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Alexander Pereira will an der Scala zeigen, "dass ich mein Geschäft verstehe"

Pereira will in Mailand zeigen, "dass er sein Geschäft versteht". APA/Gindl
Pereira will in Mailand zeigen, "dass er sein Geschäft versteht".

Die Wogen scheinen sich geglättet zu haben: Sowohl die Mailänder Scala wie auch ihr designierter Intendant Alexander Pereira betonen, nach den Unstimmigkeiten mit dem gefundenen Kompromiss zufrieden zu sein. "Nun habe ich bis Ende 2015 Zeit zu beweisen, dass ich mein Geschäft verstehe", erklärte Pereira gegenüber dem "Standard" (Samstag-Ausgabe). Sein Vertrag wurde auf 15 Monate verkürzt.

Grund dafür war ein umstrittener Opernkauf von den Salzburger Festspielen, der vom Aufsichtsrat der Scala kritisiert wurde. Pereira betonte allerdings, dass er dabei nicht mit sich selbst als Intendant der Festspiele einen Vertrag abgeschlossen habe. "Meine Nachfolger, Sven-Eric Bechtolf und Helga Rabl-Stadler, haben gemeinsam entschieden, ob sie das Angebot der Scala annehmen." Dabei ging es um einen Betrag von 690.000 Euro, wiewohl die Salzburger Verantwortlichen zunächst "wesentlich mehr" verlangt hätten, so Pereira. "Wir haben hin und her verhandelt und uns schließlich auf diesen Preis geeinigt." Zuvor seien von Rabl-Stadler bei einer Pressekonferenz irrtümlich 1,6 Mio. Euro als Summe genannt worden.

Auswüchse des Bürokratismus in Italien

Nicht nachvollziehen konnte der 66-jährige Kulturmanager, dass Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) nun ein Platzen der Verträge befürchtet. "Unsinn! Natürlich bleiben die Verträge gültig." Durch die Übernahme der Produktionen aus Salzburg habe er zudem die "Qualitätskontrolle", schließlich könne man auch an der Scala nicht ohne Koproduktionen arbeiten. "Dass das nicht die beste Lösung sein sollte, konnte mir noch niemand erklären." Schuld an der Misere seien aus Pereiras Sicht "die Auswüchse des Bürokratismus in Italien". Laut italienischem Theatergesetz dürfe nur der amtierende Intendant Verträge abschließen. "Das bringt absurde Interessenskonflikte." Sein Vorgänger Stephane Lissner plane schon für Paris, Daniel Barenboim für Berlin, folglich müsste Pereira seine Planungen offenlegen, "auf die Gefahr hin, dass mir die anderen eine Produktion oder einen Künstler abjagen können".

"Weiß, welche Qualität ich liefern kann"

Außerdem könne er nicht bis zum Antritt seiner neuen Funktion warten. "Wer glaubt, dass ich bis zum ersten September 2014 nichts mache und dann Produktionen aus dem Hut zaubere, kennt sich nicht aus. Künstler müssen gesichert werden. Sonst hat man kein Programm." Grundsätzlich zeigte sich Pereira aber über sein künftiges Engagement in Mailand nicht zwingend pessimistisch. "Der Aufsichtsrat, der sich neu zusammensetzen wird, kann dann über das weitere Vorgehen in Ruhe entscheiden", meinte er angesichts der Vertragsdauer bis Ende nächsten Jahres. "Und ich auch. Wenn es so ist wie in den letzten Wochen, habe ich keine Lust an der Scala zu bleiben. Aber ich weiß, welche Qualität ich liefern kann. Ich habe keine Angst, mein Risiko ist gering."

Pereira: "Keine Interessenskonflikte"

Auch gegenüber den "Salzburger Nachrichten" hielt Pereira fest, dass es bei den Verträgen zwischen den Festspielen und der Scala "keine Interessenskonflikte" gegeben habe. Weder habe er Geschäfte mit sich selbst gemacht, noch die Bilanz der Salzburger Festspiele mit Geld der Scala beschönigt. Die Vertragsverkürzung sei letztlich sein Vorschlag an den Mailänder Bürgermeister Giuliano Pisapia gewesen. "Wenn bis dahin (Ende 2015., Anm.) die Mailänder nicht zufrieden sind, dann verzichten sie auf mich. Wenn sie zufrieden sind, dann bitte hätte ich gerne eine volle weitere Amtszeit, das wären weitere vier Jahre."

Pereira ging außerdem näher auf seinen ursprünglichen Vertrag ein, der ihn nach seinen Angaben bis 2017 an das Opernhaus gebunden hätte. Allerdings sei in Italien vor Kurzem das Theatergesetz geändert worden, wonach sich der Aufsichtsrat der Scala eben bereits im kommenden Jahr und nicht erst 2017 neu konstituieren muss. "Einer anderen Regelung zufolge ist die Amtszeit eines Intendanten an jene des Verwaltungsrates gekoppelt. In meinem Fall hat der 2012 angetretene Verwaltungsrat 2013 beschlossen, dass ich 2014 als Intendant beginne und dass mein Vertrag bis 2017 dauert." Korrespondierend zum Mandat des Aufsichtsrates wäre dieser dann um fünf Jahre zu verlängern gewesen. Durch die Novellierung des Gesetzes mache es aus seiner Sicht Sinn, seinen Intendantenvertrag an das Mandat des Verwaltungsrates anzupassen.

Amtszeit beginnt mit "Fidelio"

Beginnen wird er seine Intendanz im Herbst jedenfalls mit "Fidelio", eine noch von Lissner vorgesehene Produktion. Die erste von ihm geplante Premiere steht am 15. Februar 2015 mit "Adia" in der Inszenierung von Peter Stein an. "Die Scala hat ja 2015, im Jahr der Expo, eine große Saison. Dieses Programm werde ich durchziehen." Entsprechend bereite er "alles weiter vor, ich werde hier ganz normal als Intendant wirken". (APA)

(Quelle: S24)

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