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Winter adé?

Klimawandel sorgt in Salzburg für verkürzte Ski-Saison

Wintersport nur noch bis ins Jahr 2050

20111126_PD1187.LR.jpg APA/Barbara Gindl/Archiv
Die heimischen Skigebiete rechnen noch bis ins Jahr 2050 mit einer durchführbaren Wintersaison. (SYMBOLBILD)

Heiße Sommer und milde Winter: Die Auswirkungen des Klimawandels werden auch in Salzburg zunehmend spürbar. Der Temperaturanstieg sorgt vor allem beim in Salzburg so wichtigen Wintertourismus für Veränderungen. Wir haben uns angesehen, welche Umbrüche und Herausforderungen auf die heimische Tourismuswirtschaft zukommen.

Im Zuge unseres Specials zu 15 Jahre SALZBURG24 wollen wir einen Ausblick wagen und uns ansehen, wie stark der Klimawandel das Leben im Bundesland Salzburg beeinflussen wird. Die steigenden Temperaturen werden hier in den nächsten Jahrzehnten vor allem Auswirkungen auf Salzburgs Wintertourismus haben. Vor welchen Herausforderungen die heimische Tourismuswirtschaft steht, dieser Frage sind wir hier nachgegangen.

Skifahren nur noch bis ins Jahr 2050?

Extrem-Wetterereignisse wie Hochwasser oder lange Trockenphasen führen den Klimawandel vor allem in der warmen Jahreszeit drastisch vor Augen. Aber auch im Winter wird die Wartezeit auf den ersten Schneefall immer mehr zu Zitterpartie. Wie sich der Klimawandel hierzulande auswirkt, dazu haben Klimaforscher:innen verschiedenste Szenarien erarbeitet. Dabei wird grundsätzlich mit zwei Zeiträumen gearbeitet, einer nahen Zukunft bis ins Jahr 2050 und einer entfernteren Zukunft bis zum Ende des Jahrhunderts.

 

Anstieg von 1,5 Grad bis Mitte des Jahrhunderts

"Es wird deutlich wärmer werden", gibt Claudia Riedl von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) im Gespräch mit SALZBURG24 einen Ausblick. "Bei der Lufttemperatur geht man davon aus, dass es bis ins Jahr 2050 im Mittel um 1,5 Grad wärmer wird." Zu dieser Entwicklung kommen die Klimaforscher:innen in einem Szenario, das keine oder kaum Klimaschutzmaßnahmen berücksichtigt. Riedl hält dies bis 2050 für das wahrscheinlichste. Im Sommer würde diese Erwärmung zudem schneller vonstattengehen als im Winter.

"Unsere Gletscher sind Geschichte"

Der Klimawandel sorgt bereits jetzt für einen massiven Rückgang bei den heimischen Gletschern. "Unsere Gletscher sind Geschichte. Bis 2050 wird es in Salzburg keine mehr geben", so Riedl weiter. Gerade heuer ist ein massiver Rückgang beobachtet worden, extreme Schmelzraten wurden auf den heimischen Gletschern beobachtet. Jüngste Messungen der ZAMG zeigen etwa, am Großglockner das Abreißen zwischen oberem und unterem Teil der Pasterze bereits in wenigen Jahren zu erwarten ist.

Intensive Beschneiung in Skigebieten nötig

Gerade den in Salzburg so wichtigen Wintertourismus stellt der Klimawandel vor Herausforderungen. Wegen des verspätet im Jahr einsetzenden Schneefalls dürfte sich die Saison verkürzen – also später beginnen und früher enden. "Bis auf 1.500 Meter wird der Schnee durch Regen ersetzt", weiß die ZAMG-Meteorologin. Um in die Saison starten zu können, müssen die Skigebiete somit auf intensive Beschneiung setzen. Dies sei in Bezug auf die Temperatur bis ins Jahr 2050 möglich, wie eine Studie zur Schneedeckendauer im Land Salzburg zeigt. Danach sei die Durchführung einer erfolgreichen Wintersaison nicht mehr gesichert.

