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Salzburger Festspiele: Gisele Vienne führt aufs Eis und in den Wald

Im Rahmen des "Young Directors Project" zeigt die Französin Gisele Vienne seit Samstag unter anderem die Produktion "Eternelle Idole" in der Eisarena. Neumayr
Im Rahmen des "Young Directors Project" zeigt die Französin Gisele Vienne seit Samstag unter anderem die Produktion "Eternelle Idole" in der Eisarena.

Im Rahmen des "Young Directors Project" zeigt die Französin Gisele Vienne seit Samstag zwei Produktionen: "Eternelle Idole" (entstanden 2009) ist in der Eisarena zu sehen, der künstliche Zauberwald für "This is how you will disappear" (2010 bereits beim steirischen herbst) ist im republic aufgebaut. Beide Gastspiele hinterließen beim Publikum mehr Verstörung als Begeisterung.

Es scheint, als könne man die spezielle Ästhetik, die sich Vienne für ihre performativen Installationen erarbeitet hat, nur enthusiastisch begrüßen oder radikal ablehnen. Tatsächlich kann man in den insgesamt bloß etwas mehr als zwei Theaterstunden, die noch bis 22. August in Salzburg zu sehen sind, reine Effektmacherei sehen, Nebelmaschinen- und Tonbandtheater, das auf Bauch und Nerven zielt, aber eigentlich nichts zu erzählen hat. Es lässt sich aber auch ein zauberisches, ätherisches Gebilde aus Zitaten und Zusammenhängen, Andeutungen und Anspielungen entdecken, etwas in die Tiefe zielendes Unaussprechliches jenseits narrativer Theaterkonzepte, eine Mischung aus Matthew Barney und David Lynch.

In "Eternelle Idole" bekommt man - untermalt von meist dröhnender Musik (Stephen O'Malley) - die längste Zeit das zu sehen, was in Eishallen auch sonst zu sehen ist: Eine junge Eisläuferin (Aurore Ponomarenko) trainiert nach Anweisungen ihres Trainers (Jonathan Capdevielle), später umkreisen sie junge Schlittschuhläuferinnen der Eisunion Salzburg, alle mit den gleichen Perücken und dem gleichen Outfit, ehe Eishockeyspieler des EC Oilers Salzburg ein Minishowtraining absolvieren. Erst spät, im Kürprogramm der Eisläuferin, mischen sich Fantasiebilder dazu: Eine übers Eis gleitende Nebelwolke scheint Körperlichkeit zu entwickeln und nach der Sportlerin zu greifen, ein Fabelwesen taucht auf und fängt die in Ohnmacht fallende junge Frau auf, ein UFO erscheint. Und aus.

Dem Trainer begegnet man eineinhalb Stunden später im Wald wieder: In "This is how you will disappear" trainiert er eine junge Bodenturnerin (Margret Sara Gudjonsdottir). Ganz normale Vorgänge bekommen durch das Setting, die von Elektroniker Peter Rehberg ganz auf Horrorshow getrimmte Musikuntermalung und eine über Lautsprecher kommende Warnung neue Bedeutung: "Be perfect today - or I will kill you and throw you in the river!" Im Märchenwald, der mit stupendem Lichtdesign (Patrick Riou) und wabernden, feuchten Nebelskulpturen (Fujiko Nakaya) unheimliches Leben entfaltet, ja sogar mit echten Vögeln bespielt wird, wartet jedoch nicht der böse Wolf, sondern ein "Rockstar" (Jonathan Schatz), der sich bejammert, weil er soeben seine Freundin ermordet haben will. Es kommt zu einem blutigen Kampf mit dem Trainer, bis ein Bogenschütze auftaucht.

In beiden Fällen muss sich das Publikum auf eigenwillige, perfekte Bilderwelten einlassen und sich selbst einen Reim darauf machen. Gisele Vienne, 1976 geborene Tochter einer Salzburger Mutter und eines französischen Vaters, hat im Entwerfen ihrer suggestiven, lebenden Bilder höchste Kunstfertigkeit entwickelt, im von ihr erzeugten Nebel lässt sie die Zuschauer allein. Das gefällt so manchem nicht. Auch, dass Bühnensetting, Musik, Licht und Wasserdampf in ihren Performances eine größere Rolle spielen als einzelne Darsteller, hat mit herkömmlichem Theater kaum etwas zu tun.

Am Dienstag wird nun in Salzburg der "Young Directors Award" vergeben. Gisele Vienne ist im internationalen Festivalbetrieb längst etabliert. Die junge Südafrikanerin Princess Zinzi Mhlongo vermochte mit "Trapped" nur wenige wirklich zu überzeugen. Die Chancen für die 30-jährige Osttirolerin Cornelia Rainer (zeigte "Jakob Michael Reinhold Lenz") stehen ausgezeichnet. Gut möglich, dass der Preis, der 2002 zum ersten Mal vergeben wurde, heuer erstmals nach Österreich geht. Doch auch dann wird es, zwei Wochen nach Olympia, nicht die ersehnte Medaille geben - sondern einen noblen Füllhalter und einen Siegerscheck über 10.000 Euro. (APA)

(Quelle: S24)

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