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Landtagswahl: Hans Mayr im SALZBURG24-Interview

Wir haben uns mit Hans Mayr über seine Chancen bei der Landtagswahl unterhalten. APA/FRANZ NEUMAYR
Wir haben uns mit Hans Mayr über seine Chancen bei der Landtagswahl unterhalten.

Salzburg wählt am 22. April einen neuen Landtag. Antreten wird auch der ehemalige Landesrat Hans Mayr, der im Jänner dieses Jahres nach einer „Spendenaffäre“ seinen Regierungsrücktritt erklärt hat. Im Zuge unserer Interview-Reihe mit allen Spitzenkandidaten haben wir mit Mayr über seine politische Motivation, Fehler in der Vergangenheit und sein ambitioniertes Wahlziel gesprochen.

 SALZBURG24: Warum kandidieren Sie bei der Landtagswahl?

HANS MAYR: Aufgrund der schönen Erfahrungen der letzten viereinhalb Jahre. Mir hat es wirklich viel Spaß gemacht, auf Landesebene versuchen zu agieren wie ein Bürgermeister. Das heißt, den Bürger und die Sachpolitik in den Mittelpunkt zu stellen. Das ist mir in vielen Bereichen auch sehr gut gelungen.

Ich bin jedes Jahr mit dem Auto rund 80.000 Kilometer herumgefahren, um die Probleme der Menschen vor Ort anzusehen und Lösungen zu suchen. Es ist für mich ein Erfolg, wenn man auf einer Position sitzt, wo man den Menschen helfen kann. Dafür brenne ich und deshalb mache ich weiter.

Was erhoffen Sie sich durch den Antritt bei der Landtagswahl?

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die jetzigen Umfragen ziemlich getürkt werden. Wir haben festgestellt, dass eine Umfrage getätigt wurde, bei der wir definitiv nicht abgefragt worden sind und plötzlich steht in der Zeitung, wir seien bei einem Prozent. Die Erfahrungen, die wir beim Sammeln der Unterstützungserklärungen gemacht haben, waren unwahrscheinlich positiv. Und wir werden eine Überraschung abliefern.

Das heißt?

Das heißt, wir werden in den Landtag einziehen.

Sie gehen also davon aus, dass die Liste Hans Mayr die Fünf-Prozent-Marke schafft?

Ja.

Das ist ambitioniertes Ziel.

In unserer Rechnung bleiben 18 bis 20 Prozent übrig, die sich auf Grün, NEOS, uns und den Rest aufteilen. Und da möchten wir stark mitmischen.

Wer ist denn ihr schärfster Konkurrent?

Ich glaube, eher sind wir die scharfen Konkurrenten.

Wie werden Sie ihre Wahlkampfkampagne ausrichten?

Wir stellen die Nähe zum Bürger und das bewusste Arbeiten in den Vordergrund. Wir wollen uns nicht hinter einen Amtsschimmel verziehen, sondern die Menschen wirklich anhören und zumindest versuchen, die Probleme zu lösen und die Wünsche zu begreifen.

Das ist doch etwas, was ich mir als Wähler von einem Politiker sowieso erwarte.

Ja, absolut. Nur die Praxis zeigt, dass es anders ist. Ich habe in der Vergangenheit immer wieder miterlebt, dass es bei anderen Politikern nicht so einfach ist, sich als Bürger zu äußern. Bei mir hat jeder einen Termin bekommen. Ganz egal, ob das eine alleinerziehende Mutter oder ein Industrieller war. Ich habe in meinem Büro auch einen eigenen Referenten für Bürgeranliegen gehabt. So hatte ich in den viereinhalb Jahren über 3.000 Termine.

Sie waren bis Mitte Jänner als Landesrat in der Regierung. Was hat Ihnen an der Regierungsarbeit besonders gut gefallen?

Das waren viereinhalb Jahre harmonische Zusammenarbeit. Ich habe mich als Landesrat von meinen Regierungspartnern nie behindert gefühlt und konnte viele Akzente setzen. So etwas war noch nie da, dass fast eine gesamte Legislaturperiode sieben Menschen so gut zusammengearbeitet und zusammengeholfen haben.

Ihr Rücktritt als Landesrat werten viele als Schuldeingeständnis. War es die richtige Entscheidung?

Das war kein Schuldgeständnis. Die ganze Sache war von langer Hand geplant. Ich bin im Nachhinein draufgekommen, dass es seit Oktober eine Gruppe von Journalisten und Politikern gab, die an meiner Demontage gearbeitet haben. Natürlich ist dann rein zufällig kurz vor der Wahl eine völlig haltlose Anzeige bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft eingetroffen. Das war bewusste politische Intrige.

Der Grund meines Rücktritts ist ein anderer: Dadurch, dass sich einige Medien gegen mich verschworen hatten, hat einer der Regierungspartner die Nerven verloren und gemeint, wenn es zum Misstrauensantrag kommen würde, würden sie mitgehen. Und dem bin ich zuvorgekommen, weil ich mich nicht durch einen Misstrauensantrag hinauswerfen lasse.

Sie würden also wieder so handeln?

Absolut. Denn ich hätte nicht von Wilfried Haslauer verlangen können, dass er vier Monate vor der Wahl die Regierung auflöst. Das wäre ein Unding gewesen. Die ÖVP hat sich sehr bemüht, die Regierung in der Dreierkonstellation zu finalisieren und mit den Grünen doch noch eine Einigung zu finden.

Was ist in dieser gesamten „Spendenaffäre“ aus Ihrer Sicht falsch gelaufen?