Seilbahnwirtschaft in Sorge

Bei Salzburgs Seilbahnwirtschaft sorgt der Klimawandel jedenfalls für Sorgen: "Den weltweiten Temperaturanstieg betrachten wir natürlich mit Sorge. Das schränkt die Möglichkeiten und Dauer der Saison ein", teilt Erich Egger, Branchensprecher für die Salzburger Seilbahnen, im Gespräch mit SALZBURG24 mit. Derzeit werde jedoch damit gerechnet, dass der Skibetrieb bis ins Jahr 2050 möglich ist. "Der technische Aufwand zur Beschneiung wird aber immer größer und kalt muss es ja trotzdem sein", so Egger weiter.

Ausfall der Wintersaison wäre "katastrophal"

Muss sich die heimische Seilbahnwirtschaft künftig also vermehrt auf die warme Jahreszeit konzentrieren? "Die Saisonen in Sommer und Herbst kann man natürlich intensivieren, das Hauptgeschäft wird aber dennoch im Winter gemacht", gibt Egger zu bedenken. Der Anteil der Seilbahnen im Sommer liege bei gerade einmal 20 Prozent. "Der Ausfall der Wintersaison hätte katastrophale Auswirkungen für uns."

"Vollkommene Umstellung der Wirtschaft andenken"

Immerhin ist der Wintertourismus der größte Arbeitgeber in den Skiregionen. "Man müsse hier eine vollkommene Umstellung der Wirtschaft andenken. Alle reden immer von einem Plan-B, aber wie genau soll der aussehen?", fragt sich der Branchensprecher. Man rechne nun erst einmal mit einem machbaren Wintertourismus bis ins Jahr 2050. "Nebenbei her wird sich vielleicht etwas Neues entwickeln", hofft Egger.

Gute Buchungslage trotz Teuerung

Die Buchungslage für die anstehende Wintersaison sei jedenfalls gut, gerade im gehobenen Segment. "Der Blick auf die Saison ist positiv. Vor allem, weil Corona aktuell kaum ein Thema ist. Wir hoffen auf einen Winter, der normal über die Bühne gehen kann." Für einen erfolgreichen Winter brauche es allerdings viele Gäste, also Buchungen auch in den Pensionen. Ob das bei Liftkartenpreisen von über 60 Euro möglich ist, wird sich zeigen.

Sommertourismus profitiert von Klimawandel

Im Allgemeinen dürfte der Tourismus in Salzburg laut ZAMG-Meteorologin Riedl in den nächsten Jahren vom aktuellen Klimawandel aber sogar profitieren: "Wahrscheinlich wird es zu einer Verschiebung hin zum Sommertourismus kommen. Die Leute wollen künftig wohl nicht mehr unbedingt ans Mittelmeer und suchen die Abkühlung in unseren Seen."

Bis zu 42 Grad in Salzburg

Zumindest vorerst, denn bis ins Jahr 2100 steht Salzburg – sofern keine Klimaschutzmaßnahmen gesetzt werden – ein Anstieg der durchschnittlichen Temperatur von etwa vier Grad bevor. "Das würde bedeuten, dass wir im Sommer Temperaturen von bis zu 42 Grad haben." Im Winter wiederum würde sich die Anzahl der Tage, in denen es unter null Grad hat, reduzieren.

Tage des Salzburger Wintertourismus gezählt

Damit scheinen die Tage des Wintertourismus in Salzburg gezählt. Große Unbekannte bei der aktuellen Entwicklung ist die Wirksamkeit von gesetzten Klimaschutzmaßnahmen.

Die Sommersaison hingegen dürfte in den nächsten Jahrzehnten an Bedeutung gewinnen. Dabei kann Salzburgs Tourismuswirtschaft schon jetzt auf einen absoluten Rekordsommer zurückblicken. Rund 12,5 Millionen Nächtigungen wurden in diesem Jahr in der Zeit von 1. Mai bis 31. September gezählt. Der Klimawandel dürfte diesen Trend künftig also noch weiter verstärken.

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(Quelle: SALZBURG24)

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