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Interview-Reihe zur Wahl

ÖVP-LGF Wolfgang Mayer: "Frauenanteil gibt uns zu denken"

Wolfgang Mayer SALZBURG24/Wurzer
ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Mayer im Interview mit SALZBURG24-Chefredakteurin Nicole Schuchter. 

In rund fünf Wochen schreiten die Salzburgerinnen und Salzburger erneut zur Urne. Neu gewählt werden diesmal die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und Gemeinderäte. Während der Wahlkampf in den meisten Gemeinden schon begonnen hat, haben wir die jeweiligen Landesgeschäftsführer (LGF) zum Interview gebeten. Den Anfang macht Wolfgang Mayer von der ÖVP.

Wolfgang Mayer (40) ist seit 2011 Landesgeschäftsführer der Salzburger Volkspartei und seit 2013 Abgeordneter im Salzburger Landtag. Zudem fungiert er als Bereichssprecher für Sicherheit, Wohnen/Raumplanung und Rettungswesen innerhalb des ÖVP-Landtagsklubs.

Die Salzburger Volkspartei ist in den Gemeinden traditionell sehr stark verankert. Sie selbst bezeichnen die Salzburger ÖVP als Gemeindepartei. Gehen sie also relativ entspannt in die Wahl am 10. März?

Wir gehen in jede Wahl gelassen, was aber nicht heißt, dass wir sie nicht ernst nehmen. Wir nehmen die Wahl sehr ernst, weil wir glauben, dass die Gemeindeebene eine der wichtigsten Ebenen ist, die es in der Politik gibt, weil sie am nächsten bei den Menschen ist. Die Gemeindevertreter und vor allem der Bürgermeister sind Politiker die greifbar sind, die man ansprechen kann, die man persönlich kennt. Und es ergeben auch alle Umfragen, dass Gemeindepolitiker und Bürgermeister das höchste Vertrauen in der Bevölkerung genießen.

Die Volkspartei stellt in fast allen Salzburger Gemeinden, konkret in 114 einen Bürgermeisterkandidaten oder eine Bürgermeisterkandidatin auf. Mit wie vielen schwarzen Bürgermeistern oder Bürgermeisterinnen rechnen Sie nach der Wahl am 10. März?

Das kann man so nicht sagen. Aber wir hoffen, dass wir ungefähr das Niveau halten können.

Das wären dann 97 Bürgermeister.

Ja. Plus, minus drei – in diesem Feld wird es sich hoffentlich abspielen.

Welche Gemeinden werden aus ÖVP-Sicht besonders spannend?

Im Mittelpunkt steht schon die Stadt Salzburg. Ich glaube, dass wir hier ein spannendes Rennen haben werden, nachdem erst vor einem Jahr gewählt wurde. Und dann sind jene Gemeinden spannend, wo der amtierende Bürgermeister nicht mehr antritt. Da werden die Karten neu gemischt. Zum Beispiel in Oberndorf, Straßwalchen, Hallein undBruck.

In welchen Gemeinden hat die ÖVP die besten Chancen für einen schwarzen Bürgermeister?

Überall, wo wir den Bürgermeister stellen, müsste es in der Regel also so sein, dass wir das halten können. Denn amtierende Ortschefs werden meist mit hoher Zustimmung wiedergewählt.

Sie rechnen also damit, dass Harald Preuner den Bürgermeistersessel in der Stadt Salzburg behalten wird?

Wir sind sehr zuversichtlich. Das Rennen bei der Stichwahl gegen Bernhard Auinger war sehr knapp, aber ich glaube, dass seit Preuner Bürgermeister ist, sich die Wahrnehmung stark geändert hat. Es wird sehr geschätzt, wie er das Amt mit ruhiger Hand führt – und vor allem eines macht, nämlich mit dem Land gemeinsam Probleme zu lösen. Ich glaube, dass Preuner jetzt sogar bessere Chancen hat als im letzten Jahr.

Wolfgang Mayer SALZBURG24/Wurzer
Wolfgang Mayer kandidiert in der Stadt Salzburg auf einem hinteren Listenplatz - aus Solidarität zu Harald Preuner, wie er sagt. 

Was muss Ihrer Meinung nach ein guter Bürgermeister, eine gute Bürgermeisterin mitbringen?

Er oder sie muss ein hohes Maß an Empathie mitbringen, die Menschen sollten einem am Herzen liegen. Man braucht viel Verständnis von seinem Umfeld, weil es zeitlich ein sehr intensives Amt ist und eine gewisse psychische Robustheit, weil man auch Entscheidungen trifft, die unangenehm sind. Außerdem braucht man Teamfähigkeit, Grundkenntnisse in der Gemeinde- und Rechtsordnung und man muss ein Netzwerker sein. Eigentlich ist das ein Job, der ein Anforderungsprofil hat wie ein Manager eines sehr komplexen, großen und verantwortungsvollen Unternehmens.

Unter den 114 Kandidaten gibt es gerade einmal sieben Frauen. Tut man sich als Frau bei der ÖVP schwer oder tut sich die ÖVP bei den Frauen schwer? Woran liegt‘s?

Freilich ist das eine Zahl, die uns zu denken gibt. Ich glaube, dass sich die Frauen in der Kommunalpolitik grundsätzlich ein bisschen schwerer tun. Und da müssen wir Maßnahmen setzen. Wir haben eigene Frauen-Mentoring- und Förderprogramme. Aber das sind Prozesse, die dauern länger. Salzburg ist auch das Bundesland, mit dem geringsten Frauenanteil an Bürgermeistern in ganz Österreich. Oft ist es das in der Öffentlichkeit stehen, die mangelnde Streit- oder Diskussionskultur in der Politik, die sehr viele Frauen abschreckt. Meine Prognose ist, dass wir nach dem 10. März sicherlich mehr Frauen als Bürgermeisterinnen haben, als es jetzt der Fall ist. Aber auch das ist noch immer zu wenig. Wenn es ein Versäumnis von der ÖVP und auch den anderen Parteien gibt, dann ist es das, dass man das nicht langfristig genug angegangen ist.

Wie will die ÖVP die junge Generation ansprechen?

Bei den jungen Menschen ist es besser gelungen, sie zu integrieren, als bei den Frauen. Wir versuchen, sie früh anzusprechen und sie für Projekte zu begeistern. Zurzeit haben wir viele Bürgermeisterkandidaten, die unter 30 Jahre alt sind. Das war früher undenkbar. Das hat sich bestimmt auch das Bild durch Sebastian Kurz etwas gewandelt.

Was können Sie uns zur Wahlkampfstrategie der Salzburger Volkspartei verraten?

Es gibt keine Wahlkampfstrategie, es gibt 119 Wahlkampstrategien. Keine Gemeinde ist mit einer anderen vergleichbar. Daher muss die Strategie auf die jeweilige Gemeinde, auf den Kandidaten selbst und auf die soziostrukturellen Parameter angepasst werden. Und da geben sich die Ortsparteien auch viel Mühe. Das gefällt mir persönlich auch sehr gut und wir als Landespartei lernen auch viel aus den Gemeinden.

Wie hoch ist das Wahlkampfbudget?

Das kann ich erst beantworten, wenn ich weiß, wie viel die jeweiligen Ortsparteien in ihren Wahlkampf investieren. Die Landespartei schießt rund 200.000 Euro zu.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Quelle: SALZBURG24)

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