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Landtagswahl: Marlene Svazek im SALZBURG24-Interview

Marlene Svazek übernahm die Salzburger FPÖ im Jahr 2016. APA/Franz Neumayr
Marlene Svazek übernahm die Salzburger FPÖ im Jahr 2016.

In einer anderen Konstellation als noch 2013 tritt die Salzburger FPÖ bei der Landtagswahl am 22. April an. Nach der Trennung von Karl Schnell hat Marlene Svazek das Ruder übernommen. Im Interview mit SALZBURG24 erzählt die 25-jährige Spitzenkandidatin, wie sich die Freiheitlichen mit der SPÖ um Platz zwei streiten wollen und wieso die ÖVP in Salzburg „wenig türkis“ ist.

SALZBURG24: Die Landtagswahl am 22. April wird eine Art Generalprobe für die Salzburger FPÖ seit der Spaltung von Karl Schnell. Sind Sie guter Dinge, Frau Svazek?

MARLENE SVAZEK: Grundsätzlich bin ich optimistisch. Aber es handelt sich natürlich um eine Generalprobe. Wir haben uns vor drei Jahren neu aufgestellt und sind in dieser Konstellation noch nie bei einer Wahl angetreten. Streng genommen starten wir also bei Null. 

Wie denken Sie heute über die Trennung von Karl Schnell?

Es war keine schöne Zeit, das hat uns natürlich alle ein wenig mitgenommen. Ich war damals Mitarbeiterin und somit komplett im Spannungsfeld. Die Abspaltung war dann auch der Grund, warum ich mich dazu entschieden habe, nach Brüssel zu gehen. Ich wollte etwas Abstand zur Partei bekommen. Mittlerweile glaube ich aber, dass dieser Schnitt notwendig war. So unlustig das für uns alle in dieser Zeit war, so notwendig ist es auch gewesen. Die Angelegenheit ist nun drei Jahre her, für mich ist das abgehakt und kann unter 'Vergangenes' eingeordnet werden.

In Salzburg scheint die Beziehung zur ÖVP nicht so harmonisch wie auf Bundesebene. Woher kommt das?

Ich glaube, dass man die ÖVP in Salzburg nicht mit der ÖVP auf Bundesebene vergleichen kann. Ich sehe in Salzburg wenig Türkises, Wilfried Haslauer ist eben auch nicht Sebastian Kurz. Haslauer steht für mich für die alteingesessene ÖVP. Warum das Verhältnis nicht so optimal ist, wurzelt im Streit nach der Spaltung. Die ÖVP und die Landesregierung haben damals bewusst versucht, uns finanziell auszuhungern. Wir haben uns dagegen zur Wehr gesetzt, das ist die ÖVP vielleicht nicht gewohnt.

Daraus ergaben sich uns gegenüber wohl ein paar Vorurteile. Ich habe aber mit sehr vielen ÖVP-Bürgermeistern eine sehr gute Gesprächsbasis. Die Spitze der ÖVP ist vielleicht noch nicht so überzeugt von uns. In der Basis aber merkt man, dass es viele gibt die sich wünschen, dass wir in der nächsten Regierung mit dabei sind.

In Salzburg dürfte die ÖVP als Sieger aus der Landtagswahl gehen. Ist eine Regierungsbeteiligung für Sie denkbar?

Wir haben immer gesagt, dass wir zur Verfügung stehen. Letztendlich aber wird es natürlich auf das Wahlergebnis ankommen. Um jeden Preis verkaufen wir uns nicht. Ich denke, wenn man als Partei antritt, dann sollte man schon den Anspruch haben, mitzugestalten. Und das funktioniert aus der Opposition heraus eben eher schlecht.

Wie ist Ihre eigene Einschätzung zum Wahlausgang?

Uh, spannend. Die ÖVP wird ganz klar Erster werden, da müsste schon etwas ganz Grobes passieren, dass das nicht der Fall ist. Das Rennen um Platz zwei wird spannend. Ich glaube, wir werden uns mit der SPÖ bis zum letzten Tag darum 'matchen'. Platz drei geht dann eben entweder an uns oder die SPÖ. Platz vier geht an die Grünen. Ich glaube auch, dass sie sich prozentual halbieren werden, aus dem Landtag werden sie allerdings nicht fliegen. Die NEOS schaffen es auch, der Rest wird klar unter fünf Prozent bleiben.

