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Salzburgs Sport-Asse

Mit Vollgas auf einem Ski

Markus Gfatterhofer im Portrait

Seine Lebensfreude hat Markus Gfatterhofer nach einem folgenschweren Motocross-Unfall vor einigen Jahren beim Monoski wiederentdeckt. Mittlerweile geht der 28-jährige Rollstuhlfahrer auf den Skihängen der Welt für Österreich auf Medaillenjagd. Uns hat der Pongauer seine inspirierende Geschichte erzählt.

Sankt Martin am Tennengebirge

2007 verunfallte Gfatterhofer folgenschwer beim Motocross. Beim Sturz über den Lenker rammte sich der damals 15-Jährige das Bike in den Rücken. Der siebte Brustwirbel war gebrochen, Diagnose Querschnittslähmung. Mehr als zwei Jahre lang schuftete er bei der Physiotherapie, um wieder gehen zu können – jedoch vergeblich. "Mir wurde auch ein Nervenchip ins Rückenmark implantiert, was aber leider nicht funktioniert hat", erzählt er im SALZBURG24-Gespräch.

"Wahnsinn, wie die runtergefetzt sind"

Gfatterhofer habe einige Jahre gebraucht, um seine neue Lebensrealität zu begreifen. "Ich tue mir auch heute noch manchmal schwer, meine Situation im Rollstuhl zu akzeptieren", gibt er offen zu. Noch immer geht er zur Physiotherapie: "Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, vielleicht doch wieder gehen zu können." Heizte er früher auf dem Motocross über die Berge, so herrschte plötzlich Tristesse im Leben des Pongauers. "Bei uns in St. Martin am Tennengebirge dauert der Winter ein halbes Jahr lang, da kann man schon depressiv werden", sagt Gfatterhofer. Doch als er die TV-Übertragung der Paralympischen Spiele in Sotschi sah, packte es den Adrenalinjunkie. "Das war ein Wahnsinn, wie die auf einem Ski den Hang runtergefetzt sind. Für mich war klar, das will ich auch."

Gfatterhofer startet Mission Monoski

Rasch knüpfte er erste Kontakte und war auf der Piste. Der Unterbau des Monoskis ist ein Motocross-Dämpfer, der das Kniegelenk nachahmt und gleichmäßig mitschwingt. "Ich bin mega-froh darüber, dass es diese Chance in Österreich gibt. Mit dem Monoski kann ich runterfahren, wo ich nur will. Das gibt mir eine wahnsinnige Freiheit." Das Geheimnis des perfekten Schwungs ist "die richtige Balance und der synchrone Links-Rechts-Ablauf im Körper."

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Had some good training days on the glacier @oesv_paraskiaustria @zeusproteinsoda @sporthilfe.at

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Vor sechs Jahren gab es schließlich den ersten Kontakt zum Österreichischen Skiverband (ÖSV), zwei Jahre später trat Gfatterhofer dem Salzburger Zollsport-Kader bei und startet seitdem für das Nationalteam. Und die ersten Erfolge kamen rasch. Bei der ersten WM holte er 2017 gleich Bronze im Riesentorlauf. "Ein Jahr später habe ich mir bei den Paralympics in Pyeongchang brutal viel Druck gemacht. Im Riesentorlauf wurde ich nur Siebter und im Slalom bin ich rausgeflogen."

In der letzten Weltcup-Saison landete der Technik-Spezialist erstmals auf dem Podest, nun soll im Jahr vor der WM und zwei Jahre vor den Paralympics der erste Sieg im Slalom folgen. "Ich sehe noch viel Potenzial. Mir wird immer mehr klar, was noch alles möglich wäre. Aber ich werde nichts überstürzen und lasse mir genügend Zeit."

Gfatterhofer sehnt Weltcup-Start herbei

Noch sei die Sportart auch unter vielen Rollstuhlfahrern unbekannt, darum kontaktiert Gfatterhofer aus eigener Initiative potenzielle Athletinnen und Athleten: "Die Überwindung und auch Kosten sind immens. Es braucht sicher noch einiges an Förderungen, aber Grenzen sind einem in dieser Sportart kaum gesetzt."

Mittlerweile schuftet er wöchentlich bis zu 30 Stunden an seinem Körper, um fit zu bleiben. Schließlich wird es bald ernst. Das anstehende Wochenende nützten Gfatterhofer und seine Teamkollegen, um auf der Reiteralm neues Material zu testen. "Die Bedingungen dort sind optimal und ich kann wegen der Nähe sogar daheim schlafen", freut sich das Salzburger Sport-Ass. Dann kann er abends für Freundin Andrea Gitarre spielen und ihr ein Ständchen singen. Das Musizieren ist für den 28-Jährigen ein guter Ausgleich, auch "wenn sie mein Geklimper schon manchmal etwas nervt", grinst er.

Sportlerportrait: Markus Gfatterhofer Michael Knaus
​Das Geheimnis des perfekten Monoski-Schwungs ist "die richtige Balance und der synchrone Links-Rechts-Ablauf im Körper."

Der gebürtige Halleiner (Tennengau) fuhr heuer beim ersten Europacup-Rennen in den Niederlanden Anfang November schon zweimal aufs Stockerl. "Wenn man die Berge vor der eigenen Haustür hat, ist es schon recht komisch in einer Skihalle zu fahren." Damit ist nun auch Schluss, denn der Monoski-Weltcup beginnt am 7. Jänner in Veysonnaz (Schweiz). Davor startet Gfatterhofer noch am 14. und 15. Dezember im Europacup am Pitztaler Gletscher und einige Tage später in St. Moritz.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 09.12.2019 um 02:54 auf https://www.salzburg24.at/sport/wintersport/salzburgs-sport-asse-markus-gfatterhofer-faehrt-vollgas-auf-einem-ski-79311460

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