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Handkes Text "für Theater eine Zumutung"

"Dieser Text ist für das Theater eine Zumutung, aber so etwas brauchen wir." Das sagte Dramaturgin Beate Heine über Peter Handkes Stück "Immer noch Sturm" am Freitag bei einem Pressegespräch. Genau in einer Woche soll diese Koproduktion mit dem Hamburger Thalia Theater bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt werden.

"Die Übertragung auf die Bühne ist auch deswegen schwierig, weil er, Handke, als Figur selbst auf der Bühne steht, und weil sich dieser Handke in allen Figuren dieses Stückes verbirgt. Noch dazu sind diese Figuren allwissend, und das Stück ist eine Mischung aus sehr persönlicher Familiengeschichte und der Geschichte Kärntens und Sloweniens. Und es ist autobiografisch und fiktiv zugleich - ich denke, das macht deutlich, wo die Herausforderung liegt", erläuterte Heine.

Salzburg. Auch Regisseur Dimiter Gottscheff - Heiner-Müller-Stammregisseur und erstmals mit Handke beschäftigt - sprach einerseits von "großen Schwierigkeiten". Andererseits von einer "Poesie, die dem Text eine andere Dimension verleiht", von außergewöhnlicher Sinnlichkeit und Berührungspunkten mit der antiken Tragödie. "Dieses Werk ist ein Epos mit einer Schwerkraft, die uns hineinzieht und der Substanz Stück für Stück näher bringt. Wir haben zwei Monate in Hamburg geprobt, und jetzt, durch diesen offenen und wunderbaren Raum auf der Pernerinsel, entdecke ich immer noch Neues.

Ursprünglich war Claus Peymann als Regisseur vorgesehen, aber dann entschied sich Handke für Salzburg. Es ist ja Bedingung von Handke, dass seine Bühnenwerke in Österreich uraufgeführt werden. In "Immer noch Sturm" gibt es einen Erzähler, der sich "ich" nennt. Dieser "ich" kehrt zurück in sein Kärntner Heimatdorf, begegnet seinen slowenischen Vorfahren und seiner Mutter, die mit "ihm" schwanger ist. Und "ich" trifft auf dieser Zeitreise sogar sich "selbst". Handke träumt Geschichte und korrigiert die Fakten im Leben seiner in den Partisanenkampf verstrickten Vorfahren.

"Dieser Text kann auf der ganzen Welt verstanden werden", sagte der Salzburger Schauspielchef Thomas Oberender. "Man hat Handke ja immer wieder vorgeworfen, ein 'Ich-Literat' zu sein. Aber das Ich, die Politik und die Gesellschaft schließen einander in diesem Text nicht aus. 'Immer noch Sturm' ist eine Art Summe von Handkes Werk."

Auf der Bühne stehen werden Schauspieler wie Jens Harzer, Oda Thormeyer, Tilo Werner oder Hans Löw. Die Bühne ist von Katrin Brack gestaltet, deren Ästhetik abstrakt bleibt und doch an die Natur angelehnt ist. "Aus meiner Sicht spielt das Stück auf einem Acker, oder auch in einem Wald. Im Text gibt es einen Apfelbaum, aber den stelle ich nicht auf die Bühne. Ich hoffe, dass man durch die verschiedenen Farben spürt, wo und in welcher Jahreszeit man sich befindet". Musikalisch wird die Uraufführung von Sandy Lopicic begleitet, der die Balkanfolklore - seinem Tanzorchester entsprechend - als Grundlage eingebaut hat. "Dazu aber gibt es eine Menge von Beatles-Zitaten. Und das Ganze dann mit dem Kärntner-Lied zusammen zu bringen, das war meine Aufgabe". (APA)

(Quelle: S24)

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