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Opulent und witzig: "Giulio Cesare" bei Salzburger Pfingstfestspielen

Am Ende gab es Buh-Rufe ohne Ende für die Regie. Aber die waren ungerecht. Denn wie Moshe Leiser und Patrice Caurier Georg Friedrich Händels Oper "Giulio Cesare in Egitto" ins Haus für Mozart gebracht haben, war witzig, opulent und derart unterhaltsam, dass der fünfstündige Opernabend Freitagabend bei den Salzburger Pfingstfestspielen unerwartet schnell vorüber ging.

Dazu trugen ganz entscheidend auch die Solisten bei. Cecilia Bartoli scharte vier Weltklasse-Countertenöre um sich, und auch die Orchesterbegleitung war bei Giovanni Antonini und Il Giardino Armonico in allerbesten Händen. Trotz der partiellen Ablehnung des Premierenpublikums hat die neue künstlerische Leiterin Cecilia Bartoli mit ihrer ersten Produktion für Salzburg einen beeindruckenden Start hingelegt.

Händels Oper als Spektakel

Zugegeben, die Regisseure Moshe Leiser und Patrice Caurier sowie Christian Fenouillat (Bühne) und Agostino Cavalca (Kostüme) haben reichlich dick aufgetragen. "Cleopatra" Cecilia Bartoli ist Domina im Lederkorsett und packt ihre Dienerin schon mal von hinten. "Tolomeo" Christophe Dumaux greift sich permanent in die Hose und onaniert mit einem großformatigen Herrenmagazin. Davor wühlt er in den knackwurstartigen Gedärmen seiner Feinde und füttert ein Riesenkrokodil mit deren Köpfen. "Cesare" Andreas Scholl fährt mit einem Jaguar auf die Bühne. Kunterbunte Riesen-Bomben detonieren, Maschinengewehre knattern, und am Ende rollt doch glatt ein echter Kampfpanzer der Deutschen Bundeswehr aufs Schlachtfeld im Haus für Mozart - was für ein Spektakel. Händels Historien-Oper dreht sich ja tatsächlich um Machtgier, blutrünstige Rachsucht, Intrige, ein Durcheinander an pathetischer Liebe und Begierde mit haufenweise dahingemetzelten Römern und Ägyptern. Die Regisseure haben die Oper also wörtlich, aber nicht tierisch ernst genommen. Im Gegenteil, es sind Humor und augenzwinkernde Ironie, die diese Inszenierung rundum gelungen und kurzweilig machen. Mancher Gag mag übertrieben sein, mancher Klamauk und mancher Ramsch auf der Bühne kann als entbehrlich empfunden werden. Aber unter dem Strich haben Leiser, Caurier und ihr Team nicht billige Effekte gehascht, sondern eine im Grunde entsetzlich altmodische Geschichte mit einer kunterbunt-kreativen Frischzellenkur greifbar gemacht.

Stimmgewaltige Darstellung

Keine Frage, ohne die Musiker auf der Bühne hätte das alles nichts genützt und wäre leerer Kanonendonner geblieben. Da ist einmal Bartoli selbst. Zwar ist diese Stimme von besonders großem Vibrato und einigen merkwürdigen Farbwechsel in den Registern getrübt. Aber was Bartoli an innigem Piano, an rhythmischer Energie, an musikalisch-gestalterischer Intelligenz und nicht zuletzt an schauspielerischer Ausstrahlung an den Tag legte, ist kaum zu beschreiben - einfach großartig. Neben ihr vier der besten Countertenöre der Gegenwart: Andreas Scholl, Philippe Jaroussky, Christophe Dumaux und Jochen Kowalski lieferten Sänger-Kunst vom Feinsten und bewältigten die zum Teil enorm großen Partien samt und sonders auf Top-Niveau. Anne Sofie von Otter, mit Abstrichen Ruben Drole und Peter Kalman vervollständigten ein Sängerfest, wie es selbst in führenden Opernhäusern nicht Standard ist. Auch das Originalklang-Orchester Il Giardino Armonico und Dirigent Giovanni Antonini lieferten eine sehr gute Performance. Eher klein, fast dünn im Gesamtklang, manchmal rau und nicht immer intonationssicher, aber dafür rhythmisch pointiert, spritzig, federnd, transparent und vor allem unglaublich sängerfreundlich was Antonini und seine Leute aus dem Graben zum Bühnengeschehen beitrugen. Alles in allem haben Intendant Alexander Pereira, die künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele Cecilia Bartoli, die Sänger, das Orchester und sein Dirigent sowie das gesamte Regieteam eine Oper auf die Bühne gebracht, von der man zu Zeiten der Pfingst-Intendanz Riccardo Mutis nicht einmal zu träumen gewagt hat. (APA)
(Quelle: S24)

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