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Rathgeber-Mitarbeiter wissen seit Juni von Unterschriftenfälschungen

Im Prozess um die Entlassung von Monika Rathgeber wurden auch ihre Mitarbeiter befragt. Neumayr/SB
Im Prozess um die Entlassung von Monika Rathgeber wurden auch ihre Mitarbeiter befragt.

Nur bedingt neue Erkenntnisse brachte Montagvormittag die Befragung der langjährigen Mitarbeiterin und Sekretärin der entlassenen Monika Rathgeber.

Die 60-jährige Beamtin, die in der Finanzabteilung in erster Linie den bevollmächtigten Mitarbeitern Dokumente zur Unterschrift vorlegte und abstempelte, bestätigte allerdings, dass der Mitarbeiter der entlassenen Referatsleiterin zumindest in einem Fall schon früh von einer gefälschten Unterschrift wusste.

Unterschriftenfälschung im Juni bemerkt

"Anfang Juni 2012 ist mir nach einem Urlaub aufgefallen, dass in ein Dokument die Unterschrift des Mitarbeiters von Frau Rathgeber hineinkopiert wurde." Als die Sekretärin den Mann darauf aufmerksam machte, habe dieser Rathgeber zur Rede gestellt. Dabei sei es zu einer lautstarken Diskussion gekommen. "Wie er mit der Information umgegangen ist, weiß ich aber nicht", sagte die Frau auf die Frage, ob der Mitarbeiter irgendjemanden über den Vorfall informiert habe.

Die Sekretärin berichtete auch von zunehmenden Spannungen im Büro, vor allem ab Mai 2012, "die mich selbst aber nicht betroffen haben." Über die Vorgänge, die schließlich im Entzug der Vollmachten für Rathgeber endeten, konnte die Zeugin nichts sagen: "Ich war von 3. Juli bis 31. August in Krankenstand." Hinweise auf weitere Ungereimtheiten habe es später nicht gegeben, mit den Protokollen des Finanzbeirats habe sie "überhaupt nichts zu tun" gehabt. Sie habe auch nicht darauf geschaut, ob weitere Dokumente mit falschen Unterschriften versehen waren.

Von Paulus zu Nachforschungen beauftragt

Erst am Nachmittag des 5. Dezembers hätten sie und der Kollege Rathgebers von Paulus den Auftrag bekommen, die Dokumente der letzten Zeit auf Unterschriftenfälschungen durchzusuchen. In dieser Zeit sei sie auch beauftragt worden, die Protokolle des Finanzbeirates auszuheben. "Dabei ist mir ausgefallen, dass bei vielen Dokumenten in der Explorer-Datei 'geändert' steht."

Nach der Sekretärin wurde Harald Kutschera als Zeuge einvernommen, das ist jener Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank, der im Oktober vom Land geholt wurde, um das Finanzmanagement von Rathgeber zu übernehmen. Er schilderte wie bei seiner Einvernahme vor dem Untersuchungsausschuss, wie er wenige Tage nach Dienstbeginn Anfang Oktober auf erste Derivatgeschäfte stieß, die nicht im offiziellen Portfoliobericht aufschienen, und schließlich eine Liste von 253 nicht gemeldeten Geschäften vorlegte.

"Spielt keine Rolle bei Entlassung von Rathgeber"

Er habe dann den Auftrag vom damaligen Finanzreferenten David Brenner (S) bekommen, ein Richtlinien-konformes Portfolio herzustellen und die Geschäfte unter Zuhilfenahme von im August und September erzielten Gewinnen“ ohne Schaden für das Land aufzulösen. "Das ist aus meiner Sicht gelungen." Paulus sei über die Vielzahl und das Volumen der Geschäfte schockiert gewesen. Auch Rathgebers Mitarbeiter war "definitiv überrascht, aber er war zu dieser Zeit wegen den gesundheitlichen Problemen seiner Frau eher selten da." Von den kopierten Unterschriften habe er zum ersten Mal am 5. oder 6. Dezember erfahren.

Die Empfehlungen und Weisungen des Finanzbeirats bezeichnete Kutschera als "ganz klar. Da gab es für mich keinen Zweifel." Der Kontakt zu Rathgeber sei aber schwierig gewesen: "Ich habe ihr Verhalten als feindselig empfunden. Es war 100-prozentig so, dass sie mit meiner Vorgehensweise nicht einverstanden war."

Mehrfach musste am Montag auch der Richter das Wort ergreifen, um die Anwälte Rathgebers ein wenig in die Schranken zu weisen, etwa als es darum ging, ob Kutschera die 253 Derivatgeschäfte mit einem Plus aufgelöst hat oder nicht. „Es ist nicht der Gegenstand dieses Verfahrens, ob Verluste entstanden sind oder nicht. Das ist Sache des Untersuchungsausschusses", so Richter Herbert Moritz. Und als Rathgeber-Anwalt Herbert Hübel wissen will, ob Kutschera wie Paulus Reserveoffizier beim Bundesheer sei, meinte der Richter. „Das spielt jetzt wirklich keine Rolle für die Entlassung der Klägerin."

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 24.06.2019 um 11:18 auf https://www.salzburg24.at/themen/finanzskandal/rathgeber-mitarbeiter-wissen-seit-juni-von-unterschriftenfaelschungen-42672559

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