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Schlammschlacht

Walchhofer kehrt ÖSV den Rücken

Gensbichler kritisiert Verband

Die Schlammschlacht und Unstimmigkeiten im ÖSV-Präsidium waren dem Pongauer Michael Walchhofer wohl zu viel. Er zieht sich nun gänzlich zurück.

Mit einem Knalleffekt geht es in die Länderkonferenz, bei der am Samstag der Österreichische Skiverband in Villach u.a. ein neues Präsidium wählen wird. Nachdem schon die Nachfolge-Suche für den nach 31 Jahren nicht mehr kandidierenden Peter Schröcksnadel turbulent verlaufen war, wird Michael Walchhofer dem neuen Präsidium fix nicht mehr angehören. Der Salzburger ist aktuell ÖSV-Vizepräsident und war lange sogar Kandidat als Nachfolger Schröcksnadels gewesen.

Schröcksnadel spricht sich gegen Walchhofer aus

Allerdings hatte sich Schröcksnadel rasch deutlich gegen Walchhofer ausgesprochen und selbst andere Kandidatinnen wie zuletzt Renate Götschl ins Rennen gebracht. Weil durch den entstandenen Konflikt bei der Wahlausschuss-Sitzung im Mai in Salzburg keine Einigung erzielt werden konnte, war letztlich Karl Schmidhofer, Präsident des steirischen Landesskiverbands, als Kompromisskandidat präsentiert worden.

 

Schmidhofer wird neuer Präsident

Schmidhofer (59) wird nun dem Vernehmen nach am Samstag und vorerst bis 2024 auch tatsächlich zum Nachfolger Schröcksnadels gekürt. Während Götschl im Herbst Schmidhofer als Präsidentin im steirischen Landesskiverbandes ersetzt, wird Walchhofer dem neuen ÖSV-Chef in der kommenden Periode nun nicht wie erhofft als "Vize" zur Verfügung stehen. Ihm sei schon nach der Wahl bewusst geworden, dass die Voraussetzungen nicht mehr passen würden, erklärte Ex-Rennläufer und Hotelier Walchhofer.

Kein Groll gegen ÖSV

Er werde aber wie geplant am Freitag noch an der Präsidentenkonferenz teilnehmen und sei weder frustriert, noch hege er einen Groll gegen den Verband, versicherte Walchhofer. Lediglich das Verhalten Schröcksnadels sei für ihn nicht nachvollziehbar gewesen. "Aber er ist ja nicht der ÖSV", betonte der Ex-Rennläufer und Hotelier aus Zauchensee im aktuellen APA-Interview.

Gensbichler kritisiert ÖSV

"So wie man mit Michi Walchhofer umgegangen ist, so geht man mit einem so erfolgreichen Sportler, der stets die Fahne für Österreich hoch gehalten hat, nicht um", bedauerte Salzburgs Landesverbandspräsident Bartl Gensbichler den Rückzug Walchhofers. "Ich verstehe, dass er jetzt Abstand braucht."

Stadlober bleibt "Vize"

Der Salzburger Skiverband wird nach dem Ausstieg Walchhofers erneut Roswitha Stadlober als ÖSV-Vizepräsidentin nominieren. Auch Kärntens Landesverbandspräsidentin Claudia Strobl-Traninger soll gute Karten haben. Der designierte Verbandschef Schmidhofer hätte gerne gleich drei Frauen in diesem Gremium.

Die Länderkonferenz ist das oberste Verbandsorgan des ÖSV und wählt u.a das aus den Positionen Präsident, Vizepräsidenten und Finanzreferent bestehende Präsidium. Die diesjährige Wahl stellt einen deutlichen Neubeginn in Österreichs erfolgreichstem Sportverband dar. Schröcksnadels Bilanz ist sportlich wie wirtschaftlich freilich top. Er übergibt ein gut organisiertes, schuldenfreies Unternehmen. In seiner Ära wurden fast 1.300 Weltcupsiege sowie über 400 WM- und Olympiamedaillen gewonnen.

Wird Schröcksnadel Ehrenpräsident?

Sollte man Schröcksnadel im Rahmen seiner letzten Amtshandlung wie erwartet die Ehrenpräsidentschaft anbieten, hätte der Ende Juli 80 Jahre alt werdende Tiroler weiter Sitz und Stimmrecht. Als gerade wiedergewähltes Mitglied des FIS-Councils ist Schröcksnadel international mit dem Skirennsport ohnehin weiter verbunden.

Der ÖSV ist einer der größten und erfolgreichsten Sport-Fachverbände Österreichs. In der Öffentlichkeit oft nur als Hochleistungsverband wahrgenommen, werden mit Ski alpin, Skispringen, Nordische Kombination, Langlauf, Biathlon, Snowboard, FreeSki, Ski Cross, Gras Ski, Skibergsteigen, Speed Ski und dem Behindertensport aber zwölf verschiedene Referate, die bei Titelkämpfe Erfolge feiern, betreut. Dazu kommt noch der Breitensport.

