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Es ist Schluss!

Anna Veith beendet Karriere

Salzburgerin mit emotionalem Abschiedsgespräch

Die Salzburger Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin Anna Veith beendet ihre Ski-Karriere. Das gab die 30-Jährige heute Abend in einem emotionalen Interview mit Alexandra Meissnitzer bekannt. "Ich habe meinen Kindheitstraum gelebt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt aufzuhören", sagte sie überzeugt.

Knapp vier Wochen vor ihrem 31. Geburtstag gab die dreifache österreichische Sportlerin des Jahres diesen Schritt bekannt. "Es war ein Mix aus vielen kleineren Gründen, was der Hauptgrund ist, ist schwer einzuschätzen", so Anna Veith. Die Entscheidung sei ihr nicht so schwer gefallen. "Für mich fühlt es sich zu 100 Prozent richtig an", betonte die Salzburgerin. Ihre Zukunft ließ sie offen. Veith hatte im letzten Drittel ihrer Karriere mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Ihre letzte Saison war vorzeitig von der Corona-Krise beendet worden.

I‘m ready for the next chapter. My heart and head are telling me it‘s time to do something new. And so, I have decided...

Gepostet von Anna Veith am Samstag, 23. Mai 2020

"Stolz auf das, was ich erreicht habe"

Die Olympiasiegerin von 2014, dreifache Weltmeisterin und zweifache Gesamtweltcupsiegerin hat alles gewonnen, was im Skisport möglich ist. "Ich bin sehr stolz auf das, was ich erreicht habe", erklärte Veith. "Aber ich weiß auch, wie viele Mühen und Entbehrungen dazu gehört haben. Meine Leidenschaft für den Sport hat mich immer angetrieben, ich habe alles gegeben und die harte Arbeit wurde immer belohnt", betonte die Salzburgerin.

Dies sei aber nun anders. "Im letzten Winter habe ich alles darangesetzt, wieder zurückzukommen und Vertrauen zu finden, aber es ist mir einfach nicht mehr gelungen, dahin zu kommen wo ich hin wollte." Darum hat Veith die Bereitschaft gefunden, den Schlussstrich zu ziehen. "In meinem Leben war der Sport so viele Jahre die absolute Nummer eins. Ich durfte das machen, was ich unbedingt wollte und am meisten liebte. Das weiß ich sehr zu schätzen, aber für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt aufzuhören."

Olympia-Silber als emotionalster Moment

Der größte Erfolg aus Sicht der 30-Jährigen, ist der, der sie auch am meisten bewegt hat: "Der emotionalste Moment war zweifelsohne die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. Nach meiner ersten schweren Verletzung im Jahr 2015 wusste niemand, ob es wieder möglich sein wird so Ski zu fahren, wie ich es davor gemacht habe. Diese Medaille war der Beweis dafür und der Lohn für die harte Arbeit", erinnert sich die dreifache österreichische Sportlerin des Jahres.

"Ein weiterer Wahnsinns-Moment, an den ich mich mein Leben lang erinnern werde, war das Weltcup-Finale in Meribel, wo ich mich in letzter Sekunde im Gesamtweltcup gegen Tina Maze durchsetzen konnte. Nach wochenlangem Zweikampf auf höchstem Level ein sehr spezieller Sieg für mich. Ein Sieg im Gesamtweltcup ist etwas, wovon jeder Skifahrer seit seiner Jugend träumt. Es heißt, du bist die Beste. Es gibt niemanden in diesem Sport, der in dieser Saison besser war als du. Das ist ein besonderes Gefühl."

Ex-Skistar ohne Stress bei Familienplanung

Veith freut sich nun auf ihr Privatleben. Familienplanung wird dabei in Zukunft ebenso eine Rolle spielen, aber nicht sofort. "Manuel und ich wünschen uns eine eigene Familie, aber wir haben nicht so einen Stress und genießen die Zeit für uns", sagte sie im ORF-Interview mit Alexandra Meißnitzer.

