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Kein Karriereende

Kramer "will Älteren Gas geben"

Wie Skisprung-Ass Weltspitze aufmischt

Sara Marita Kramer dachte unlängst über ein Karriereende im Skispringen nach. Doch die 20-jährige Salzburgerin entschied sich den Weg, als Profi-Sportlerin weiterzuverfolgen und setzt bei den Damen neue Maßstäbe. Wir haben die gebürtige Holländerin aus Maria Alm (Pinzgau) vor dem Saisonstart zum Interview getroffen (siehe Video oben).

Maria Alm am Steinernen Meer

Mit herausragenden Wettbewerben zeigte das Mega-Talent aus Maria Alm groß auf. "Ich möchte einfach die Beste sein", sagte die Gesamtdritte der Vorsaison am Donnerstag gegenüber SALZBURG24.

Die 20-Jährige verrät vor dem Olympia-Jahr zudem, dass sie besonders Spaß dabei empfindet, wenn sie den "Älteren Gas gibt".

Kramer zeigt im Skisprung-Zirkus groß auf

Kramer stahl vergangene Skisprung-Saison fast allen die Show und zauberte oft Top-Leistungen auf den Bakken der Welt. Am Ende standen sieben Weltcup-Einzelsiege und bei der Weltmeisterschaft Gold im Team-und Bronze im Mixed-Bewerb. Zwei vierte Plätze in den Einzelbewerben sorgten zudem für Enttäuschen, mit denen die Senkrechtstarterin noch lernen musste damit umzugehen. Besonders bitter: Laut Experten wurden Kramer durch eine Verkürzung auf der kleinen Schanze die Goldchance genommen.

Außerdem verpasste sie als Drittplatzierte den Gesamtweltcup um elf Punkte – und das nur, weil sie nach einem Corona-Test-Wirrwarr zu Unrecht für zwei Bewerbe gestrichen worden war.

ÖSV-Damen starten in Russland

Nächste Woche hebt das Damen-Team auf der Normalschanze von Nischnij Tagil ab. Der Kalender erfuhr mit nun 28 Einzelbewerben die von den Athletinnen gewünschte Gleichstellung mit den Männern. "Es zeigt, dass Damenskispringen einen Schritt in die richtige Richtung macht. Wir wollen die gleichen Wettkämpfe und Ereignisse haben wie die Herren und vielleicht irgendwann auch eine Tournee – nur so geht das", sagte Sara Marita Kramer.

SALZBURG24: Nimm uns ein bisschen mit: Wie waren deine drei Trainingssprünge am Bergisel?

SARA MARITA KRAMER: Im Großen und Ganzen waren sie okay, auch wenn ich nicht ganz zufrieden bin. Es war jetzt kein Wettkampf wie im Winter, also zählt das noch nicht so.

Wie schaut es mit deinem Gefühl aus, bevor es kommende Woche in Russland ans Eingemachte geht?

Eigentlich ist mein Gefühl ganz gut. Das Training läuft immer auf einem sehr guten Level und körperlich fühle ich mich auch fit.

Du hast in den letzten Monaten und Jahren einen großen Entwicklungssprung gemacht. Wo siehst du dich im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz?

Schwierig zu sagen: Klingenthal war unser letzter Wettkampf und das war im Oktober. Da war es ganz gut, aber man weiß nie. Die anderen werden auch noch einmal alle Gas geben. Darum ist der erste Wettkampf immer sehr interessant, weil man dann weiß, wo man steht.

An welchen Stellschrauben hast du in der Vorbereitung gedreht?

Ich habe nochmal von ganz vorne angefangen und den Grundsprung noch einmal zerlegt und neu aufgebaut. Ich bin auf kleinen und auch etwas größeren Schanzen gesprungen. So habe ich mich Schritt für Schritt etwas verbessert und angepasst.

Du wirkst sehr entspannt, verspürst du auch eine Anspannung?

Nicht unbedingt eine Anspannung, vielmehr eine Vorfreude. Wenn ich dann in Russland oben auf der Schanzen stehe, werde ich sicher etwas nervös werden. Aber das braucht man und das ist genau das, was einen Wettkampf ausmacht und auf das freue ich mich schon wieder.

Wie gehst du damit um, dass du in so jungen Jahren der Weltspitze mitmischt und diese auch aufmischst?

(lacht). Sicher bin ich jung, aber in der Sportart macht es nicht so viel aus. Ich glaube da kann man auch in jungen Jahren sehr gut sein. Mir macht es vor allem sehr viel Spaß, wenn ich den Älteren Gas geben kann. Ich hoffe, dass das auch weiterhin so gut funktioniert.

Du hast auf Rückschläge überraschend entspannt, auch sehr reif reagiert und nicht die Schuld bei anderen gesucht. Woher kommt diese Einstellung?

Ausreden oder die Ursache bei anderen suchen, das tut man nicht. Und es hilft mir auch nichts. Ich habe grundsätzlich auch Fehler gemacht, ich muss immer schauen, was ich verbessern kann. Darauf, was andere tun, habe ich ja keinen Einfluss. Die Konzentration auf das eigene Tun ist wichtiger, auf den eigenen Sprung. Und den kann ich ja.

Welchen Anteil hat dabei deine Familie?

Schon sehr viel. Man kriegt von daheim mit, wie man die Sachen sieht und an diese herangeht. Da haben sie mir schon einiges mitgeben und davon profitiere ich schon ein bisschen, glaube ich.

Du liebst die Weite, das bringt deine Sportart so mit. Sollen deiner Meinung nach auch Frauen möglichst bald Skiflug-Bewerbe bestreiten?

Ich weiß, dass mich viele mich für diese Antwort hassen werden. Aber in meinen Augen ist es fürs Damen-Skispringen noch nicht die richtige Entscheidung. Es wäre wichtiger, mehr Wettkämpfe auf Großschanzen zu bekommen. Wir sind ja immer noch auf Kleinschanzen unterwegs. Für uns sind Großschanzen schon ein Highlight.

Sehr interessant wäre für uns so etwas wie eine Tournee, das könnte viele Zuschauer interessieren. Aber nicht als Anhängsel bei den Herren. Das Skifliegen ist noch zu weit weg. Es ist wichtig, dass die Dichte vom ersten bis zum 30. Platz stimmt, bei den Herren ist das Feld doch viel knapper beisammen, es springen ja auch mehr Herren.

Du hast eine Phase gehabt, in der du überlegt hast, ob du mit dem Skisprung-Sport aufhörst. War es rückblickend die richtige Entscheidung weiterzumachen?

Man weiß ja nie, was die richtige Entscheidung gewesen wäre, weil ich ja nicht weiß, wie das andere gewesen wäre. Ich bin einfach nur froh, dass ich die Entscheidung so getroffen habe und dass es so gelaufen ist. Das hat mir dann schon gezeigt, dass es die richtige Entscheidung war.

Der Terminkalender ist heuer recht voll. Wie kommst du in deiner Heimat Maria Alm zur Ruhe bzw. hast du auch noch andere Hobbys?

Einfach gemütlich mit der Familie abhängen. Daheim ist es immer eine entspannte Atmosphäre wo der Körper zur Ruhe kommt. Dort, wo man sich wohlfühlt, geht das relativ leicht und das ist nun mal daheim.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 07.12.2021 um 05:54 auf https://www.salzburg24.at/sport/wintersport/sara-marita-kramer-will-aelteren-gas-geben-112491979

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