Jetzt Live
Startseite Wintersport
Generationenwechsel im ÖSV?

Pum-Abschied läutet Wandel ein

Hans Pum, Peter Schröcksnadel, ÖSV APA/BARBARA GINDL/Archiv
Hans Pum (li.) räumt seinen Platz, Peter Schröcksnadel denkt noch nicht an den Ruhestand.

Der schon seit längerem angekündigte Strukturwandel im Österreichischen Skiverband (ÖSV) ist nun offiziell auf Schiene. Mit der überraschenden Ankündigung seines vorzeitigen Ausscheidens im Sommer machte Sportdirektor Hans Pum (64) offensichtlich, dass in Österreichs erfolgreichstem Sportverband neue Zeiten anbrechen. Verbunden sind diese vor allem auch mit personellen Änderungen.

Betroffen ist speziell der Kreis der langjährigen Führungsmitarbeiter rund um Langzeit-Präsident Peter Schröcksnadel. So auch etwa die ebenfalls über 70-jährigen Klaus Leistner (Generalsekretär) und Josef Schmid (Medienchef). Schröcksnadel macht seit langem kein Hehl daraus, dass er seinen eigenen Abschied vorbereitet. Der 77-jährige Tiroler ist bis 2020 gewählt.

Peter Schröcksnadel oesv.at/Screenshot
In einem sechsminütigen Video nimmt Peter Schröcksnadel Stellung.

Schröcksnadel äußert sich in ÖSV-Video

"Wir werden schauen, welche Nachfolger es für mich gibt. Wir planen diese Umstrukturierung im Verband ja schon länger", sagte Schröcksnadel in einem nach dem Pum-Outing eilig gedrehten Video vor der beeindruckenden Wand mit den Pokalen für den Alpinski-Nationencup, den der ÖSV gerade zum 30. Mal in Folge gewonnen hat. HIER findet ihr das Video.

Ob der seit 1990 amtierende Schröcksnadel tatsächlich schon kommendes Jahr zurücktritt oder sich zumindest beratend ins zweite Glied zurückzieht, wird wohl auch vom Ausgang der - erneuten - WM-Bewerbung mit Saalbach-Hinterglemm abhängen. Die Alpinski-Weltmeisterschaft 2025 wird im Mai 2020 beim 52. FIS-Kongress in Pattaya in Thailand vergeben. Die Länderkonferenz des ÖSV geht traditionell im Juni über die Bühne

Pum-Rückzug für Schröcksnadel "überraschend"

Unabhängig davon überraschte die Rückzugsankündigung von Pum, mit der der Oberösterreicher bei der Präsidentenkonferenz in Innsbruck offenbar die komplette ÖSV-Spitze auf dem falschen Fuß erwischte. Pum wird am 4. Juli 65 Jahre alt und ist damit deutlich jünger als Schröcksnadel und Co. "Es kommt für mich überraschend, dass er seinen Job früher als geplant zurücklegt", bedauerte Schröcksnadel. Eigentlich sei geplant gewesen, dies gemeinsam zu einem späteren Zeitpunkt zu tun.

Die Gründe, warum er zum regulären Pensionsalter abtritt, wollte Pum nicht im Detail erläutern. "Im Zuge der Umstrukturierungen habe ich meinen Entschluss gefasst, dass es besser ist, dieses Amt zurückzulegen", sagte er zur APA - Austria Presse Agentur. "Es wird gerade viel geplant und organisiert. Da gibt es auch verschiedene Meinungen und man muss zu seiner Meinung zu 100 Prozent stehen, da muss man sich entscheiden", deutet Pum zumindest an, dass er die eine oder andere aktuelle Entwicklung nicht goutieren könnte.

Pum verließ sich auf Bauchgefühl

Er habe sich bei der Entscheidung wie so oft auf sein Bauchgefühl verlassen, betonte Pum. Der Rückzug sei in der Tat so nicht geplant gewesen. "Es war keine leichte Entscheidung. Vielmehr eine schwere und konsequente. Es ist eben nicht leicht. Wenn der Sport über 42 Jahre dein Leben ist, denkst du ja Tag und Nacht nur an den Sport. Zudem bist du jedes Jahr 220 Tage am Weg. Aber jetzt ist es besser, man zieht das Ganze ein bisserl vor. Es ist ohnehin besser, nicht zu weit nach vorne zu planen."

Zudem sei der Zeitpunkt günstig, betonte Pum. "Wir stehen als Verband gut da. Nächstes Jahr sind keine Olympischen Spiele oder Weltmeisterschaften, da gehen gewisse Sachen leichter." Was ihm wichtig sei: "Der Peter und ich sind Freunde. Wir haben aber eben nicht immer die gleiche Meinung. Es gibt gewisse Ansichten, die sind verschieden. Dann ergibt eben das eine das andere."

Spekulationen um Toni Giger

Während bereits öffentlich mit dem früheren Herrenchef und aktuellen Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung, Anton Giger, als möglicher Nachfolger Pums spekuliert wird, blickt Pum selbst auf eine erfolgreiche Zeit im Skiverband zurück. 1977 dockte er dort als Konditionstrainer an, alleine in seiner Zeit als Alpindirektor (1996 bis 2010) eroberten unter ihm Asse wie Hermann Maier, Stephan Eberharter, Benjamin Raich, Alexandra Meissnitzer, Michaela Dorfmeister oder Renate Götschl 38 Olympia- und 62 WM-Medaillen. Seit 2010 ist der diplomierte Sportlehrer im ÖSV Sportdirektor für alle Sparten.

Neben den Erfolgen hatte Pum in seiner Ära freilich auch die tödlichen Rennunfälle von Gernot Reinstadler und Ulrike Maier zu überstehen. "Es gab viele Höhen und Tiefen, da kommt schon etwas zusammen", so Pum. "Es hat aber wirklich viele schöne Momente gegeben. Wichtig war mir vor allem das lange Vertrauen, das mir Peter und die Athleten gegeben haben."

Er werde sich nun bis Ende Juli "zu hundert Prozent" den anstehenden Aufgaben im ÖSV widmen. Ab dem 1. August aber wieder mehr Zeit für seine Familie haben. "Da werde ich mich sammeln und meine Gedanken dann neu ordnen." 42 Jahre im Skiverband seien enorm. "Wenn man zurückschaut, ist alles schnell vergangen. Wenn man 42 Jahre nach vorne schaut, ist das ewig. Die Zeit war wunderschön und ich durfte mit großartigen Sportlerinnen und Sportlern arbeiten. Es ist ein gutes Gefühl wenn man weiß, dass man einen kleinen Beitrag zum Erfolg leisten hat können."

(APA)

Aufgerufen am 19.04.2019 um 12:44 auf https://www.salzburg24.at/sport/wintersport/oesv-pum-abschied-laeutet-wandel-ein-68696866

Kommentare

Mehr zum Thema