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Bester Skisprung-Trainer

Pointner: "Immer Gas geben funktioniert nicht"

Alexander Pointner, der erfolgreichste Skisprung-Trainer aller Zeiten, gewährt im SALZBURG24-Gespräch tiefe Einblicke in seine Zeit nach der aktiven Profi-Sport-Karriere. Der Erfolgscoach schlug als Redner und Buchautor eine neue Richtung ein und spricht mit uns über Druck, Entschleunigung, seiner Leidenschaft und den Tod seiner Tochter Nina.

Am Rande eines Grill-Events in Hallwang (Flachgau) gibt sich der erfolgreichste Trainer der Skisprung-Geschichte sehr privat, kommunikativ und geerdet. Während er in dem Buch "Mut zum Absprung", dass er mit seiner Frau Angela verfasste, blättert, plaudert der Tiroler offen über seine prägendsten Lebensereignisse.

Alexander Pointner im SALZBURG24-Interview

SALZBURG24: Alex, in zehn Jahren als Chefcoach hast du im Profi-Sport schon viel erlebt. Was genau bekommen deine Zuseher bei den österreichweiten Vorträgen zu hören?

ALEXANDER POINTNER: Es geht darum mutig zu sein und neue Wege zu gehen. Ich erzähle den Leuten, dass sie Herausforderungen annehmen sollen. Egal ob im Sport, in der Berufswelt oder im privaten Leben ist es wichtig, nicht starr, sondern anpassungsfähig zu sein. Mit solchen Dingen habe ich mich in meiner zehnjährigen Trainertätigkeit sehr viel beschäftigt.

Gibt es Fähigkeiten, die du dir als Sport-Trainer angeeignet hast und den Leuten weitergeben willst?

Natürlich. In meinen Vorträgen geht dabei um Leistungsfähigkeit, Teamentwicklung und Performance. Viele Menschen haben ein gutes Handwerk erlernt, es kommt aber darauf an, dieses in entscheidenden Situationen anwenden zu können. Ohne, dass der Körper einem dabei einen Strich durch die Rechnung macht. Dazu erzähle ich auch, was so hinter den Kulissen im Spitzensport abläuft.

Welche Themen beschäftigen dich derzeit am meisten?

Im Leben des digitalen Zeitalters sind Druck und Erwartungshaltungen enorm gestiegen. Die schnelle Kommunikation hat die Menschen verändert. Man muss im gleichen Zeitfenster mehr Aufgaben erledigen – teilweise sehne ich die Zeit vor 25 Jahren herbei. Mit den Smartphones ist man jederzeit erreichbar, auch, wenn man nicht abhebt oder zurückschreibt. Man weiß allerdings, dass man etwas zu erledigen hat. Der Druck löst im Menschen sehr viel aus. 

Wenn du dich für drei Zutaten für ein glückliches Leben entscheiden müsstest, welche würdest du wählen?

Dazu zählen für mich ein glückliches Privatleben, gute Regeneration und eine entspannte Freizeitgestaltung – kurz zusammengefasst einfach Entschleunigung. Wenn man gefragt wird, wie es einem geht, traut sich kaum jemand mehr 'gut oder entspannt' zu sagen. Da wird man gleich als faul abgestempelt. Nach dem Sport-Motto schneller, höher und weiter zu leben, birgt Gefahren mit sich.

Wie gehst du mit dem gesellschaftlichen Druck um?

In erster Linie ist es wichtig, auf sich selber zu schauen. Als unsere Tochter Nina 13 Monate lang im Wachkoma lag und dann verstarb, haben wir in unserer sehr schweren Zeit gemerkt, wie wichtig es ist, sich mit Menschen zu umgeben, die einem gut tun. Es gibt einfach zu viele Energiesauger, die es zu erkennen gilt. Immer Gas zu geben funktioniert nicht, man muss sich auch hinsetzen und zur Ruhe kommen.

Wie tankst du deinen Energiespeicher auf?

Eine Sache ist das Grillen, da kann ich aus dem Hamsterrad aussteigen. Man nimmt sich Zeit, es macht Spaß und man kommuniziert abseits des Telefons und Social Media mal wieder richtig miteinander. Das Beisammensein mit Freunden in einer guten Umgebung gibt mir enorm viel Kraft.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute Alex.

Auch ich bedanke mich. Bis bald und Servus.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 22.08.2019 um 10:33 auf https://www.salzburg24.at/sport/wintersport/alexander-pointner-immer-gas-geben-funktioniert-nicht-71716780

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