Jetzt Live
Startseite Salzburger Festspiele
Salzburger Festspiele

Salzburger Pfingstfestspiele: Schwerer und zugleich leichter "Otello"

Die Aufführung von Otello aus dem Jahr 2008. APA/BARBARA GINDL
Die Aufführung von Otello aus dem Jahr 2008.

Cecilia Bartoli präsentierte die Inszenierung von Moshe Leiser und Patrice Caurier. Sie selbst sang dabei die "Desdemona". Außerdem gibt es Gastspiele aus Zürich und Paris.

Salzburg hat Rossini gefeiert. Fünf Tage lang wurde der geniale Genießer Gioachino Rossini (1792-1868) von der leichten, der geistlichen und der dramatischen Seite beleuchtet. Zum Abschluss der Pfingstfestspiele 2014 hat die künstlerische Leiterin Cecilia Bartoli den "Otello" von 2012 in Zürich und Paris ausgegraben und gestern, Montagabend, für eine Vorstellung ins Große Festspielhaus geholt.

Otello war weltweiter Erfolg

Die Tragödie ist nicht Rossinis größte Stärke. Aber sein 1816 uraufgeführter "Otello" war ein Welterfolg, zumindest 70 Jahre lang. 1887 präsentierte Verdi seine gleichnamige Oper nach Shakespeare, die zum Inbegriff des Eifersuchtsdramas werden sollte und Rossinis Version von den Bühnen verdrängte. Tatsächlich komponierte Rossini sogar in den ultradramatischen Mord- und Selbstmord-Szenen beschwingte, tänzerisch-melodische Musik, die Verdis dramatischer Kraft auch heute nicht standhält.

Cecilia Bartoli hat die Begegnung mit dem "schweren" Rossini nicht nur organisiert, sondern die "Desdemona" auch selbst gesungen. Auch wenn sie gerade im Dramatischen die Stimme zurücknehmen muss und ihre Energie nicht mehr eins zu eins in Klang zu verwandeln imstande ist, so wirkt Bartoli als Kraftzentrum der Salzburger Pfingstfestspiele. Auch im "Otello", zumindest schauspielerisch. Mehr Stimmkraft aber kam von den Tenören John Osborn (Otello), Edgardo Rocha (Rodrigo) und Barry Banks (Jago). Auch Peter Kalman (Elmiro), Liliana Nikiteanu (Emilia) und Nicola Pamio (Doge) sorgten für starke Sänger-Momente.

Raumästhetik in erdigen Farben

Feinfühlig und ausgewogen war die Orchesterbegleitung von Jean-Christophe Spinosi und dem Ensemble Matheus aus Brest. Die Gäste aus Frankreich entwickelten differenzierte Klangfarben und innige Piani. Zugleich packten die Musiker aber zu, ohne je laut zu werden und die Sänger unter Druck zu setzen. Dieses Originalklangensemble hat sein Salzburg-Debüt mit "Otello" und "La Cenerentola" hervorragend gemeistert.

Inszeniert wurde der "Otello" von Moshe Leiser und Patrice Caurier, die in Salzburg 2012 mit ihrem "Giuglio Cesare" eine umstrittene und mit "Norma" 2013 eine bejubelte Regiearbeit präsentiert hatten. Diesmal setzten die beiden statt auf Dynamik und Spektakel vor allem auf die Wirkung der großen Bühne und zeigten Raumästhetik in erdigen Farben mit gegenwärtigen Kleidern (Bühne: Christian Fenouillat, Kostüme: Agostino Cavalca). Manche Szene wirkte merkwürdig hölzern, und auch der Sinn einer Sichtachse auf einen Motorroller erschließt sich nur zögerlich. Alles in allem aber stimmt das schon, was die beiden da in Szene setzten, zumindest störte es den Lauf des Dramas nicht. Anständiger Applaus am Ende dieses Gastspiels mit "schwerem und dennoch leichtem" Rossini. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 29.03.2020 um 11:12 auf https://www.salzburg24.at/themen/salzburger-festspiele/salzburger-pfingstfestspiele-schwerer-und-zugleich-leichter-otello-45375118

Kommentare

Mehr zum Thema