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"Jedermann remixed": Aus Archivfilmen wird eine neue Aufführung

Aus neun Jahrzehnten Material aus den Filmarchiven kreierte Regisseur Hannes Rossacher eine komplette ?Jedermann?-Aufführung mit verschiedenen Darstellern aus der Vergangenheit bis zum letzten Jahr.

Im Auftrag der Salzburger Festspiele und des ORF ist ein außergewöhnliches Projekt entstanden: Regisseur Hannes Rossacher durchforstete das Archivmaterial aus neun Jahrzehnten und kreierte daraus eine komplette "Jedermann"-Aufführung mit Darstellern aus den verschiedensten Produktionen bis zu jener der Vorjahressaison. Im Rahmen des Festes zur Festspieleröffnung feierte der Film "Jedermann remixed" als Auftakt der "Siemens-Festspielnächte" auf dem Salzburger Kapitelplatz am Sonntagabend vor rund 300 Zusehern Premiere.

Bevor die Filmvorführung losging, erzählten ehemalige und aktuelle "Jedermann"-Mitwirkende in der "Salzburg Kulisse" im "Haus für Mozart" über ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Stück. An dieser "Tischgesellschaft" nahmen der aktuelle "Jedermann" Nicholas Ofczarek, Ex-Buhlschaft Sunnyi Melles, die Vorjahres-"Gute Werke" Angelika Richter und der derzeitige "Teufel" Peter Jordan teil. Eine Zusammenfassung von dieser Plauderstunde ist am 31. Juli 2011 um 09.35 Uhr in ORF 2 zu sehen.

Kein anderes Schauspiel ist mit den Salzburger Festspielen so verbunden wie Hugo von Hofmannsthals "Spiel vom Sterben des reichen Mannes". Für den Film "Jedermann remixed" wurden Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen geschnitten und zu einem kulturhistorischem Puzzle zusammengefügt. Den "Jedermann" verkörpern Alexander Moissi, Will Quadflieg, Curd Jürgens, Klaus Maria Brandauer, Peter Simonischek bis zum aktuellen Jedermann Nicholas Ofczarek. Genauso schlüpfen Christiane Hörbiger, Senta Berger, Sunnyi Melles, Veronica Ferres und die "aktuelle" Birgit Minichmayr in die Rolle der Buhlschaft. Auch all die anderen Rollen wie der gute Gesell, Tod und Teufel werden von unterschiedlichen Schauspielern dargestellt. "Jedermann remixed" wird am 31. Juli um 22.00 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt.

Den Soundtrack zum Film lieferte der international renommierte Blues- und Roots-Musiker Hans Theessink. Er schaffte mit eigenen Kompositionen sowie Coverversionen von The Rolling Stones, Tom Waits, Johnny Cash etc. eine außergewöhnliche Stimmung.

Blues statt Klassik als Soundtrack des "Jedermann"-Remixed

Wie aber kommt Jedermann zum Blues, würde man doch das Spiel vom Sterben des reichen Mannes wohl eher mit Klassik assoziieren? Singer/Songwriter Hans Theessink: "Bei näherer Betrachtung wird schnell klar, dass gerade Blues- und Rootsmusik thematisch immer schon eng mit Themen wie Tod und Teufel verbunden war." Daher überrascht die Song-Auswahl auch nicht: u.a. etwa "Sympathy For The Devil" von den Stones, das Traditional "Satan, Your Kingdom Must Come Down" oder der Hank-Williams-Klassiker "The Angel of Death".

Grundsätzlich haben sich Rossacher und Theessink für alle Szenen der Dokumentation eine jeweils passende musikalische "Untermalung" für den Soundtrack überlegt - das Erscheinen des Todes wird von Johnny Cashs "The Man Comes Around" begleitet, jenes der Buhlschaft von Ray Charles' "I Got A Woman". Und den Auftritt des reichen Mannes selbst verstärkt Bo Diddleys "I'm a Man". Nur für die Szene, in der die Mutter ihrem Bonvivant-Sohn ins Gewissen zu reden versucht, fand sich kein passendes Musikstück - also komponierte Theessink "Mother's Advice" quasi als "Auftragsarbeit": "Das war für mich eine vollkommen neue Erfahrung."

Dominant im Soundtrack ist Theessinks tiefe Blues-Stimme, die bei den reduzierten Arrangements - oftmals nur Vocals und Gitarre - an Eindringlichkeit kaum zu übertreffen ist. Allerdings: In der Doku werden die Songs natürlich immer nur kurz zu den Szenen angespielt. In voller Länge sind alle 18 Titel auf der neuen Theessink-CD "Jedermann Remixed" (Blue Groove) zu genießen. Und einige davon sind in seinem neuen Live-Programm enthalten, mit dem der Wahl-Wiener aus den Niederlanden im Sommer durch Dänemark, Deutschland und - ab 23. August - Österreich tourt.

 

(APA)
(Quelle: S24)

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