Werbung für unseren Fußball!"

Die Bundesliga lebt

Ja, unser Fußball lebt und auch die Bundesliga ist nicht so schlecht, wie sie leider oft gemacht wird. Salzburg marschiert durch Europa, Rapid und Austria haben sich auch sehr gut verkauft. Die Zuschauerzahlen im Ernst Happel Stadion waren bei beiden Vereinen auch sehr erfreulich. In Österreich ist im Moment zwar Red Bull über alle anderen zu stellen, aber auch bei den restlichen Vereinen wird sehr gut gearbeitet. Mir gefällt, dass die Mannschaften im Durchschnitt immer jünger werden und der Österreicher-Anteil steigt. Admira spielte in der Südstadt gegen Red Bull Salzburg und gewann dieses Spiel mit sechs eigenen Akademie-Spielern, vier Österreichern und nur einem Ausländer.

Positiv hervorheben möchte ich noch die Arbeit bei Grödig, Admira, Rapid und auch Wr. Neustadt. Sie alle spielen ein modernes System - wie es Red Bull vorlebt - und steigern sich von Spiel zu Spiel. Diese Entwicklung ist großartig und ich hoffe, dass es kein kurzes Strohfeuer ist und die Trainer weiterhin dran bleiben. Es gibt ja auch Vereine in der Bundesliga wo man diese Entwicklung nicht so erkennen kann.

Turbulenzen bei Sturm Graz

Was ist los bei Sturm Graz? Die Turbulenzen werden immer heftiger. Der im Sommer mit vielen Vorschusslorbeeren geholte neue Trainer Darko Milanic, konnte bis heute nicht das Ruder herumreißen und Sturm Graz auf Kurs bringen. Ohne die Arbeit des Trainers kritisieren zu wollen, glaube ich, dass System und Spielanlage nicht mehr zeitgemäß sind. Viele Trainer sind der Meinung, dass man sein System nach der Qualität der Spieler richten muss, aber ich denke anders darüber. Man muss sich etwas zutrauen und selber die Initiative ergreifen. Salzburg hat es gegen Ajax in zwei Spielen vorgezeigt. Roger Schmidt hat sein Ding durchgezogen. Egal ob gegen Ajax oder Wr. Neustadt, die Bullen richten sich nicht nach dem Gegner. Sich dem Gegner anzupassen ist nicht mehr zeitgemäß. Seinen eigenen Stärken zu vertrauen und darauf zu bauen, sollte der Ansatzpunkt sein. Ein Adi Hütter hat es mit Grödig ebenso vorgezeigt, wie es gehen kann, wenn man sich seinen eigenen Stärken besinnt und es mit harter Arbeit im täglichen Training umsetzt. Irgendwie hat man in Graz diesen Wandel verschlafen, sowie meiner Meinung nach auch in Innsbruck. Es kommt nicht von ungefähr, dass beide Klubs weit hinten in der Tabelle sind.

Wr. Neustadt hat seine Spielanlage erst im Winter umgestellt und sich aktuell aus dem Abstiegskampf verabschiedet und sogar Sturm Graz in der Tabelle überholt. Respekt für den Mut von Trainer Heimo Pfeifenberger, seine Taktik im Abstiegskampf so radikal umzustellen und sich für eine offensivere Spielanlage zu entscheiden. Er zeigt, dass man auch mit seinem vorhandenen Kader das System ändern kann. Man muss es als Trainer nur vorleben und überzeugt sein von sich und von seinen Spielern.

ÖFB-Teamkader gegen Uruguay

Zuerst möchte ich Stefan Ilsanker zu seiner Nachnominierung gratulieren. Ich hätte ihn eigentlich sofort auf der Rechnung gehabt, genauso wie den leider verletzten Andi Ulmer. Beide hätten es sich absolut durch ihre Leistungen im Verein verdient gehabt. Weiteres bin ich sowieso der Meinung, dass Spieler die aktuell in bestechender Form sind, auch für das Team interessant sein sollten. Ein Christian Fuchs läuft seiner Form im Team, sowie bei Schalke hinterher, ist aber im Team gesetzt. Andi Ulmer bringt Woche für Woche tolle Leistungen, sowohl national als auch international und ist nur auf Abruf. Auch Marc Jankos' Situation bei seinem Verein sollte man einmal überdenken. Es ist unglaublich wie wenig Spielpraxis er in der Türkei bekommt. Denke auch ein Kevin Wimmer hätte sich eine Einberufung zu diesem freundschaftlichen Länderspiel verdient gehabt. Stammspieler beim 1. FC Köln zu sein spricht ebenfalls für seine Entwicklung. Das Team ist jetzt in der Breite besser aufgestellt und darum sollten freundschaftliche Länderspiele auch dafür da sein, Spieler die seit Wochen in Topform sind, zu berücksichtigen. Uruguay ist ein starker Gegner, der bei der WM dabei ist. Die Spieler werden diesen Test sicher ernst nehmen, weil sie sich ja alle für die WM in Brasilien empfehlen wollen. Mein Tipp für heute ist ein Remis - 1:1.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 03.03.2021 um 09:41 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportwelt/scharrer-direkt-bravo-ilse-44911030

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