Jetzt Live
Startseite Salzburger Festspiele
Salzburger Festspiele

Erste Verurteilung im Osterfestspiel-Prozess

Das Urteil gegen den Kaufmann ist noch nicht rechtskräftig. Neumayr/B.P.
Urteilsverkündung in der Causa Osterfestspiele am Landesgericht Salzburg, Foto: Neumayr/Probst, 25.11.2013. Angeklagter Johannes Fickenscher.

Am 25. Verhandlungstag im Strafprozess um die Osterfestspiel-Affäre wegen mutmaßlichen Malversationen in Millionenhöhe ist am Montag am Landesgericht Salzburg ein erstes Urteil ergangen.

Einer der insgesamt drei Beschuldigten, ein 56-jähriger Medienkaufmann, wurde wegen gewerbsmäßig schweren Betruges zu 24 Monaten bedingt verurteilt. Er hatte sich reumütig geständig gezeigt.

Schadenersatzzahlung von 5.000 Euro

Der Angeklagte wurde zudem zu einer Teilschadensersatzzahlung in der Höhe von 5.000 Euro an den Salzburger Festspielfonds verurteilt. Der Fonds hatte einen Schaden von insgesamt 263.000 Euro angemeldet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig: Weder Staatsanwalt Michael Schindlauer noch Verteidiger Clemens Kriechbaumer gaben eine Erklärung ab. Der Strafrahmen reichte von einem Jahr bis zu zehn Jahren Haft.

Der aus Deutschland stammende Medienkaufmann hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt. Das Gericht schloss sich dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft an: Der Beschuldigte hat unter der Mittäterschaft des erstangeklagten früheren Technischen Direktors der Salzburger Festspiele, Klaus Kretschmer, die Salzburger Festspiele durch überhöhte Rechnungen und Scheinrechnungen für Bühnenausstattungen um rund 323.000 Euro geschädigt.

Zusatzeinkommen verhschafft

Die Staatsanwaltschaft ortete insgesamt sechs Tathandlungen, bei denen die beiden Angeklagten den damaligen kaufmännischen Direktor der Festspiele dazu verleitet hätten, die Auftragsvergabe für die Anlieferung von Bühnentechnik-Geräten an zwei Zulieferfirmen, die unter der Verantwortung des Medienkaufmanns standen, zu genehmigen und die Rechnungen zu bezahlen. Es handelt sich dabei um die Anmietung von insgesamt 107 Scheinwerfern und sechs Projektoren sowie um die Anfertigung einer Stahlgrundkonstruktion und um einen Hubpodienaufbau. Der Medienkaufmann hat im Laufe des Prozesses zugegeben, dass die Gegenstände zwar bestellt und bezahlt, aber gar nicht geliefert wurden und "er sich auf einfache Weise ein Zusatzeinkommen verschaffen wollte", wie die vorsitzende Richterin des Schöffensenates, Daniela Meniuk-Prossinger, nach der Urteilsverkündung erläuterte.

"Kretschmer fragte nicht viel nach"

Das Ganze habe aus seiner Sicht eine Eigendynamik entwickelt, hatte der Kaufmann dem Schöffensenat am 12. September erklärt. "Kretschmer war der Technische Direktor der Festspiele, ich habe nicht viel nachgefragt." Laut Kretschmer habe das Angebot schnell gehen sollen, innerhalb einer Stunde sei alles unterschrieben gewesen, auch vom Kaufmännischen Direktor der Festspiele, erklärte der Angeklagte. "Es war sehr einfach. Nachdem einige Scheinwerfer bestellt, aber nicht gebraucht wurden, wurden die Zahlungen getätigt."

Am Montag erklärte der Medienkaufmann, dass ihm das sehr leidtue, was passiert sei. "Ich möchte mich dafür entschuldigen. Ich wollte niemanden betrügen."

Prozess auf 2014 vertagt

In diesem Jahr ist im Strafprozess um die Osterfestspiel-Affäre nur mehr ein Verhandlungstag anberaumt, und zwar am 9. Dezember. Dann wird der Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt. Der Grund: Es werde abgewartet, bis die begonnene Therapie wirke, die Kretschmer derzeit absolviere, erläuterte Gerichtspräsident Hans Rathgeb auf Anfrage der APA. Wenn Kretschmer zu der Erkenntnis gelangt sei, dass er sich in der Lage sehe, an der Verhandlung wieder teilzunehmen, werde der Prozess fortgesetzt. Falls nach dem 9. Dezember nicht innerhalb von zwei Monaten ein neuerlicher Prozesstermin festgesetzt werde, müsse eine "Fristwahrungsverhandlung" angesetzt werden, außer die Verteidiger würden darauf verzichten, erläuterte Rathgeb.

Kretschmer in Behandlung

Kretschmer befindet sich in psychotherapeutischer Behandlung in der Salzburger Christian Doppler Klinik. Er war zu Prozessbeginn im September aufgrund psychischer Probleme vorläufig vom Verfahren ausgeschieden worden, obwohl ihm eine Gutachterin Verhandlungsfähigkeit attestiert hatte. Am ersten Prozesstag am 10. September hatte er erklärt, dass es ihm sehr schlecht gehe und er den Zusammenhang der Anklage nicht verstehen könne. Kretschmer wurde mittlerweile erneut begutachtet, wieder mit dem Ergebnis, dass er verhandlungsfähig ist.

Osterfestpiele: Prozess vier Jahre nach Affäre

Der Strafprozess am Landesgericht Salzburg startete am 10. September 2013 und damit fast vier Jahre nach Bekanntwerden des Skandals. Die Staatsanwaltschaft ortete einen durch Malversationen hervorgerufenen Gesamtschaden von rund zwei Millionen Euro. Angeklagt wurden drei Personen: Klaus Kretschmer wegen Untreue und schweren gewerbsmäßigen Betruges sowie der ehemalige Geschäftsführer der Osterfestspiele, Michael Dewitte (46) wegen Untreue und der für zwei Zulieferfirmen verantwortliche Medienkaufmann wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges. Dewitte beteuerte seine Unschuld.

Aufgerufen am 25.03.2019 um 11:23 auf https://www.salzburg24.at/themen/salzburger-festspiele/erste-verurteilung-im-osterfestspiel-prozess-44326006

Kommentare

Mehr zum Thema