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Salzburger Festspiele: Aktivisten verteilten "Gegenrede" von Ziegler

Aktivisten der "Plattform Zivilgesellschaft" und der Salzburger "Grünen" haben vor der Eröffnung der 91. Salzburger Festspiele heute, Mittwoch, am Vormittag die nicht gehaltene Rede von Jean Ziegler an Festspiel- und Zaungäste vor den Festspielhäusern in der Hofstallgasse verteilt.

Es handelte sich dabei um eine 16-seitige Broschüre des "Ecowin"-Verlages mit dem Titel "Aufstand des Gewissens".

Der Schweizer Globalisierungskritiker Ziegler hätte ursprünglich die diesjährige Festrede in der Felsenreitschule halten sollten, wurde aber wieder ausgeladen. Die Salzburger Landeshauptfrau befürchtete, dass Zieglers angebliche Nähe zu Libyens Diktator Gaddafi mehr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen könnte als die Rede selbst.

"Ziegler hätte in seiner Rede den Welthunger thematisiert. Er wollte in Salzburg gerade diese Leute treffen, die verantwortlich für das Elend dieser Welt sind", sagte eine Aktivistin zur APA. Es sollten heute 3.000 Exemplare der "Gegenrede" verteilt werden. Nach dem Festakt in der Felsenreitschule wurde dann auch die offizielle Festrede von Joachim Gauck in gedruckter Form von Mitarbeitern der Festspiele verteilt.

Zieglers Rede sei "ein wichtiger Appell, der möglichst viele Menschen erreichen sollte", erläuterte LAbg. Cyriak Schwaighofer (Grüne) die Intention der Verteilaktion. Alle fünf Sekunden verhungere ein Kind unter zehn Jahren, schrieb Ziegler. Dass das World-Food-Programm im Jahr 2008 noch sechs Milliarden Dollar für Soforthilfe zur Verfügung hatte und im Jahr 2011 nur noch 2,8 Milliarden, liegt für Ziegler unter anderem darin begründet: "Weil die reichen Geberländer - insbesondere die EU-Staaten, die USA, Kanada und Australien - viele Tausend Milliarden Euro und Dollars ihren einheimischen Bank-Halunken bezahlen mussten: zur Wiederbelebung des Interbanken-Kredits zur Rettung der Spekulations-Banditen. Für die humanitäre Soforthilfe (und die reguläre Entwicklungshilfe) blieb und bleibt praktisch kein Geld."

Und so mancher Festspielbesucher hätte wohl auch mit dieser Passage von Jean Ziegler keine Freude gehabt, meinten die Salzburger Grünen: "Viele der Schönen und der Reichen, der Großbankiers und der Konzern-Mogule dieser Welt kommen in Salzburg zusammen. Sie sind die Verursacher und die Herren dieser kannibalischen Weltordnung."

Ziegler selbst hatte die spätere Einladung von einer Plattform aus Kulturinitiativen und Friedensbewegungen zu einer alternativen Gegenveranstaltung in der Stadt Salzburg am Tag der Festspieleröffnung ausgeschlagen. Als Grund gab er mögliche Terminschwierigkeiten an. (APA)

(Quelle: S24)

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