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Alexander Pereira sieht "die Festspiele nahezu an die Wand fahren"

Der neue Intendant der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, übt in einem am Donnerstag erscheinenden Interview mit der Zeitschrift "Bühne" heftige Kritik am Festspiel-Kuratorium.

Auf der einen Seite werde durch nicht vom Subventionsgeber abgegoltene Tariflohnerhöhungen das Geld für die Kunst immer knapper. Andererseits: "Wenn ich Sponsoren auftreibe, dann sagt man, ich mache die Festspiele von Wirtschaftsinteressen abhängig." Pereira sieht dringenden Handlungsbedarf: "Was ich dem Kuratorium aufzeigen muss, ist, dass es in aller Ruhe zuschaut, wie die Festspiele nahezu an die Wand fahren." Pereira, dessen erste Festspiele am 20. Juli mit dem Auftakt der neuen Serie "Ouverture spirituelle" starten, beklagt sich bitter über geringes Interesse an seinen Plänen und mangelnden Mut. Er habe mit den Pfingstfestspielen bewiesen, "dass man von einem Jahr auf das andere die Umsätze von 550.000 auf 1.100.000 Euro steigern kann" und könne auf eine starke Steigerung der Bestellungen für die Sommerfestspiele verweisen, "aber es interessiert letztlich überhaupt nicht", sagt er im Interview. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass man mir ins Gesicht sagt, wie sehr man mir vertraut und mir hinten herum dieses Vertrauen verweigert." Um Tariferhöhungen aus Eigenem zu finanzieren, hätte er "bis 2014 zweieinhalb Produktionen streichen müssen, 2015 wäre dann die dritte weg gewesen. Und spätestens ab diesem Jahr wären die Salzburger Festspiele nicht mehr in der Lage gewesen, neu zu produzieren. (...) Nachdem man mich als Intendanten geholt hatte, habe ich eine Analyse gemacht und bin zu Tode erschrocken, als ich das feststellen musste. Daher habe ich gesagt, wir müssen wieder so in die Kunst investieren, dass die Festspiele weltweit ihre Funktion wahrnehmen können." Darunter verstehe er eben vorwiegend Neuproduktionen, für die man eigens nach Salzburg fahre. Das Kuratorium hat jedoch kürzlich die Entscheidung über das Budget 2013 auf Ende Juli vertagt. "2013 ist ein spezielles Jahr, das teurer wird als andere Jahre", erklärt Pereira in der "Bühne". Einerseits gelte es, den 200. Geburtstag von Verdi und Wagner zu feiern. "Leider haben diese beide Herren keine Symphonien geschrieben, daher muss ich in den Konzerten konzertante Opern machen." Außerdem plane er ein Spezialprojekt mit der venezuelanischen Jugend-Initiative El Sistema und wolle rund tausend Kinder und Jugendliche nach Salzburg bringen. "Das ist logischerweise ein einmaliges Projekt und kostet 2,7 Millionen Euro, die ich zur Gänze aus Sponsorenmitteln aufbringen werde. Da geht es nicht um eine Ausweitung der Festspiele, sondern um eine einmalige Sache. Das muss auch das Kuratorium zur Kenntnis nehmen." Global denkt Pereira auch bei seiner Suche nach neuen Sponsoren: "Das ist eine weltweite Suche. Ich fahre von Sao Paulo über New York nach Shanghai und Tokio, Paris und London, um dort Sponsoren für die Salzburger Festspiele zu finden. Das ist auch richtig so, denn die Welt will, dass in Salzburg etwas entsteht, was sie sich kulturell zum Vorbild nehmen kann. Bedenken Sie auch die große wirtschaftliche Bedeutung für die Region. Wenn man meine Politik mitträgt, werde ich 2013 und 2014 für die Region eine jährliche Umwegrentabilität von rund 40 Millionen Euro lukrieren, und das in Zeiten, die schwierig sind. Dass ein Land es sich leisten kann, eine solche Prosperitätsinjektion nicht zu machen, wäre in meinen Augen verantwortungslos." Pereira sieht die Festspiele an einem Scheideweg: "Wenn man sich gegen diesen Weg entscheidet, dann frage ich mich, wofür man mich geholt hat." (APA)
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 16.04.2021 um 02:32 auf https://www.salzburg24.at/themen/salzburger-festspiele/alexander-pereira-sieht-die-festspiele-nahezu-an-die-wand-fahren-59352454

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