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Wettbetrugs-Affäre weitet sich aus

In der mutmaßlichen Spielmanipulations- und Wettbetrugs-Affäre im heimischen Fußball haben die Sicherheitsbehörden am Donnerstag 20 aktive oder ehemalige Spieler zeitgleich als Beschuldigte einvernommen. Nach aktuellem Wissensstand sollen seit 2004 an die 17 bis 19 Spiele manipuliert worden sein. Sechs Personen wurden innerhalb der letzten Wochen festgenommen, fünf befinden sich derzeit in U-Haft.

Außerdem wurden am Donnerstag Hausdurchsuchungen in Wien, Niederösterreich, Kärnten und Salzburg durchgeführt, gaben die Ermittler sowie der Salzburger Staatsanwalt Marcus Neher bekannt. Die einvernommenen Beschuldigten spielten in dem langen Tatzeitraum in der Bundesliga, der Ersten Liga, in der Regional- oder Landesliga. Es wurden insgesamt rund 30 aktive oder ehemalige Kicker der Spielmanipulation verdächtigt.

Dass es am Donnerstag zu dieser akkordierten Polizeiaktion gekommen ist, hat einen direkten Zusammenhang mit der Festnahme und Inhaftierung von zwei Albanern aus Tirana in der Vorwoche in Klagenfurt und von einem Teammanager eines Regionalliga-Vereins ebenfalls in der Vorwoche in Wien. Der Teammanager, selbst ein Ex-Fußball-Profi, wird von der Polizei als "Mittelsmann" betrachtet. Sein Leidensdruck dürfte so groß geworden sein, dass er ein umfassendes Geständnis zu den Wett-Betrügereien abgeben habe.

Am Mittwoch wurde dann der ehemalige Grödig-Spieler Dominique Taboga (31) beim Spazierengehen in Kärnten festgenommen. Am Donnerstag wurde über ihn Untersuchungshaft verhängt, als Haftgrund wurde Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr angegeben. Gegen Taboga wird wegen Betrugs in Zusammenhang von Spielmanipulation und Wettbetrug ermittelt, weiters wegen Veruntreuung, erklärte der Staatsanwalt. Der 31-Jährige soll 5.000 Euro aus der Mannschaftskasse des SV Grödig genommen und in die eigene Tasche gesteckt haben.

Unter den 20 verhörten Beschuldigten sollen sich auch drei aktive Grödig-Spieler befinden. Taboga hatte vor zwei Wochen gegenüber Vereinsmanager Christian Haas eingestanden, dass er im vergangenen Winter vier Mitspieler zur Spielmanipulation anstiften wollte, es aber zu keiner Manipulation gekommen sei. Der SV Grödig hatte sich daraufhin am 14. November einvernehmlich von Taboga getrennt.

Taboga hatte der Polizei am 11. November geschildert, dass er wegen des entgangenen Wettgewinns unter Androhung von Gewalt gegen sich und seine Familie erpresst worden sei. Er habe schließlich "etwas unter 30.000 Euro" an seine Erpresser bezahlt, erklärte er und belastete Ex-Teamspieler Sanel Kuljic (36) sowie den tschetschenischen Konventionsflüchtling Sulim D. (32). Die beiden wurden am 15. November in U-Haft genommen.

Kuljic wies jede Schuld von sich. Taboga habe bei ihm private Schulden, rechtfertigte sich der Ex-Teamspieler. Er und sein "Komplize" Sulim D. müssen wegen Verdunkelungsgefahr weiterhin in U-Haft bleiben, so das Ergebnis der Haftprüfungsverhandlung vom Donnerstag. Kuljic wird wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs und wegen schwerer Erpressung beschuldigt.

Zur Zeit würden aber keine Hinweise darauf bestehen, dass die Vereine selbst von den Manipulationen Bescheid gewusst hätten, sagte der Staatsanwalt. Es seien Wetten beeinflusst worden, sogenannte "Ereignis- oder Nebenwetten". Die Ermittler machten über den lukrierten Wettgewinn keine Angaben. Der Betrag soll in die Millionen gehen.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 26.05.2019 um 05:11 auf https://www.salzburg24.at/sport/sportwelt/wettbetrugs-affaere-weitet-sich-aus-44340319

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