In Sachen Frauenpolitik schlagen Sie einen etwas anderen Weg ein. Sehen Sie sich grundsätzlich als Feministin?

Ich bin mir sicher, dass ich vor ein paar Jahrzehnten Feministin gewesen wäre. Damals ist es darum gegangen, der Frau ihre Rechte zu geben und sie zu emanzipieren. Mittlerweile glaube ich aber, dass das geschafft ist und der Feminismus sich verrannt hat. Es geht nicht mehr darum, Frauen bestmöglich zu unterstützen, sondern vorrangig darum, die Frau in der Opferrolle zu sehen. Meiner Meinung nach muss die Frau aber nicht mehr in irgendeiner Form befreit werden. Vielmehr sollte man individuelles Glück ermöglichen und nichts aufzwingen, weder den klassischen Lebensweg bei den Kindern zuhause oder der andere Weg, bei dem Beruf und Karriere Vorrang haben. Jede Frau soll das für sich selbst entscheiden, da sollte die Politik nicht reinreden. Es wird nur dann happig, wenn Frauen unterdrückt werden und nicht gleichberechtigt sind.

In der Salzburger Landespolitik ist Tempo 80 ein großes Streitthema. Sie wollen die Beschränkung auf der Stadtautobahn abschaffen. Hört die Heimatliebe bei der Umwelt auf?

Umweltschutz ist mir persönlich schon ein großes Anliegen, das fällt für mich unter Nachhaltigkeit. Ich bin relativ jung, und wer weiß, wie lange wir die Natur noch so haben, wie sie heute ist. Ich glaube nur nicht, dass der 80er so DIE Maßnahme für den Umweltschutz ist. Ich stelle das gerne gegenüber: Wir haben nun den 80er auf der Autobahn. Der ist teilweise richtig gefährlich, vor allem beim Spurwechsel und beim Einordnen. Auf der anderen Seite stehen dann so Angelegenheiten wie die 380-kV-Freileitung. Bei der gibt es bezüglich Umweltschutz offensichtlich kaum Probleme, obwohl die Leitung eine extreme Belastung darstellt.

Bei dem Steinbruch am Lidaun (Anm.: Geplanter Steinbruch in Faistenau, Flachgau) beispielsweise handelt es sich um einen extremen Eingriff in die Umwelt und die Landschaft. Der hat sogar teilweise Auswirkungen auf die Wasserversorgung. Diese Dinge fallen für mich unter Umweltschutz, und da sagt niemand etwas. Für mich ist das eine Doppelmoral.

Auf Facebook äußerten Sie mitunter ihren Unmut über einzelne Medienhäuser. Fühlen Sie sich von den Medien im Land Salzburg fair behandelt?

Mit den Salzburger Journalisten habe ich bislang wenig Probleme gehabt. Ich glaube, dass einander auf Augenhöhe und mit Respekt begegnet wird. Dass ich aber über manche Berichterstattungen nicht ganz so glücklich bin, ja, damit muss ich eben leben. Wo ich mich schon ärgere, ist, wenn es um Dinge geht, die meine Person betreffen und ich einfach nicht dazu befragt werde. Von einer fairen Zusammenarbeit erwarte ich mir, dass man kurz zum Hörer greift und mich anruft.

Ansonsten muss ich aber sagen, dass ich in der Salzburger Medienlandschaft mit allen ein sehr gutes Gesprächsklima habe. 

Nun kommen wir zu einem etwas anderen Thema in unserem Interview. Soziale Medien werden auch von der FPÖ intensiv genutzt. Sehen Sie Facebook & Co. eher als Fluch oder eher als Segen?

Ein bisschen von beidem. Ich bin auf Facebook sehr umtriebig und mache das auch schon lange. Natürlich ist es einerseits Segen, weil man irrsinnig schnell auf Dinge reagieren kann. Fluch: Ja, auch ein bisschen. Vor allem, weil eben alles so schnell geht. Gerade Facebook ist aber auch ein Empörungsmedium. Das, was früher Thema am Stammtisch war und worüber man geschimpft hat, das verlagert sich nun auf Facebook.

