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Salzburger Festspiele: Jedermann" als Pop und Trash im YDP

Den "Jedermann" als Pop und Trash gab es Dienstagabend in der ArgeKultur. APA/Gindl
Den "Jedermann" als Pop und Trash gab es Dienstagabend in der ArgeKultur.

Mit "Jedermann" nach einem Konzept von Bastian Kraft geht es mit dem "Young Directors Project" (YPD) bei den Salzburger Festspielen interessant, aber nicht ganz so inspirierend wie vor einer Woche weiter.

Der 33-jährige Regisseur aus Deutschland hat Dienstagabend, seinen "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal auf die Bühne der ARGEkultur gebracht. Und zwar als trashiges, poppiges Solo für Philipp Hochmair.

Ein Schauspieler - fast alle Rollen

Hochmair spielt alle Rollen selbst. Nur den Tod nicht. Dafür steht ihm die Musikerin Simonne Jones zur Seite mit ihren gruftigen oder eleganten Girlie-Outfits und holprigem, digital verfremdetem Deutsch. Aber Jones macht mehr, als den Jedermann mit amerikanischem Akzent zur Abrechnung abzuholen. Als Zeremoniemeisterin bettet sie das gesamte Stück in Klavier, sanfte Gitarre, grobes Heavy Metal und dröhnenden Drum&Bass. Manchmal klingt das liebevoll und rührend, manchmal ruppig und rücksichtslos und oft auch nur gleichgültig. Wie das Spielen mit Barbiepuppen halt so ist.

Jedermann: Hofmannsthals Worte

So gut wie jedes Wort, das Hochmair spricht, stammt von Hofmannsthal und ist so (oder so ähnlich) auch auf dem Domplatz zu hören. Eine Neu-Interpretation der traditionsreichen Salzburger Mysterien-Figur liefert Bastian Kraft nicht. Krafts Beitrag ist Design und Ästhetik. Optische und akustische Effekte holen die Zuschauer in einen Rave-Klub. Es blendet, kracht und groovt zwischen Bildschirmen, Lautsprecherboxen, digitalen Sprachanzeigen und Mikrofonständern. Aber in diesem Tempel der Laptop-gesteuerten Jugendkultur fühlt sich der YDP-Jedermann überraschend alt an. Nein, Krafts Jedermann ist kein neuer Jedermann.

Da strampelt einer um sein Leben, pendelt zwischen Buhlschaft, Teufel, Mutter, Schuldknecht und Gutem Gesell hin und her. Spricht die guten, alten, oft hölzernen und manchmal fast ungeschliffen wirkenden Verse förmlich und werktreu. Aber diese Worte sperren sich gegen diese Jedermann-Bühne im autonomen Kulturzentrum. Irgendwie bleibt dieser Jedermann ein Stück der Salzburger Festspiele. Auch wenn sich das Young Directors Project mit nobler Sponsorenhilfe in der Subkultur eingenistet hat.

Großes Lob für Hochmair

Beeindruckend ist diese "Everyman-Performance" trotzdem. Denn Hochmair hat Kraft (nicht Regisseur Bastian Kraft ist gemeint, sondern jene Bühnen-Energie, die ein Theater-Konzept stark und eindringlich macht). Hochmair hält die Kamera aus, die ihn aus dem Auge eines Skeletts permanent beobachtet. Subjektiv aber gnadenlos. Er stemmt fast alle Rollen des Mysterienspiels ohne Pathos. Es ist vor allem Hochmairs Abend. Und der seiner Musikerin und des "Stage-Designers" Peter Baur, der mit ein paar technischen Problemen zu kämpfen hatte. Bastian Krafts Konzept wirkt um einen Tick zu dünn. Ein einziger substanziell neuer Gedanke zum Leben und Sterben des reichen Mannes wäre schön gewesen. (APA)

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