Was sie nun macht, kann Veith noch nicht konkret beantworten. "Ich stelle mir jeden Tag die Frage, es gibt noch nichts Konkretes." Sie möchte ihre Werte weiterverfolgen, die Jugend unterstützen und "meine Erfahrungen weitergeben". Einen Trainerjob im klassischen Sinn könne sie sich aber nicht vorstellen. Sie möchte die Zeit auch nutzen, daheim Wurzeln zu schlagen, aber gerne in Zukunft "mit einzelnen Athleten über aktuelle Geschehnisse sprechen".

Anna Veith "weiß noch nicht, was jetzt kommt"

Veith freut sich auf ihr Privatleben und das, was kommt: "Ich fühle mich befreit, es ist schon eine gewisse Last von den Schultern gefallen", sagte sie nach der Bekanntgabe. "Mein Leben lang durfte ich Skirennlauf als meinen Beruf bezeichnen. Nie habe ich etwas anderes gemacht. Nie habe ich etwas anderes so sehr geliebt. Der Geruch von frischem Schnee. Die frühen Morgenstunden am Gletscher. Das Team. Das alles wird mir schon fehlen. Was jetzt kommt, weiß ich noch nicht, aber ich freue mich drauf."

(Quelle: APA)

Anna Veiths Karriere im Rückblick

Anna Veith ASSOCIATED PRESS
Die Salzburgerin Anna Veith verpasst im Riesentorlauf in Courchevel (Frankreich) die Qualifikation für den zweiten Durchgang.

Acht Monate nach Marcel Hirscher ist Österreichs Skisport mit Anna Veith auch der weibliche Superstar abhanden gekommen. Während Hirscher bis zu seinem Rücktritt Siege einfuhr, war das letzte Karrieredrittel der Salzburgerin eine Achterbahnfahrt. Veith verlässt die Sport-Bühne knapp vor ihrem 31. Geburtstag dennoch als Olympiasiegerin, dreifache Weltmeisterin und zweifache Weltcup-Gesamtsiegerin.

Es war im September 2015, als Veith in Wien einen neuen Sponsor (Milka) präsentierte, der die gerade auf dem Höhepunkt befindliche Karriere der Salzburgerin zusätzlich aufladen sollte. Die Olympiasiegerin war sieben Monate zuvor in den USA Doppelweltmeisterin geworden und hatte danach zum zweiten Mal in Folge den Gesamtweltcup gewonnen.

Jahrelanger Kampf mit dem ÖSV

Selbst den jahrelangen Kampf mit dem heimischen Skiverband um mehr Eigenständigkeit hatte Veith erfolgreich bestanden. Mit nun persönlichen Coaches sowie eigener Medienbetreuerin war für sie alles angerichtet, um wie Landsmann und Jahrgangskollege Marcel Hirscher ihren Sport in den kommenden Jahren zu dominieren. Angesichts aktueller Rücktritte großer Teamkolleginnen wie Marlies Schild (Raich), Nicole Hosp, Andrea Fischbacher oder Kathrin Zettel sollte Veith die Erfolgsgarantie im ÖSV-Damenteam sein. Die Ski-Zukunft der Österreicherin schien bis auf leichte Knieschmerzen blendend zu sein.

Um an diesen Punkt zu kommen, hatte die am 18. Juni 1989 und damit drei Monate nach Hirscher ebenfalls in Hallein als Anna Fenninger geborene Tennengauerin einiges einstecken müssen. Als vierfache Junioren-Weltmeisterin und zweifache Europacup-Gesamtsiegerin zerbrach das Super-Talent aus Adnet nach dem Aufstieg 2006 in den Weltcup beinahe daran, "die neue Pröll" sein zu müssen. Als 2010 auch die ersten Olympischen Spiele (Vancouver) in die Hose gingen, drückte Veith den Reset-Knopf.

"Gemerkt, dass ich schleunigst etwas ändern muss"

"Ich habe gemerkt, dass ich schleunigst etwas ändern muss", erklärte sie später. Und läutete - bereits unterstützt von ihrem Freund, dem ÖSV-Snowboarder Manuel Veith - prompt ein wahres Erfolgs-Quinquennium ein. Mit 21 Jahren wurde sie 2011 in Garmisch quasi aus dem Nichts Kombi-Weltmeisterin, der erste Weltcupsieg folgte im Dezember in Lienz. Bis 2015 holte Veith 14 ihrer 15 Weltcupsiege, bei drei Weltmeisterschaften sechs Medaillen (fünf Einzel), davon drei in Gold.