Ich habe einen Fehler gemacht. Mein Fehler lag in der Kommunikation und das muss ich mir eingestehen. Sie müssen sich vorstellen, wir bekommen keinen Cent an Steuergeldern. Das heißt, wenn wir zur Wahl antreten, müssen wir uns alles selbst finanzieren. Natürlich war es Thema, wie wir genügend Spenden für die Wahl zusammenbekommen. Die Spender, die mir etwas gegeben haben, wollten nicht, dass ich deren Namen nenne, was ich ihnen auch zugesagt habe. Dann kamen die ersten Meldungen von Journalisten, worauf ich versucht habe, dieses Versprechen zu verteidigen und die Journalisten haben von mir keine Namen bekommen. Und genau das war der Fehler.

Wie lange haben Sie denn mit der ganzen Sache gehadert?

Sehr lange. Ich habe bis Ende Jänner selbst nicht geglaubt, dass ich es schaffen werde zurückzukehren. Ich war schwerst angeschlagen, war aber von Beginn weg in sehr guter familiärer und ärztlicher Betreuung. Irgendwann kam der Zeitpunkt an dem ich eine Entscheidung treffen musste.

Und diese ist genau wie?

Wenn das nicht ganz glatt über die Bühne geht, trete ich aus allen Funktionen zurück und verlasse die Politik.

Das heißt, wenn Sie ihr Wahlziel nicht erreichen, ist das Thema Politik für Sie Geschichte?

Ich denke schon. Ich werde dann versuchen, dass ich in der Privatwirtschaft irgendwo unterkomme. Aber an das denke ich jetzt noch gar nicht. 

Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Jetzt wieder gut.

Sie haben als Bürgermeister von Goldegg Ihre politische Karriere begonnen. Warum sind Sie damals eigentlich in die Politik gegangen?

2003 bis 2008 war ich Mitglied der Gemeindevertretung. Der damalige Bürgermeister ist in Pension und daraufhin kam die Frage auf, ob ich das nicht machen wolle? Ich habe das mit meinem damaligen Arbeitergeber, der Hypobank, abgesprochen und war dann fünf Jahre lang Bürgermeister und habe gleichzeitig die Bank geleitet. In dieser Zeit ist es mir gelungen, viel weiterzubringen. Es ist gelaufen wie am Schnürchen. Als als die Anfrage vom Team Stronach kam, habe ich nach anfänglichem Zögern zugesagt, weil mir die Arbeit so viel Spaß gemacht hat. Mein großes Ziel war immer auf Landesebene zu agieren wie ein Bürgermeister. Und das habe ich auch erreicht.

Sie waren in Ihrer Zeit als Landesrat immer viel Kritik ausgesetzt. Wie sind Sie damit umgegangen?

Das ist logisch. Weil, wenn du nichts machst, bekommst du auch keine Kritik. Die, die am wenigsten auffallen, machen die größten Karrieren in der Politik. Wenn du umrührst, wenn du veränderst und wenn du nicht das tust, was die Mächtigen in der Politik wollen, sondern das, was den Bürgern zugutekommt, dann bist du automatisch der Kritik ausgesetzt.

Im Wahlkampf spielen Soziale Medien eine immer wichtigere Rolle – auch in der Interaktion mit potentiellen Wählen. Ist Facebook für Sie Fluch oder Segen?

Ich mache mir große Sorgen über den Stil in der Politik, über das Schlechtmachen von Menschen, das ich persönlich miterleben musste. Und da kommt natürlich sehr viel über Facebook. Da kann ich auf jemanden einhacken, den ich nicht face-to-face vor mir habe und da wird so manche Hemmschwelle maßlos überschritten. Das Positive ist, man kann sehr schnell und einfach mit sehr vielen Menschen Kontakt halten.

Wir nützen dieses Medium jedoch verstärkt, weil wir sehr wenig Geld für den Wahlkampf zur Verfügung haben.

Wie viel Geld haben Sie?

Wenn es hoch hergeht haben wir vielleicht 100.000 Euro. Und das musst du sehr gezielt einsetzen. Wir gehen viel in die Orte hinaus, machen Veranstaltungen im ganzen Land, es wird auch ein paar Inserate in Zeitungen geben. Der beste Druck ist aber der Händedruck. Aus diesem Grund werden wir sehr viel auf Märkten, Stadt- und Dorfplätzen oder in Einkaufszentren sein. Wir wollen mit so vielen Menschen wie möglich in direkten Kontakt treten.

Gibt es denn die Hotline „Sag’s dem Hans“ noch?

Zugegeben, es ist etwas weniger worden, aber es gibt sie noch. Es rufen auch immer wieder Menschen an.

Und was sind so die Anliegen?

Es gibt viel Zuspruch. Und immer wieder Fragen zu den Themen Wohnbau und Mobilität. Da versuche ich auch immer weiterhin zu helfen und zu vermitteln.

Zum Abschluss bitte ich noch um Ihre drei Wünsche für das Land Salzburg – und zwar ganz unabhängig vom Ausgang der Landtagswahl.

Ich wünsche mir, dass wir es in der Raumordnung schaffen, dass die Grundpreise heruntergehen und dadurch Wohnungen billiger werden. Zweitens, dass man im Bereich der Mobilität endlich die Dinge macht, die zu machen sind. Das heißt, ein von der Straße unabhängiges Verkehrssystem, das die Salzburger Altstadt mit Bahnhof, Flughafen, Europark, Stadion und Messe verbindet. Und der dritte Wunsch ist, dass Salzburg hat einen Wirtschaftsaufschwung Salzburgs fortgesetzt wird.

Damit schließe ich das Interview. Danke für Ihre Zeit, Herr Mayr.

Natürlich gerne.

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