ÖSV nicht gewinnorientiert

Laut Satzungen ist die Tätigkeit des ÖSV nicht auf Gewinn ausgerichtet, sondern auf die Verfolgung gemeinnütziger Zwecke. Hauptziel ist die Förderung des aktiven Wintersports zum allgemeinen Wohl, zur körperlichen Ausbildung sowie als wesentlicher Beitrag zur Gesundheit. Der Verband finanziert sich u.a. aus Mitgliedsbeiträgen sowie den Erträgen des Pools sowie vor allem jener der Ski-Austria-Kapitalgesellschaften.

(Quelle: APA)

ÖSV-Präsident und Nachfolger zeigen Einigkeit

ÖSV Präsident APA/Roland Schlager
Bei einer Pressekonferenz im Loft des Sofitel demonstrierten Noch-Präsident Schröcksnadel und sein designierter Nachfolger Einigkeit.

Keine 48 Stunden nach der turbulenten Entscheidung für Karl Schmidhofer als Nachfolger von Peter Schröcksnadel als Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) haben sich die beiden Unternehmer und Sportfunktionäre in Wien gemeinsam der Öffentlichkeit präsentiert. Bei einer Pressekonferenz im Loft des Sofitel demonstrierten Noch-Präsident Schröcksnadel und sein designierter Nachfolger Einigkeit.

Der Chef des steirischen Landesskiverbandes war in der Nacht auf Mittwoch beim Treffen des ÖSV-Wahlausschusses in Salzburg nach langen und ergebnislosen Diskussionen um die beiden vorgeschlagenen Kandidaten Michael Walchhofer und Renate Götschl letztlich als überraschende Kompromisslösung präsentiert worden. Der Nationalratsabgeordnete (V) akzeptierte den Vorschlag nach einem Telefonat mit seiner Frau wie notwendig noch vor Mitternacht. Die Wahl und damit die offizielle Übergabe des Amtes erfolgt am 19. Juni bei der ÖSV-Länderkonferenz in Villach.

Schröcksnadel über Einigung erfreut

"Ab jetzt soll es in die Zukunft gehen im erfolgreichsten Skiverband der Welt", betonte Schmidhofer und sprach damit die turbulenten und nicht immer konstruktiven Wochen rund um die teils hitzig erfolgte Nachfolgediskussion an. "Man hat gesehen, dass es einen Kompromiss braucht", betonte der 59-jährige Murtaler. Auch Langzeit-Präsident Schröcksnadel, der nach 31 Jahren im Amt nicht mehr antritt, gab sich über die Einigung und das Ende der Streitereien erfreut und bezeichnete Schmidhofer als gute Wahl. "Es freut mich für den gesamten ÖSV, dass diese Unsicherheit jetzt vorbei ist. Alle haben darunter gelitten. Ende gut, alles gut", sagte der 79-jährige Tiroler.

Schmidhofer verzichtet auf Gage

Er freue sich über Schmidhofer als Lösung. "Wir kennen uns ewig lange, mit dieser Entscheidung kann ich gut leben", so Schröcksnadel. Dass Schmidhofer sein politisches Amt mit der Übernahme des ÖSV zurücklege und auf eine Gage verzichte, sei äußerst ehrenhaft. "Ich wollte ja immer verhindern, dass der ÖSV politisch wird. Jetzt kann man die Fortsetzung der Ehrenamtlichkeit feiern. Außerdem freut mich, dass es keine Verlierer gibt", verwies Schröcksnadel darauf, dass Walchhofer ÖSV-Vizepräsident bleibe und Götschl Nachfolgerin von Schmidhofer als Präsidentin in der Steiermark werde. "So können sie ihre Ideen umsetzten, wie sie sie präsentiert haben."

Schröcksnadel widmet sich Krebs-Projekt

Er selbst werde immer als Ratgeber zur Verfügung stehen, sich aber auch nicht aufdrängen, betonte der seit 1990 amtierende Schröcksnadel, der im Juni für ein weiteres Jahr im FIS-Council kandidiert und so mit dem Schneesport in Verbindung bleiben würde. Er werde sich in Zukunft aber vor allem seinem erfolgsversprechenden und 100 Mio. Euro schweren Krebs-Projekt widmen, betonte Schröcksnadel. Schmidhofer sind alle Tipps recht, "die helfen, den ÖSV voranzubringen". Einflüsterer brauche er aber nicht, betonte der erfolgreiche Geschäftsmann und Troubleshooter.