2014 wurde sie in Sotschi als vierte Salzburgerin nach Annemarie Moser-Pröll (1980), Petra Kronberger (1992) und Andrea Fischbacher (2010) Olympiasiegerin (Super-G). Die zweimalige Weltcup-Gesamtsiegerin wurde von 2013 bis 2015 drei Mal in Folge zu Österreichs Sportlerin des Jahres gewählt. Dank sensationeller fünf Jahre hatte Veith mit 25 Jahren praktisch alles erreicht, was man im Skisport erreichen kann.

Großer Wendepunkt für Anna Veith im Jahr 2015

2015 entpuppte sich für die Hotelkauffrau und Absolventin der Ski-Hotelfachschule Bad Hofgastein (wo sie auch Klassenkollegin Hirschers gewesen war) aber auch als großer Wendepunkt. Zunächst ging der lange schwelende Konflikt mit dem Skiverband wegen Veiths Versuch, sich selbst zu vermarkten, in einen Vollbrand über. Nationenwechsel, Gründung eines eigenen Teams, ja sogar ein Rücktritt standen im Raum.

Dabei kämpfte Veith vorrangig um die gleichen Rechte wie die der Ski-Herren und wegen ihrer bereits andauernden Knieschmerzen auch um ein professionelles Team rund um sich. Dafür legte sich die kämpferische Athletin, die sich auch für Geparden in Afrika und den Artenschutz engagiert, selbst mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel öffentlich an. "Für manche Dinge muss man eben kämpfen. Ich gehe weiter meinen Weg und treffe die meisten Entscheidungen selbst", betonte Veith damals.

Der zermürbende Zwist brachte - nach der Trennung vom (deutschen) Management - Zugeständnisse seitens des ÖSV. Aber letztlich auch einen Pyrrhus-Sieg. Denn kaum dass sich die Wogen geglättet hatten, schlug doch noch ein Blitz ein. Im Oktober 2015 verletzte sich die Salzburgerin drei Tage vor Saisonbeginn beim Training in Sölden so schwer am rechten Knie, dass sie 14 Monate pausieren musste.

Viele Knie-Operationen nötig

Die multiplen Bänder- und Sehnenrisse im Knie warfen die am Höhepunkt ihres Schaffens gewesene Läuferin letztlich karriereentscheidend zurück. Denn in den letzten fünf Saisonen mussten die Knie der mittlerweile verheirateten Anna Veith zwei weitere Male unters Messer. Im Weltcup ging sich - nach 1001 Tagen Pause - im Dezember 2017 in Val d'Isere zwar ein weiterer Sieg aus. Eine erneute Olympia-Sternstunde blieb der lebenslangen Head-Fahrerin aber verwehrt, weil die tschechische Außenseiterin Ester Ledecka 2018 in Südkorea um eine Hundertstelsekunde schneller war.

26 Minuten und 36 Sekunden lang hatte sich Österreichs leidgeplagte Fahnenträgerin in Jeongseon als neuerliche Olympionikin im Super-G wähnen dürfen. "Mein Leben überschlägt sich immer wieder", sagte Veith damals unter Tränen. Ein Jahr später riss im rechten Knie erneut das Kreuzband.

Salzburgerin erklärt Rücktritt

Trotz ihrer Bereitschaft, für die Saison 2019/20 ein drittes Comeback innerhalb von nur vier Jahren anzugehen, konnte Veith letztlich das Feuer nicht mehr am Brennen halten. In einer durchwachsenen Saison kehrte die Gewinnerin von elf Weltcup-Riesentorläufen zwar noch einmal sogar auf die Abfahrt zurück, verzichtete wegen einer Kniereizung aber auf die März-Rennen in Aare. Das vorzeitige Saisonende wegen Corona erlebte sie zu Hause.

Am 23. Mai 2020 und damit wenige Wochen vor ihrem 31. Geburtstag erklärte Veith in Schladming/Rohrmoos, wo sie mit ihrem Ehemann lebt und ein Hotel betreibt, ihren Rücktritt.

Aufgerufen am 28.05.2020 um 02:01 auf https://www.salzburg24.at/sport/wintersport/anna-veith-beendet-ihre-ski-karriere-87818182

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