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Werbe-Experte Zezula

"SPÖ-Verluste nicht wegen Neutor-Sperre"

zezula2a.jpg APA/Franz Neumayr/Thomas Zezula
Werbe-Experte Thomas Zezula hat für uns das Wahlergebnis in der Stadt Salzburg analysiert.

Die Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen in Salzburg sind weitgehend geschlagen. In der Stadt Salzburg und zehn anderen Gemeinden kommt es dabei am 24. März zu einer Stichwahl. Das Ergebnis vom Sonntag hat der Salzburger Werbe-Experte Thomas Zezula für uns analysiert und traut sich zudem eine erste Wählerstromanalyse zu.

SALZBURG24: Herr Zezula, ist der große Erfolg der ÖVP im Land Salzburg tatsächlich auch auf die Wahlkampfstrategie zurückzuführen?

THOMAS ZEZULA: Naja, die ÖVP hat im Land ja gar nicht so viel zugelegt, große Zuwächse gab es in der Stadt Salzburg. Die Wahlkampfstrategie aber war aus meiner Sicht nicht besonders. Es war eher die in der Bevölkerung vorherrschende Stimmungswelle, die mitgenommen und genutzt wurde.

Wie konnte die ÖVP ihren Vorsprung in der Stadt Salzburg derart ausbauen?

Es war wohl eine Kombination aus Bürgermeisterbonus – auch wenn es nur ein kurzer war – und unaufgeregter Politik ohne Skandale. Die Themen dazu waren bekannt, jede Partei beschäftigte sich mit Verkehr, Wohnen, Sicherheit. Es gab also kein Thema, das eine Partei unwählbar machen würde. Es gab zudem relativ wenig Gegenwind und Harald Preuner ist ein sehr souveräner Konsensmensch. Diese Strategie aus selbstbewusstem Auftreten, positivem Ausblick und bereits vorherrschendem Rückenwind hat die ÖVP sehr gut umgesetzt und ist mit der Grund, warum die Wahl so fulminant gelungen ist.

Sind die Verluste der SPÖ auf die Sperre des Neutors zurückzuführen?

Das glaube ich eher nicht. Ein Punkt ist aber sicher die niedrige Wahlbeteiligung und die offenbar nicht so gelungene Mobilisierung der Wähler in überwiegenden SPÖ-Bezirken. Aber ich denke, die großen Verluste sind nicht durchs Neutor entstanden. Die Wahlwerbung mit dem übergeordneten Thema „Wir“ und „Politik mit Herz“ ist an sich gut und menschlich. Ich denke aber, dass der SPÖ letztendlich die Themen gefehlt haben.

Wo sehen Sie den Grund für das Plus der Bürgerliste?

Das liegt wohl mit Martina Berthold an der jungen frischen Kandidatin, die sich bereits als Landesrätin positiv hervorgetan hat. Bei der letzten Wahl haben die Grünen in der Stadt Salzburg stark verloren. Die Kandidatin hat es aber dieses Mal geschafft, wieder an frühere Hochzeiten heranzukommen. Das zeigt auch, dass es in der Stadt Salzburg seit Jahrzehnten ein großes Potential für die Bürgerliste gibt.

Was war der Grund für das bescheidene Abschneiden der FPÖ?

Im rechten Spektrum hat es wohl eine Abwanderung von der FPÖ zur ÖVP gegeben. Zudem dürften die internen Streitereien, die es vor der Wahl gegeben hat, den Freiheitlichen zugesetzt haben. Die FPÖ hat dieses Mal die Themen Sicherheit und „den rechten Weg gehen“ fast schon behutsam kommuniziert. Im Allgemeinen war der Wahlkampf der FPÖ dieses Mal nicht so scharf, wie man es sonst gewohnt ist.

Hat der Abgang von Barbara Unterkofler den NEOS stark zugesetzt?

Ja, mit Sicherheit. Hier trat ja die bisherige Spitzenkandidatin für die ÖVP an. Und gerade bei Gemeinderatswahlen ist ja immer die Persönlichkeit des Spitzenkandidaten oder der Spitzenkandidatin ausschlaggebend. Lukas Rößlhuber hat als Baustadtrat zwar etwas Erfahrung, dieses Polit-Wissen ist aber nicht für alle Wählergruppen von Bedeutung.

Hat das Thema Wohnen der KPÖ Plus zum Einzug in den Gemeinderat verholfen?

In diesem Fall wohl eher nicht. Ich denke, es war die neue Konstellation des Wahlbündnisses mit einem sehr dynamisch wirkenden, intelligenten und jungen Kandidaten. So sorgte die KPÖ Plus für frischen Wind in der Stadt Salzburg. Das hat wohl diese paar Prozent gebracht, was ja letztlich eine Bereicherung der Demokratie ist.

Kann man bereits eine Einschätzung geben, wohin Wähler abgewandert sind?

Naja. Fakt ist, die Wähler sind überwiegend zu den Nichtwählern abgewandert. Immerhin haben 52 Prozent nicht gewählt – womit vor allem die SPÖ hadert. In klassischen SPÖ-Bezirken war die Wahlbeteiligungen am niedrigsten. Dazu kommt noch, dass im linken Spektrum die Grünen und die KPÖ Plus zugelegt haben, während die SPÖ verloren hat. Die Wähler sind aber nicht eins zu eins von einer Partei zur anderen gewechselt. Hier hat es wohl bei den Menschen einen Bewusstseinswandel gegeben, den man ja auch landes- und bundesweit sieht.

Herr Zezula, vielen Dank für das Gespräch.

Sehr gerne!

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 20.07.2019 um 08:36 auf https://www.salzburg24.at/themen/gemeinderats-und-buergermeisterwahlen/werbe-experte-thomas-zezula-analysiert-wahl-in-salzburg-67079596

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