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Salzburgs Sport-Asse

"Ich will diesen Moment immer wieder erleben"

Skispringerin Chiara Hölzl gelingt Top-Start

Zwei Olympia-Teilnahmen, doppeltes WM-Silber und Nachwuchs-Gold – die Vita von Chiara Hölzl kann sich sehen lassen. Ist die 22-Jährige schon ein alter Hase im Skisprung-Zirkus? "Nein, ganz bestimmt nicht", winkt die Pongauerin lachend im SALZBURG24-Gespräch ab. "Ich habe sicher schon viel Erfahrung sammeln können, aber kann noch sehr viel lernen." Zum Saisonstart am letzten Wochenende konnte sie mit zwei Podestplätzen überzeugen.

Sankt Veit im Pongau

Die amtierende Vize-Staatsmeisterin auf der Normalschanze landete bei ihrem ersten Weltcup-Einsatz am 24. November 2012 in Lillehammer (Norwegen) auf dem 47. Platz, ihren ersten Punkt holte Hölzl keine zwei Monate später. Als jüngste Springerin, die jemals für den ÖSV bei einer Nordischen Ski-WM gestartet ist, erreichte sie 2013 – im Alter von nur 15 Jahren – beim Einzelspringen als zweitbeste Österreicherin den neunten Rang. Zwei Tage später gewann die Pongauerin im Mixed-Team-Bewerb gemeinsam mit Jacqueline Seifriedsberger, Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer sensationell die Silbermedaille. Bei der Heim-WM in Seefeld holte sie heuer Silber im Team. Außerdem kann die 22-Jährige auf sechs Stockerlplätze im Weltcup zurückblicken.

Was eine Skispringerin braucht

"Man braucht vor allem Mut", ist sich Hölzl sicher, die selbst im Alter von acht Jahren erstmals auf der 15-Meter-Schanze in Schwarzach (Pongau) stand. "Vor allem als Kind, wenn einem alles noch viel größer vorkommt." Körperliche Leichtigkeit und grundlegende Sportlichkeit seien gute Voraussetzungen zum Skispringen. "Es ist einfach ein cooles Gefühl da oben zu stehen und gleich runter zu hüpfen. Diese Sekunden genieße ich." Beim Sprung laufe dann ein ganz eigener Film ab: "Ich will diesen Moment immer wieder erleben." Wichtig seien zudem mentale Stärke und "viel Ehrgeiz, sich in einer Männer-Sportart durchzusetzen."

Die 1,53 Meter große Heeressportlerin, die für den SV Schwarzach an den Start geht und in Sankt Veit im Pongau lebt, hatte früher ausschließlich Männer als Vorbild, "auch weil es früher kaum skispringende Frauen gab", wirft sie ein. "Das war zur Zeit der Super-Adler", erinnert sich Hölzl. "Ich werde nie vergessen, als ich Morgi (Thomas Morgenstern, Anm.) das erste Mal persönlich getroffen habe. Zu ihm schaue ich auf, er verstellt sich nicht." Nur wenig später bejubelten sie gemeinsam eine WM-Medaille.

ÖSV-Stars trainieren in Salzburg-Rif

Auch dank der jahrelangen erfolgreichen Pionierarbeit von Daniela Iraschko-Stolz ist Skispringen in Österreich weiblicher geworden. Die erste ÖSV-Trainingsgruppe umfasst mittlerweile sechs Athletinnen. "Früher war ich oft allein", so Hölzl. "Doch jetzt sind wir eine große und dynamische Gruppe quer durch alle Altersgruppen." Gemeinsam mit Stefan Kraft, Daniel Huber und Co. trainiert die 22-Jährige am Olympia-Stützpunkt Salzburg-Rif. Etwa 25 Wochenstunden sind dabei nur fürs Skisprung-Training eingeplant.

Nebenher hat die begeisterte Trailrunnerin und Langläuferin im Sommer mit Tennis angefangen. Im Trainingslager wurde dem ÖSV-Star sogar mitunter am Abend ein Tennisplatz organisiert. "Da packt mich der sportliche Ehrgeiz". Zwar ist und bleibt Skispringen die Nummer eins in Hölzls Leben, doch "wenn es während der Saison irgendwo eine Halle gibt und es sich zeitlich ausgeht, dann packe ich den Schläger aus."

Top-Start für Hölzl in neue Weltcup-Saison

Doch das Sport-Ass musste wegen anhaltender Probleme mit der Achillessehne in der Sommervorbereitung etwas zurückstecken. Gleichzeitig wurde die junge Pongauerin, die schon zweimal am Meniskus operiert wurde, von der Agentur JumpAndReach unter die Fittiche genommen. "Das war eine große Erleichterung und riesige Unterstützung für mich." Unkompliziert und schnell seien Ärzte und Therapeuten gefunden worden.

Der Auftakt in die neue Weltcup-Saison hätte für die 22-Jährige kaum besser laufen können. Hölzl landete in Lillehammer auf dem zweiten und dritten Platz. "Ich kann es noch gar nicht glauben, das war ein mega cooles Wochenende und ein Traumauftakt." Lillehammer ist für sie sehr hoch einzuordnen. "Ich bin echt stolz auf mich, dass ich es so rübergebracht habe", strahlte sie im ORF-Interview. 

Am heutigen Freitag steigt die Qualifikation für den Weltcup im deutschen Klingenthal. Die Damen absolvieren morgen einen Großschanzen-Bewerb (11.45 Uhr) vor der Herren-Teamkonkurrenz (16 Uhr).

"Je größer die Schanze, desto besser"

Einige Weltcup-Stopps fallen für die Damen heuer weg. "Ich bin zufrieden mit dem Weltcup-Kalender, wir haben es im Skispringen sicher besser als bei anderen Sportarten", meint Hölzl. Ganz besonders freut sich die ehrgeizige Pongauerin auf die Bewerbe in Norwegen, denn "das Flair und ganze Drumherum sind dort unbeschreiblich schön." Ein ganz besonderes "Extra-Zuckerl" sei die Raw-Air-Serie am Saisonende, bei der seit letztem Jahr auch Frauen starten dürfen. "Je größer die Schanze, desto besser", grinst Hölzl. Statt der Skiflug-WM bei den Herren gibt es für die Damen im Anschluss die Blue Bird Tour in Russland. "Ich würde mir wünschen, dass auch die Vierschanzentournee weiblich wird", erklärt die 22-Jährige.

Die letzten beiden Weltcup-Saisonen beendete die Skispringerin in den Top-10. "Oft ist mein erster Sprung gut und der zweite ist dann unruhig. Heuer will ich viel gechillter an die Sache rangehen und zeigen, was ich draufhabe." Ein Weltcup-Sieg fehlt der 22-Jährigen noch, genügend Motivation sollte Hölzl also mitbringen: "Im Wettkampf muss ich gute Momente erleben, um in den Flow zu kommen. Der Rest passiert dann wie von alleine."

(Quelle: SALZBURG24)

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