Betreuen Sie ihre Facebook-Seite selbst?

Ja, ich mache auf Facebook alles selber. Einzig die Kommentare werden von meinen Mitarbeitern durchgegangen. Ich poste aber selbst und lese mir auch die Kommentare durch, die ich auch versuche zu beantworten.

Wie gehen Sie selbst mit Hass oder Hetze in den sozialen Medien um?

Es gibt natürlich viele Kommentare, die hasserfüllt sind und unter Hetze fallen. Ich bin da relativ konsequent, wenn ich so etwas sehe, dann wird das gelöscht. Als Seitenbetreiber ist man dafür ja auch verantwortlich.Wenn ich direkt angefeindet werde, versuche ich auch, direkt zu antworten. Da merkt man dann schnell, dass sich das Gesprächsklima verändert. Die Leute schätzen die Antwort und beruhigen sich dann wieder. Mir kommt aber vor, dass es hier einen Unterschied zwischen Twitter und Facebook gibt. Auf Twitter ist die Kritik eher gegen die eigene Person gerichtet. Auf Facebook betrifft es mehr die Thematik. Auf Twitter habe ich mich deshalb erst kürzlich abgemeldet. 

Sie sind sehr jung politisch aktiv geworden. Haben Sie mit einem so steilen Einstieg in die Politik gerechnet?

Nein, ehrlich gesagt nicht. Mein Plan war es ursprünglich gar nicht, in die Politik zu gehen. Ich habe eigentlich Politikwissenschaft studiert, weil ich Journalistin werden wollte. Ich wollte ursprünglich Politik beschreiben und beobachten, nicht direkt mitgestalten. Es hat sich dann aber die mittlerweile fast schon ein bisschen berühmte Geschichte des Praktikums bei der FPÖ ergeben. Ich habe mir damals gedacht, dass es spannend wäre, ein Praktikum bei einer Partei zu machen und das Innenleben ein bisschen mitzubekommen. Da bin ich eben bei der FPÖ gelandet und habe dann irgendwann die Stelle gehabt. Mit meiner Rolle als Mitarbeiterin im Hintergrund war ich sehr zufrieden, der Wechsel in den Journalismus war dann aber natürlich schwierig. Dass sich letztendlich alles so rasch entwickelt, damit habe ich nicht gerechnet.

Nun sind Sie Landesobfrau, Generalsekretärin und Nationalratsabgeordnete. Gibt es ein Amt, das Sie noch bekleiden wollen?

Nicht wirklich. All die Ämter, die ich nun innehabe, habe ich nie angestrebt. Die sind 'passiert', ich hatte keine Erwartungshaltung. In der Politik gibt es so viele spannende Felder, aber nichts, das ich noch unbedingt machen will. In der Politik sind die wenigsten Dinge planbar, sagen wir mal so.

Zum Abschluss haben wir noch eine persönliche Frage, abseits der Politik. Was würden Sie sich für das Land Salzburg wünschen, wenn Sie drei Wünsche frei hätten?

Also ich würde mir wünschen, dass wir die Vielfältigkeit der Natur so bewahren, wie wir sie jetzt haben. Die Schönheit Salzburgs mit Bergen, Seen und einer intakten Landschaft, das sollte so bleiben. Dafür sind wir bekannt und deswegen leben wir gerne hier in Salzburg.

Für die Salzburger an sich wünsche ich mir, dass sie manchmal ein bisschen bodenständiger sind.

Zudem sollten traditionelle Dinge und Brauchtümer, wie beispielsweise das Maibaumaufstellen, in Salzburg erhalten bleiben. Das macht uns aus und abseits von Festspielen und Co. auch sympathisch.

 

Vielen Dank für die Zeit und das Gespräch, Frau Svazek.

Sehr gerne.

Aufgerufen am 17.12.2018 um 06:23 auf https://www.salzburg24.at/themen/landtagswahl/landtagswahl-marlene-svazek-im-salzburg24-interview-58091572

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