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Knieverletzungen

Ski-Sport kämpft gegen Horror-Verletzungen

Drei ÖSV-Athleten beklagen schwere Kreuzbandrisse

Hannes Reichelt, Ski, Verletzung, Hubschrauber APA/EXPA/LUCIANO BISI
Hannes Reichelt wird hier nach seinem Sturz bei der Herrenabfahrt in Bormio Ende Dezember 2019 nach seinem Kreuzbandriss von Rettungskräften abtransportiert.

Immer wieder Kreuzbandrisse im alpinen Ski-Weltcup. Das Saison-Aus von Dominik Paris wirft einmal mehr die Frage auf, warum es zu so einer Häufung an Knieverletzungen kommt. "Das ist eine Katze, die sich in den Schwanz beißt. Da wieder rauszukommen, ist sehr schwierig", sagte Markus Waldner, der Renndirektor der FIS.

Harte Pisten erfordern eine aggressive Materialabstimmung - und umgekehrt. Nach einem banalen Super-G-Trainingssturz reiht sich der Südtiroler Dominik Paris in die lange Kreuzband-Verletztenliste in diesem Winter ein.

Drei Österreicher mit Kreuzbandrisse

Für die Österreicher Hannes Reichelt und Christopher Neumayer ging die Saison bei den Speedrennen in Bormio zu Ende, den Südtiroler Manfred Mölgg erwischte es im Riesentorlauf von Adelboden, den Franzosen Adrien Theaux beim Training; im Zagreb-Slalom riss das Kreuzband der Deutschen Marlene Schmotz und im Parallel-Riesentorlauf in Sestriere wurde das Schicksal der Schweizerin Aline Danioth bestimmt. Um nur ein paar der jüngsten Opfer zu nennen.

Keine Lösung gegen Horror-Verletzungen

"Lösung haben wir zur Zeit keine. Das Radl haben wir jetzt weit gedreht. Und das zurückzudrehen, wird ein sehr schwieriges Unterfangen", sagte Waldner am Dienstagabend im Gespräch mit Journalisten in Kitzbühel. "Wir diskutieren schon seit langem. Es passiert mit allen Ski - Slalom, Riesentorlauf, Super-G, Abfahrt. Bei Herren und Damen und auch im Europacup. Es ist das Gesamtpaket, das sehr aggressiv abgestimmt ist - Schuh, Platte, Bindung und Ski. Wenn man da ein bisserl außerhalb der normalen Winkel kommt, dann reißt eben sehr schnell ein Kreuzband."

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Folgende prominente Skifahrer und Skifahrerinnen schieden heuer nach einem Kreuzbandriss aus.

Piste und Material für Horror-Verletzungen verantwortlich

Etwas kann der Ski-Weltverband allerdings in Zusammenarbeit mit den Organisatoren machen, nämlich die Pisten von oben bis unten gleichmäßig präparieren. Das habe man in diesem Winter in Angriff genommen. Um zu verhindern, dass die Athleten von harten, sehr eisigen, auf weniger harte Passagen kommen. "Denn sonst stimmen sie das Material so ab, dass es am Harten passt, aber dann wird es gefährlich, wenn sie dorthin kommen, wo es etwas weicher ist", erklärte Waldner. Die Streif sei heuer fantastisch hergerichtet. "Sie ist immer noch sehr hart, knackig, eisig, aber sehr gleichmäßig präpariert."

Und sie müsse so kompakt und eisig sein, weil so viele Kräfte auf die Piste wirken, und man verhindern müsse, dass die Piste aufreiße und das Rennen mit Startnummer drei zu Ende sei. "Das Rennen soll auch für die hohe Nummern noch fair sein. Und sicher. Weil wenn die Piste bricht, wenn Löcher drinnen sind, wird es wieder gefährlich." Aber je härter die Piste, desto aggressiver die Materialabstimmung, und so dreht sich das Radl immer weiter.

Auch Ski-Industrie steht an

Um mit einem weniger aggressiven Gesamtpaket trotzdem schnell durch die Rennen zu kommen, müssten die Pisten weicher präpariert werden. "Dann würden wir langsam in die richtige Richtung gehen. Aber das ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Wo fangen wir an? Das ist die Frage." Er habe beim letztjährigen Finale lange mit Toni Giger, dem jetzigen Sportdirektor im ÖSV, der auch Technologie auf seiner Agenda hat, darüber geredet. Es gäbe auch viele Gespräche mit der (Ski-)Industrie, derzeit habe niemand eine Lösung.

Paris verletzte sich auf einer sehr gleichmäßig präparierten Piste in Kirchberg, auf der am Wochenende Europacup gefahren wurde. "Das ist wirklich saublöd hergegangen", weiß auch Waldner. Paris, Topfavorit auf den Abfahrtssieg auf der Streif, hatte nach einem Innenskifehler versucht, einen Sturz in das Sicherheitsnetz zu verhindern, als sein Ski zu greifen begann und das Kreuzband riss.

"Bänder kann man nicht trainieren"

"Man muss schon auch sagen, die Muskulatur von diesen Läufern ist natürlich extrem durchtrainiert, die Muskelmassen, die diese Top-Läufer jetzt haben. Wenn man die vergleicht mit Ken Read, der hat auch hier gewonnen, der hatte die halben Wadeln von den Burschen heute", sagte der Renndirektor, der aber auch weiß. "Die Muskeln kann man trainieren, die Bänder nicht. Die Bänder sind immer noch die gleichen, vom Domme und von Ken Read, aber die Wadeln sind doppelt so dick. Der Muskel hält, aber wenn gewisse Winkel unterschritten werden und Rotationen reinkommen, muss es irgendwo reißen. Und meistens reißt dann das Bandl", sagte Waldner abschließend.

(Quelle: APA)

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