Jetzt Live
Startseite Finanzskandal
Finanzskandal

Monika Rathgeber veranlagte hochspekulativ

Im Salzburger U-Ausschuss hat am Mittwochnachmittag die Befragung von Harald Kutschera - das ist jener Mitarbeiter der Finanzabteilung, den das Land Salzburg im Oktober 2012 von der Deutschen Bank geholt hat und der das "Schattenportfolio" von Monika Rathgeber erst entdeckte - ein spannendes Psychogramm der beschuldigten Referatsleiterin ergeben.

Kutschera sagte aus, erstmals im Jahr 2001 Kontakt zu Rathgeber gehabt zu haben, als sie Referatsleiterin wurde. Er habe ihr in seiner damaligen Tätigkeit für die Deutsche Bank zunächst selbst aktiv Finanzprodukte angeboten. Im Zuge der Finanzkrise seien die Banken aber zunehmend restriktiver geworden.

"Rathgeber hat hochspekulativ agiert"

"Dann wurde es komplett anders. Rathgeber kam und sagte, genau das Produkt will ich haben." Sie habe dabei für eine öffentliche Hand hochspekulativ agiert, ein Grund, warum viele Produkte, die von ihr angefragt wurden, von der Deutschen Bank nicht abgeschlossen wurden.

Was denn hochspekulativ heißt, will ein Ausschussmitglied wissen. "Geschäfte, bei denen man unbegrenzt verdienen, aber auch unbegrenzt verlieren kann", so Kutschera. Nach der Finanzkrise hätten die Banken keine so hochriskanten Geschäfte mehr angeboten. Um allfällige Verluste auszugleichen, habe Rathgeber daher immer größere Beträge einsetzen müssen, weil weniger Risiko auch weniger möglichen Gerwinn bedeutet habe. "Das ist für mich die einzige Erklärung, weshalb ein so hohes Schattenportfolio entstanden ist."

"Habe etliche Produkte abgelehnt"

"Es gab etliche Produkte, die ich abgelehnt habe. Rathgeber war oft stinkbeleidigt und sauer und hat mich persönlich beschimpft, wenn das passiert ist. Sie wollte immer 100 Prozent, 90 waren ihr zu wenig", so Kutschera. Selbst wenn ein auf 20 Jahre ausgelegtes Geschäft nach zwei Jahren schon mit einem Gewinn von 80 von möglichen 100 Prozent bewertet war, hätte sie sich gegen eine Auflösung gesträubt. "Sie hat nicht die 80 Prozent plus gesehen, sie hat gesagt, da verliere ich 20 Prozent, wenn ich das Geschäft auflöse."

Kontakt mit Paulus gab es nur marginal

Ob er Paulus oder jemand andern beim Land über die hochriskanten Geschäfte Rathgebers informiert habe, will ein Ausschuss-Mitglied wissen. Kontakt mit Paulus habe es nur marginal gegeben, so Kutschera. "Aus heutiger Sicht wäre eine Warnung definitiv vernünftig gewesen. Aber für mich ist ein Weltbild zusammengebrochen. Bis Ende September war ich überzeugt davon, dass das, was im Land Salzburg im Finanzsystem gemacht wird - mit Limit-System, Richtlinien und Finanzbeirat -, dass man das nicht professioneller machen kann." Er wäre in seinen kühnsten Träumen nicht auf die Idee gekommen, dass Frau Rathgeber ein Geschäft nicht in den Portfolio-Report tue.

Kutschera beschrieb die 41-Jährige im Ausschuss als fachlich brillant. "Aber das Chaos, das sie hinterlassen hat, ist mir unbegreiflich und unverständlich." Man finde zwar jedes Derivat irgendwo abgelegt, "abzeichnungstechnisch" habe sie unprofessionell und in diesen Dimensionen unverantwortlich gehandelt. Er könne sich nicht vorstellen, dass sie weit mehr als 700 Einzelgeschäfte alle im Kopf gehabt hat. "Aber ihr traue ihr zu, die beiden Hauptrisiken - Zins- und Währungsrisiko - vor Augen zu haben. Da kann man schon abschätzen, in was für eine Richtung es geht."

Portfolio mit bis zu 750 Mio. Euro im Minus

An jenem 26. November, an dem Rathgeber bei einem Treffen mit dem damaligen Finanzlandesrat David Brenner (S) erstmals einen möglichen Verlust von 340 Mio. Euro einräumte, habe sie zugegeben, nicht alle Positionen an die Deutsche Bank gemeldet zu haben. Auf die Frage, ob es schon einmal schlimmer gestanden sei, habe sie damals gesagt, ja, in den schlimmsten Zeiten sei das Portfolio mit bis zu 750 Mio. Euro im Minus gewesen. Gemeldet habe sie das nie. "Sie sagte, sie wollte nicht, dass Panik ausbricht und dass sie alles selber wieder gutmachen wolle. Was ihr ja auch gelungen sei, weil jetzt das Minus nur mehr bei 340 Mio. Euro liege."

Kutschera selbst trat am 1. Oktober 2012 seinen Dienst im Land mit der Aufgabe an, das Finanzmanagement zu übernehmen. Am 4. Oktober - "mein erster eigentlicher Arbeitstag" - habe er bemerkt, dass neun Geschäfte nicht im offiziellen Portfolio-Report waren; in der Folge habe er alle Banken angeschrieben und um eine Auflistung gebeten. "Nach zwei Wochen waren alle Meldungen der Banken da. Das hat jene 253 Derivate ergeben, die nicht im Report dargestellt waren."

Paulus kannte sich mit Produkten nicht aus

Insgesamt stellte er der Abteilung kein gutes Zeugnis aus: "Hätte ich in dieser Abteilung gearbeitet, hätte ich das Schattenportfolio gleich bemerkt. Mir ist es ja am ersten Tag schon aufgefallen." Auf die Frage, wieweit sich Abteilungsleiter Hofrat Eduard Paulus mit derartigen Geschäften ausgekannt habe, meinte Kutschera: Sein Eindruck sei, dass sich Paulus nicht mit den einzelnen Produkten ausgekannt habe. "Er hat das aber auch nicht als seine Aufgabe empfunden, denn er hatte ja Experten in der Abteilung und den Finanzbeirat. Für Hofrat Paulus war das so in Ordnung."

Das offizielle Portfolio sei spekulativ gewesen, "aber es stand in keinem Vergleich zu dem, was ich im Schattenportfolio gefunden habe". Er habe daraufhin Paulus und Brenner informiert. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass im Land irgendwer wusste, dass es Positionen außerhalb des Portfolio-Berichts gibt." Er habe schließlich den Auftrag bekommen, das Schattenportfolio aufzulösen: "Das war aber definitiv kein Fire-Sale wie oft kolportiert." Es sei ihm gelungen, die Geschäfte ohne Verluste aufzulösen. Am Ende sei das Portfolio richtliniengerecht gewesen. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 17.09.2019 um 10:54 auf https://www.salzburg24.at/themen/finanzskandal/monika-rathgeber-veranlagte-hochspekulativ-42590230

Kommentare

Mehr zum Thema