Verbandssitz soll nach Innsbruck umziehen

Schmidhofer gibt mit seiner Entscheidung ein gut dotiertes Mandat ab und will auch an den Verbandssitz nach Innsbruck übersiedeln. Er habe in seinem Geschäftsleben schon vieles erlebt, sagte der Seilbahner und Touristiker. Die Geschehnisse in der Salzburger Nacht hätten ihn aber doch mitgenommen. Nun gelte sein ganzes Streben ausschließlich der Zukunft. "Der ÖSV steht weltweit an der Spitze, hat 300 hervorragende Mitarbeiter und fast 400 Sportlerinnen. Da braucht es einen Präsidenten, der da ist und Themen umsetzen kann."

ÖSV soll Nummer eins bleiben

Oberstes sportliches Ziel sei, die Nummer eins zu bleiben. "Aber wir wollen auch den Kinder- , Jugend- und Schulsport in die Gänge bekommen." Er werde sich unmittelbar nach der Wahl mit den Mitarbeitern und Sportlerinnen treffen, betonte Schmidhofer. Schröcksnadel lud seinen designierten Nachfolger darauf spontan ein, dies doch schon vor der Wahl zu tun.

„Viel verbrannte Erde“

Nicht abgehen werde ihm das Drumherum, sagte Schröcksnadel. Vielmehr aber die Athletinnen sowie vor allem seine engste Mitarbeiterin (Katharina Trojan, Anm.), mit der er 35 Jahre lang kein böses Wort gewechselt habe.

Warum die Entscheidungsfindung so strittig verlaufen sei, erklärte Schröcksnadel so: "Da war schon vorher viel verbrannte Erde, dann geht's eben irgendwann nicht mehr." Götschl hätte grundsätzlich die Mehrheit gehabt, habe aber auch immer gesagt, dass sie keine Spaltung wolle.

„ÖSV steht gut da!“

Schröcksnadel betonte erneut, dass er schon länger per 19. Juni notariell seine Ämter auch in den Wirtschaftsabteilungen des ÖSV zurückgelegt habe. Leichen im Keller gebe es keine. "Der ÖSV steht gut da!" Man habe trotz Covidkrise sogar ein Plus von 2 Millionen Euro gemacht. Jeder Landesverband soll deshalb zum Abschied einen Bus bekommen. Außerdem sei vorstellbar, 500.000 Euro extra auszuschütten. Schmidhofer ist auch wichtig, künftig zumindest drei Frauen im Präsidium zu haben.

Aufsichtsrat gewünscht

Die Frage, wer künftig die Geschäftsführung der Holding bzw. der ÖSV-Tochterfirmen bekleiden werde, wurde im Detail nicht beantwortet. Eine Holding gebe es seit 15 Jahren, erklärte Schröcksnadel. Schmidhofer sagte, dass er sich wie bisher in allen seinen Firmen einen Aufsichtsrat wünsche. Jetzt ins Detail zu gehen, sei aber nicht angesagt, er sei ja erst seit 48 Stunden Präsidentschaftskandidat. "Aber, ja, ich bin es als Geschäftsführer gewohnt, ein Gremium zu haben, das kontrollierend wirken kann." Ihm sei nun bewusst: "Die Tür zur Politik geht zu, die zum ÖSV geht auf."

Entscheidung für Schröcksnadel unerwartet

Er habe mit Schmidhofer überhaupt nicht gerechnet, gestand Schröcksnadel. Dieser hätte ursprünglich ja eigentlich Götschl vertreten sollen. Die Ex-Rennläuferin hätte man aufgrund der Mehrheitsverhältnisse durchaus durchpeitschen können. "Dann hätte es Götschl als Präsidentin, aber keinen Konsens und eine Spaltung gegeben. Das wollte auch Renate nicht. Ich bin froh, dass wir wieder eine geeinte Skifamilie haben."

Schröcksnadel berichtete zudem, dass er mit Olympiasieger Patrick Ortlieb ursprünglich selbst einen ganz anderen Kandidaten gehabt habe. Der Vorarlberger sei ihm aber wegen dessen politischen Vergangenheit "abhandengekommen". Sein persönlicher Fehler sei gewesen, sein Ende als Präsident zu früh verkündet zu haben, so Schröcksnadel. "Deshalb hat es dann diese Gruppenbildung gegeben."

Präsident soll Verband gut kennen

Gegen Walchhofer als Präsident sei er gewesen, "weil der den Verband nicht sehr gut kennt". Wenn man dann trotzdem alles verändern wolle, sei das "katastrophal". Erst wenn man die Schwachstellen kenne, könne man an den Stellschrauben drehen. "Bei einem so erfolgreichen Verband mit schnellen und effizienten Strukturen muss man sehr vorsichtig umgehen. Alleine das Niveau zu halten, ist schwierig genug."

Aufgerufen am 06.08.2021 um 02:03 auf https://www.salzburg24.at/sport/wintersport/walchhofer-zieht-sich-aus-oesv-praesidium-zurueck-105337504

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